Behandlungsfehler bei Ärzten werden klein geredet, bei Heilpraktikern starten Politik, Medien und Lobbyisten Kampagne zur Abschaffung des Berufs

Behandlungsfehler in der Medizin können für Patienten fatale Folgen haben, egal wer der Therapeut ist. Was mich als Patient erstaunt, ist, mit wie unterschiedlichen Abhorch- und Bewertungs-Methoden die Behandlungsfehler von Ärzten und Heilpraktikern von der Gesundheitspolitik je nach Behandler eingestuft werden, wie dieser Blog zeigt.

Hier einige Beispiele, wie unterschiedlich die Politik reagiert. Die andersartigen Reaktionen auf Behandlungsfehler von Ärzten und Heilpraktikern lassen den Rückschluss zu, dass die Politik von Lobbygruppen beeinflusst sein könnte, für die der Heilpraktiker-Beruf ein Wettbewerber im Gesundheitsmarkt ist. Außerdem wirkt die Orchestrierung der Kampagne von Politik, Medien und Anti-Heilpraktiker-Lobbygruppen so, als habe man auf solch einen Fall wie in Brüggen-Bracht gewartet, um eine lang geplante Kampagne gegen den Berufsstand mit 45.000 Heilpraktikern zu starten.

Bei diesem Vergleich „Behandlungsfehler Arzt-Heilpraktiker“ geht es nicht darum, Behandlungsfehler zu relativieren oder Zahlen zu vergleichen. Es geht allein darum, zu zeigen, wie unterschiedlich Politik und Medien reagieren.

Zum Vergleich hier die Reaktionen:

Fälle bei einem Heilpraktiker (einziger den Behörden bekannter Fall):

Bei einem Heilpraktiker versterben nach einer Behandlung drei Patienten. Der Fall „Brüggen-Bracht“ ist seit 29.3. vor Gericht.
Medien: bisher ca. 2.500 Medienberichte
Reaktionen Politik:
1. Bundesministerium für Gesundheit will per GSAV-Gesetz 2019 Heilpraktiker-Beruf stark regulieren (Argument im Gesetzentwurf GSAV: Brüggen-Bracht)
2. Gesundheitsministerkonferenz der Bundesländer will Heilpraktiker-Gesetz 2019 komplett überarbeiten (Argument der GMK bei Präsentation: Brüggen-Bracht)
3. FDP-Arbeitsgruppe Gesundheit der Bundestagsfraktion (Bericht im Ärzteblatt) fordert zusammen mit Vertretern der Lobbygruppen der konventionellen Ärzte und Die Skeptiker die Abschaffung des Heilpraktiker-Berufs (Argument: Brüggen-Bracht)

 

Fälle Ärzte (kleine Auswahl von vielen Fällen):

Patient verstirbt durch Behandlungsfehler bei Hausarzt in Niedersachsen. Gericht verurteilt ihn zu Schmerzensgeld von 500.000 Euro.
Medien: ca. 10 Berichte
Politik: keine Reaktion. Kein Politiker fordert die Abschaffung des Arzt-Berufs.

Zahnarzt zieht bei mehreren Patienten gesunde Zähne. Gericht verurteilt ihn zu Bewährungsstrafe.
Medien: ca. 10 Berichte
Politik: keine Reaktion. Kein Politiker fordert die Abschaffung des Zahnarzt-Berufs.

19.000 tödliche Behandlungsfehler in Krankenhäusern listet der AOK-Krankenhausreport 2014 auf.
Medien: ca. 20 Berichte
Politik: argumentiert, man müsse die Zahl der Fälle in Relation mit der Zahl der Behandlungen insgesamt sehen. Aber man wolle ein Datenerhebungsinstitut für Kliniken gründen.

 

 

 

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2 Antworten

  1. Thalhammer-Bauer Maria sagt:

    Sehr geehrter Herr Becker,

    in Ihrem Zeitstrahl hat sich ein Zahlendreher eingeschlichen:
    Die beiden Daten für März sind sicher auf 2019 bezogen, nicht auf 2018, oder?

    Kompliment für Ihren tollen Blog
    Ich wünsche Ihnen und uns viel Erfolg damit 🙂
    Herzliche Grüße
    Maria Thalhammer-Bauer

    • Christian Becker sagt:

      Da haben Sie vollkommen recht. Danke für den Hinweis, ist korrigiert, liebe Frau Thalhammer-Bauer. Viele Grüße Christian J. Becker

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