Mit dem „Empirischen Gutachten zum Heilpraktikerwesen“ liegt erstmals seit Anfang Dezember 2025 eine bundesweit angelegte, datengestützte Bestandsaufnahme des Berufsstands vor. Beauftragt wurde die Untersuchung vom Gesundheitsministerium, um eine belastbare Grundlage für die politische und fachliche Diskussion zu schaffen.
Der Verband klassischer Homöopathen Deutschlands (VKHD) hat das Gutachten in einer Pressemitteilung aufgegriffen und als Bestätigung der verantwortlichen Rolle von Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern im deutschen Gesundheitssystem eingeordnet. Er ist der erste Heilpraktikerverband mit Schwerpunkt Homöopathie, der solch eine ausführliche Einschätzung veröffentlicht.
(Red. Hinweis: Ursprünglich hatte ich geschrieben, dass der VKHD der erste Heilpraktikerverband mit einer Einordnung gewesen ist. Das ist sachlich nicht richtig, worauf mich VKHD-Vorstand Stefan Reis dankenswerter Weise hingewiesen hat. Ich habe den Artikel entsprechend korrigiert. Der erste Verband mit einem Bericht war der BDH (Link). Der VKHD ist der erste Heilpraktikerverband mit Schwerpunkt Homöopathie mit einem Bericht).
Die Einordnung des VKHD: Bestätigung der verantwortlichen Rolle
Der VKHD stellt in seiner Stellungnahme heraus, dass das Gutachten eine umfassende, unabhängige und empirisch fundierte Analyse des Heilpraktikerwesens darstellt. Aus Sicht des Verbandes liefert die Untersuchung erstmals eine belastbare Datengrundlage, die das Berufsbild sachlich beschreibt und in zentralen Punkten bestätigt.
Der Verband verweist darauf, dass das Gutachten ein differenziertes Bild der Berufsausübung zeichnet und Heilpraktiker als festen Bestandteil der ambulanten Gesundheitsversorgung sichtbar macht. Besonders betont wird die hohe Zahl an Praxen in Deutschland sowie die Tatsache, dass Heilpraktiker überwiegend selbstständig arbeiten und damit einen eigenständigen Versorgungsbereich abbilden.
Der VKHD hebt außerdem hervor, dass das Gutachten die hohe Weiterbildungsbereitschaft der Heilpraktiker dokumentiert sowie die starke Verbandsbindung, die über Berufsordnungen, Fortbildungspflichten und Qualitätsstandards zur Professionalisierung des Berufs beiträgt.
Ein weiterer Aspekt der VKHD-Darstellung ist die im Gutachten beschriebene Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen. Heilpraktiker würden ihre fachlichen Grenzen kennen und Patientinnen und Patienten an Ärztinnen, Ärzte oder Kliniken verweisen, wenn dies medizinisch angezeigt sei. Das Gutachten zeige damit, dass Heilpraktiker nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur ärztlichen Versorgung tätig seien.
Insgesamt versteht der VKHD das Gutachten als Bestätigung, dass Heilpraktiker verantwortungsvoll, qualitätsorientiert und patientenbezogen arbeiten und damit eine anerkannte Rolle im Gesundheitssystem einnehmen.
Meine Einordnung: Das Gutachten als politisches Gütesiegel und Kommunikationsinstrument
Ich lese das empirische Gutachten aus einer gesundheitspolitischen und kommunikativen Perspektive.
Für mich ist das Gutachten nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern ein politisches Signal. Wenn ein Gesundheitsministerium eine solche Untersuchung in Auftrag gibt und diese zu einem sachlichen, differenzierten und in vielen Punkten bestätigenden Bild des Berufsstands kommt, dann ist das mehr als eine fachliche Analyse. Es ist ein staatliches Gütesiegel.
In der politischen Kommunikation ist ein solches Gütesiegel selten. Noch seltener ist es, dass ein kompletter Berufsstand davon profitiert. Insofern lässt sich das Gutachten wie eine Goldmedaille lesen: nicht im Sinne von Jubel, sondern im Sinne einer offiziell bestätigten Leistung.
Aus dieser Perspektive ist das Gutachten eine Grundlage für langfristige Kommunikationsarbeit. Es kann als Referenz in politischen Gesprächen dienen, als Faktenbasis für Medienarbeit und als Vertrauensanker in der Patientenkommunikation.
Gerade für die Homöopathie ist diese Einbettung wichtig. Das Gutachten beschreibt sie nicht isoliert, sondern als Teil der komplementärmedizinischen Versorgungsrealität. Damit wird sie in einen größeren gesundheitspolitischen Kontext gestellt.
Zwei Perspektiven, ein gemeinsamer Bezugspunkt
Der VKHD liest das empirische Gutachten als Bestätigung der verantwortlichen Rolle des Berufsstands im deutschen Gesundheitssystem. Ich lese es zusätzlich als politisches Gütesiegel und als strategische Grundlage für langfristige Öffentlichkeitsarbeit.
Beide Perspektiven haben denselben Bezugspunkt: ein staatlich beauftragtes Gutachten, das den Berufsstand sachlich beschreibt und empirisch einordnet.
Für Heilpraktiker, für die Homöopathie und für die gesundheitspolitische Debatte ist dieses Gutachten damit ein neues Fundament. Wie dieses Fundament genutzt wird, liegt nun bei den Akteuren selbst.

