Der Text zur Reaktion des BDH auf Böhmermann und das empirische Gutachten hat eine lebhafte Diskussion unter Heilpraktikern ausgelöst. Und wie so oft zeigt sich: In den Kommentaren steckt oft mehr Realität als in mancher offiziellen Stellungnahme und in manchem Artikel.
Mehrere Leser greifen denselben Punkt auf. Zu viele Verbände, zu wenig Einigkeit, zu viele Ansprechpartner für Politik und Ministerien. Der Vorwurf: Solange der Berufsstand zersplittert auftritt, fehlt ihm politisches Gewicht. Andere beschreiben die Zerissenheit der Verbandslandschaft sehr konkret anhand von Dachverbänden, Gegenorganisationen und alten Konfliktlinien. Wieder andere verweisen auf das Misstrauen untereinander und auf Animositäten, die in ruhigen Zeiten schon unerquicklich sind, in politisch schwierigen Zeiten aber zum echten Risiko werden.
Diese Diskussion ist wichtig. Denn sie berührt den Kern der aktuellen Lage. Böhmermann ist kein mediales Strohfeuer. Das empirische Gutachten ist kein Zufallsprodukt. Beides ist Teil eines politischen Prozesses, in dem der Heilpraktikerberuf neu verortet wird. Und in solchen Phasen entscheidet nicht nur, wer fachlich recht hat, sondern auch, wer politisch anschlussfähig ist.
Ein zersplitterter Berufsstand mit internen Machtkämpfen ist für Ministerien schwer einzuordnen. Politik arbeitet mit klaren Ansprechpartnern, abgestimmten Positionen und verlässlichen Strukturen. Wer das nicht bietet, wird nicht eingebunden, sondern verwaltet.
Damit diese Debatte nicht in den Kommentaren versandet, ziehe ich sie hier in einen eigenen Artikel. Denn sie betrifft nicht nur Verbände und Funktionäre, sondern jeden Heilpraktiker, der wissen will, wohin die Reise politisch geht.
Im Folgenden dokumentiere ich die Diskussion vollständig und unverändert.
Kommentare aus dem Newsblog (Dokumentation)
Kommentar von: Klaus Schrettenbrunner
Seit je her sind sich die Heilpraktikerverbände untereinader uneins und misstrauisch. Da der Heilpraktiker-Newsblock unabhängig, aber öfters mit dem FDH zusammen arbeitet, könnte vielleicht hierin der Grund des Schweigens von Seiten des BDH liegen, obwohl der BDH auch im DDH ,dem Dachverband der größeren Fachverbände organisiert ist.
Die gegenseitigen Animositäten unserer Verbandsvertreter sollten in solch politisch schweren Zeiten wirklich zurückstehen.
Kommentar von: Christian J. Becker
Danke Ihnen Herr Schrettenbrunner. Jeder Heilpraktikerverband kann an den Heilpraktiker-Newsblog herantreten mit Informationen. Der Fachverband Deutscher Heilpraktiker FDH ist der einzige Verband, der sich an den Newsblog wendet. Der FDH wendet daher die Basics der Pressearbeit an- Journalisten mit Presseinformationen informieren. Das tut ausser dem FDH kein einziger anderer Verband der Heilpraktiker, weder BDH, VKDH etc. Dies zur Erläuterung. Ihrem Hinweis zum BDH als DDH-Mitglied bin ich nachgegangen. Ich konnte auf der DDH-Seite dafür keinen Beleg finden: https://ddh-online.de/mitgliedsverbaende. Aber vielleicht hat der BDH kürzlich den Aufnahmeantrag gestellt und seine Mitgliedschaft im DDH ist noch nicht auf der DDH-Webseite vermerkt. Aber vorstellen könnte ich es mir, da eine Kassler Konferenz gerade sanft entschläft wegen Irrelevanz. Das würde den Aufnahmeantrag des BDH beim DDH erklären. Ich werde beim BDH mal nachfragen.
(Red. Ergänzung: Mit Ihrem Hinweis, Herr Schrettenbrunner habe ich eine Presseanfrage an den BDH gestellt. Hier ist sie:
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Sehr geehrter Herr Blumbach,
sehr geehrte Herren Vorstände des BDH,
ein Leser des Heilpraktiker-Newsblog hat im Rahmen einer Diskussion zur aktuellen Verbandspolitik die Frage aufgeworfen, ob der Bund Deutscher Heilpraktiker (BDH) Mitglied im Dachverband Deutscher Heilpraktiker (DDH) ist oder einen entsprechenden Aufnahmeantrag gestellt hat bzw. plant.
Ich möchte diese Frage gern an Sie weitergeben und bitte um eine kurze Einordnung:
– Ist der BDH aktuell Mitglied im DDH?
– Falls nein: Hat der BDH einen Aufnahmeantrag gestellt oder plant er dies?
Über eine kurze Rückmeldung würde ich mich freuen.
Den Artikel dazu finden Sie hier: https://heilpraktiker-newsblog.de/2026/01/21/sind-die-vielen-heilpraktikerverbaende-ein-problem-ist-der-bdh-mitglied-im-ddh-bevorzugt-der-newsblog-den-fdh-eine-diskussion-im-newsblog-ueber-verbaende-und-blogs/
Mit freundlichen Grüßen
Christian J. Becker
Heilpraktiker-Newsblog
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Kommentar von: Frank Bünder, Heilpraktiker
Der BDH war m. E. noch nie Mitglied des DDH. Und wird es wahrscheinlich auch nie werden. Der BDH hat dazu aufgrund seines bisherigen Verhaltens keinerlei Interesse gezeigt. Man hat ja quasi einen „Gegenorganisation“ gegründet, zusammen mit dem Verband „Freier Heilpraktiker e.V.“ (der WAR mal beim DDH!) in Form der „Fachverbände …“ .
Das zeigt, leider, die Zerissenheit der Heilpraktiker untereinander. Ich sehe da aktuell keinen Lösungsansatz.
Kommentar von: Christian J. Becker
Als Antwort auf Frank Bünder, Heilpraktiker.
Guten Tag Herr Bünder,
vielen Dank für Ihre Einschätzung aus der Praxisperspektive. Ich teile Ihre Sorgen um die politische Zukunft des Heilpraktikerberufs – sehe die Lage aber nicht als grundsätzlich verfahren. Als Journalist, der seit 2019 kontinuierlich zum Thema Heilpraktiker schreibt, mit vielen Praktikerinnen und Praktikern im Austausch steht und regelmäßig mit Verbandsvertretern spricht, erlaube ich mir eine Einordnung.
Was aus meiner Sicht gut funktioniert
Die Vielfalt der Verbände spiegelt die Vielfalt des Berufsstands wider. Unterschiedliche therapeutische Schwerpunkte, unterschiedliche berufliche Wege und unterschiedliche politische Ansätze müssen nicht zwingend ein Nachteil sein. Im Gegenteil: Sie können ein Ausdruck von Stärke sein, wenn sie koordiniert genutzt werden.
In meiner Arbeit begegne ich drei großen Gruppen von Heilpraktikern:
– jenen, die ihrem Verband loyal verbunden sind und abwartend sind
– jenen, die politisch interessiert und pragmatisch engagiert sind
– jenen, die sich vor allem auf ihre Praxis konzentrieren
Gerade die zweite Gruppe ist aus meiner Sicht deutlich größer, als oft angenommen wird. Viele Kolleginnen und Kollegen sind bereit, sich zu engagieren, wenn sie verstehen, warum ein Thema wichtig ist und wofür ihr Einsatz gebraucht wird.
Hinzu kommt: Heilpraktiker sind sehr aktiv in sozialen Netzwerken. Themen entfalten dort enorme Dynamik, wenn sie aufgegriffen und geteilt werden. Bleiben sie dort unsichtbar, entsteht schnell der Eindruck, es sei „nichts los“.
Wo es strukturelle Probleme gibt
Der Berufsstand besteht aus rund 45.000 praktizierenden Heilpraktikern (laut empirischem Gutachten des Bundesgesundheitsministeriums) und einer vergleichsweise kleinen Zahl an haupt- und ehrenamtlichen Funktionsträgern in den Verbänden.
Diese Konstellation bringt Spannungen mit sich.
Ein Teil der Verbandslandschaft arbeitet pragmatisch, leise und kontinuierlich. Andere Verbände agieren deutlich konfrontativer und mit hohem Anspruch an Deutungshoheit. In Gesprächen mit unterschiedlichen Akteuren erlebe ich dabei nicht selten sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie moderne politische Kommunikation funktioniert.
Als Journalist, der beruflich mit Gesundheitsverbänden, Kammern und Berufsorganisationen arbeitet, sehe ich klare Unterschiede zu anderen Branchen:
– Es gibt keine übergeordnete Branchenpublikation für Heilpraktiker, die kontinuierlich über Medien- und Gesundheitspolitik berichtet.
– Es gibt kaum professionelle Pressearbeit. In anderen Gesundheitsberufen gehören tägliche Presseinformationen, Hintergrundgespräche und Medienmonitoring zum Standard.
– Es gibt kaum systematische politische Kommunikation mit regelmäßigen Lageanalysen, Kontaktpflege und strategischer Positionierung.
Viele Entwicklungen werden deshalb erst wahrgenommen, wenn sie medial eskalieren. Wie bei Böhmermann. Dann ist politische Gestaltung oft kaum noch möglich.
Medien wirken früher, als viele glauben
Ein wiederkehrendes Muster ist, dass mediale Vorgänge von Teilen der Verbandslandschaft zunächst als „nicht relevant“ eingestuft werden. Erst später wird sichtbar, dass Medienkampagnen häufig der Einstieg in politische Prozesse sind. Dieses Muster haben wir in den vergangenen Jahren mehrfach erlebt.
Moderne Politik wird medial vorbereitet. Wer Medienwirkung unterschätzt, verpasst den politischen Takt.
Mein Fazit als Journalist
Die Herausforderungen des Berufsstands liegen weniger in mangelnder Bereitschaft der Heilpraktiker selbst, sondern vor allem in strukturellen Defiziten der politischen und medialen Kommunikation.
Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Professionalität.
Es geht nicht um Lagerkämpfe, sondern um Anschlussfähigkeit.
Und es geht nicht um Eitelkeiten, sondern um die Zukunft des Berufs.
Ich sehe viele engagierte Heilpraktiker, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, diese Energie mit professioneller Kommunikation zu verbinden.
Mit freundlichen Grüßen
Christian J. Becker
Kommentar von: Marco Bruhn
Ja leider sind die Heilpraktiker Verbände nicht einig um sich positiv darzustellen.
Es ist auch ein Problem das es so viele unterschiedliche HP Verbände gibt und nicht nur einen, denn dann hätten die Politiker im BMG nur einen Ansprechpartner und nicht so viele unterschiedliche wie es jetzt git.

