Arztverband will Akupunktur unter Arztvorbehalt stellen, Heilpraktikerin wehrt sich mit Protestschreiben dagegen

Seit vielen Jahren führen einige Arztverbände der Schulmedizin einen wirtschaftlich orientierten Verdrängungskampf gegen den Heilpraktiker*innen-Beruf. Seit letztem Jahr hat sich dies durch die Unterstützung der Bundespolitik für die Arztinteressen verstärkt und in konkrete Einschränkungen niedergeschlagen, z.B. bei der Eigenblut-Therapie unter Arztvorbehalt (seit 1.9.19, Link) oder auch bei der Laserbehandlung von Tattoos (ab 2021, Link) unter Arztvorbehalt. Bei beiden Behandlungen sind Ärzte der Schulmedizin die Profiteure, indem eine Heilpraktiker-Behandlung durch den Gesetzgeber eingeschränkt wird.

Nun gehen Arztverbände noch einen Schritt weiter und möchten eine weitere Therapie von Heilpraktiker*innen für sich allein vereinnahmen und die Heilpraktiker*innen ausschließen: die Akupunktur. Der Arztverband der Dt. Ärztegesellschaft für Akupunktur hat in der Süddeutschen Zeitung am 17. Juli eine Anzeige geschaltet. Darin schreibt der Arztverband über die Heilpraktiker:

heilpraktiker akupunktur

Die Arzt-Anzeige ist der Anlass für die Heilpraktikerin Andrea Hellwig (Herausgeberin der Herausgeberin der Qi-Zeitschrift für Chinesische Medizin und ehemalige Vorstandsvorsitzende der AG-TCM) ein Protestschreiben am 2. September an den Arztverband zu richten – wegen der „pauschal-diffamierenden Äußerungen über nichtärztliche Berufsgruppen“. Das Schreiben liegt dem Heilpraktiker-Newsblog vor. Andrea Hellwig kritisiert an der Anzeige des Arztverband die Aussage,  dass Akupunktur allein in ärztlicher Hand sicher und effektiv sei. Der Arztverband vergesse außerdem zu erwähnen, dass Heilpraktikern und Ärzten eine umfassende Ausbildung der Akupunktur gestattet sei. Die Heilpraktikerin schreibt weiter: „Der Kern bzw. der wohl beabsichtigte Plot der Anzeige findet sich in dem Abschnitt über die Befähigung zur Ausübung der Akupunktur. Die DÄGfA kreiert zunächst die Berufs- bzw. Tätigkeitsbezeichnung des Akupunkteurs, die in unserem Gesundheits- system nicht zulässig ist.“

Andrea Hellwig stellt klar: „Dass darüber hinaus auch Heilpraktiker in der Lage sind, eine klinische Differen- zialdiagnose zu erstellen und den Patienten ggf. an einen Arzt weiterzuleiten, wird kurzerhand stillschweigend in Abrede gestellt.“ Und: „Warum werden mögliche ärztliche Diagnose- und Behandlungsfehler gar nicht erst in Erwägung gezogen, sondern subtil den Heilpraktikern unterstellt?“ Die TCM-Expertin kritisiert: „Die Anzeige der DÄGfA entspricht in keiner Weise den insbesondere im medizinischen Kontext notwendigen ethischen Grundsätzen einer sachlichen Information. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den Pressecodex des Deutschen Presserats, der in seiner Ziffer 14 ausdrücklich anmahnt, im medizini- schen Bereich sachlich zu berichten und keine Ängste zu schüren. Als Ärzte und Heilpraktiker haben wir die Verpflichtung, unsere Patienten wie die Öffentlichkeit differenziert und sachlich zu informieren, auch um zu eigenverantwort- lichen Entscheidungen zu befähigen.“

Die Heilpraktikerin appelliert zum Abschluss ihres Schreibens: „Wir – vor allem unsere Patienten – brauchen Ärzte und Heilpraktiker, die über den Tellerrand schauen und sich kollegial austauschen können. … An den Vorstand der DÄGfA appelliere ich, dass alle Therapeuten der Chinesischen Medizin dieses Medizinsystem gemeinsam im Sinne eines kritischen Rationalismus in Wissenschaft und Öffentlichkeit vertreten, um der Chinesischen Medizin das Gewicht zu geben, das sie verdient hat – zum Wohl unserer Patienten. Falschinformation, Diffamierung und Polemik sind nicht die Mittel einer offenen, aufgeklärten Gesellschaft, schon gar nicht die der Wissenschaft.“

 

Ein Kommentar zu „Arztverband will Akupunktur unter Arztvorbehalt stellen, Heilpraktikerin wehrt sich mit Protestschreiben dagegen

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  1. Der Heilpraktiker deckt ein Feld ab, dass die Schulmedizin nicht leistet. Jeder chronisch kranke Schmerzpatient kann davon ein Lied singen. Der Orthopäde, der Akupunktur an 12 Wochenenden gelernt hat, der bietet dem Rheumapatienten nicht einmal seine Kenntnisse an!! Der Heilpraktiker geht der Ursache nach, weshalb dieser Patient überhaupt Rheuma bekommen hat und therapiert den Ursprung mit deutlicher Linderung!! Ich habe seit meiner Kindheit Rheuma und geholfen haben mir nicht die Pillen, sondern die Akupunktur eines Heilpraktikers!!

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