Heilpraktiker-Verbände wie BDH und VKHD sagen, dass sie sich um Öffentlichkeitsarbeit und politische Kommunikation stellvertretend für ihre Mitglieder und für den Berufsstand kümmern. Genau dafür zahlen Mitglieder Beiträge, beim BDH und VKHD rund 240 Euro im Jahr. Schaut man genauer hin, bleibt allerdings oft unklar, was diese Arbeit konkret bedeutet, wo sie stattfindet, wie sichtbar sie ist und welche politischen Effekte sie erzielt – jenseits allgemeiner Selbstbeschreibungen.
Und es gibt eine Möglichkeit, das herauszufinden: Fragen Sie als BDH- oder VKHD-Mitglied Ihren Verbands-Vorstand. Ein Anschreiben erhalten Sie unten.
Aber es gibt auch Verbände wie der FDH/DDH, die von sich aus Klarheit schaffen, was sie im Bereich PR und Politik für ihre Mitglieder tun. Details am Ende des Artikels.
Dabei ist der Zeitpunkt ungünstig für Unklarheit. Die Herausforderungen sind bekannt. Die mediale Zuspitzung durch die Böhmermann-Sendung, eine zunehmend ablehnende politische Linie insbesondere der Grünen gegenüber Komplementärmedizin, die verhaltene Reaktion vieler Akteure. Gleichzeitig gibt es Chancen. Das empirische Gutachten zum Heilpraktikerberuf liegt auf dem Tisch. Es ist ein Instrument, das in Praxen, in strategische politische Gespräche und in die Medienarbeit gehört. Ob und wie Verbände diese Chance nutzen, ist eine berechtigte Frage ihrer Mitglieder.
Denn Verbände haben eine Verantwortung, nämlich für ihre Heilpraktiker und deren Patienten.
Was die Verbände selbst zu PR sagen
Der BDH beschreibt auf seiner Website Öffentlichkeitsarbeit als festen Bestandteil seiner Arbeit. Im Pressebereich heißt es, man vertrete die Interessen der Mitglieder gegenüber Öffentlichkeit und Politik, stelle Pressemitteilungen, Informationen und Bildmaterial bereit und stehe Journalisten als Ansprechpartner zur Verfügung. Öffentlichkeitsarbeit wird hier als Aufgabe benannt. Die Realität: Auf der Website – Rubrik Pressemitteilungen – des BDH stammt die aktuellste Presseinformation vom 23.9.2024 (Link https://www.bdh-online.de/presse/).
Auch der VKHD formuliert einen ähnlichen Anspruch. Der Verband erklärt, er informiere Öffentlichkeit, Medien und Politik über Homöopathie und den Berufsstand und vertrete berufspolitische Interessen homöopathisch tätiger Heilpraktiker. Die Realität: Auf der Website – Rubrik Pressemitteilungen – des VKHD stammt die aktuellste Presseinformation vom 13.9.2023 (Link: https://www.vkhd.de/presse/pressemitteilungen).
Das sind legitime und richtige Selbstbeschreibungen. Was vielen Mitgliedern fehlt, ist jedoch der zweite Schritt: Wie übersetzen sich diese Aussagen in konkrete Aktivitäten? Wo findet politische Kommunikation tatsächlich statt, welche Themen werden gesetzt, welche Gesprächspartner werden adressiert, und wie transparent wird darüber intern und extern informiert? Woran lässt sich Erfolg oder Wirkung erkennen?
Warum Nachfragen kein Angriff ist
Verbände funktionieren nicht wie Dienstleister mit automatischem Leistungsversprechen. Verbands-Vorstände reagieren auf Impulse aus der Mitgliedschaft. Wer nicht fragt, signalisiert Zufriedenheit. Wer sachlich fragt, macht Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen sichtbar und stärkt die interne Debatte. Eine solche Anfrage richtet sich nicht gegen den Vorstand, sondern stärkt ihn und den Verband, weil sie Rückmeldung aus der Mitgliedschaft liefert.
Ein Musteranschreiben für Mitglieder
Wer diese Fragen nicht abstrakt diskutieren, sondern konkret stellen möchte, kann sich an seine Verbände wenden. Das folgende Musteranschreiben lädt zur Transparenz ein, nicht zur Konfrontation. Es hilft den Vorständen, die Erwartungen ihrer Mitglieder besser einzuordnen.
Musteranschreiben an BDH oder VKHD
(das Sie als Mitglied eines der beiden Verbände per E-Mail an den Verband schicken könnten)
Öffentlich einsehbare Mailadressen:
BDH: info@bdh-online.de
VKHD: info@vkhd.de
Betreff: Öffentlichkeitsarbeit und politische Kommunikation des Verbandes
Lieber Vorstand,
auf der Verbands-Website beschreiben Sie Öffentlichkeitsarbeit und politische Kommunikation als zentrale Aufgaben des Verbandes. Als Mitglied interessiert mich, wie diese Arbeit aktuell konkret ausgestaltet ist.
Ich bitte Sie daher um eine kurze Übersicht zu folgenden Punkten:
– Welche Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit hat der Verband in den vergangenen zwölf Monaten umgesetzt, beispielsweise im Zusammenhang mit der Böhmermann-Sendung?
– In welchen politischen Gesprächen oder Formaten war der Verband aktiv beteiligt, etwa im Kontext gesundheitspolitischer Debatten oder parteipolitischer Entscheidungen (z. B. Grünen-Parteitag)?
– Welche Schwerpunkte setzen Sie aktuell und in den kommenden Monaten bei PR und politischer Kommunikation?
– Wie wird mein Mitgliedsbeitrag konkret für diese Aufgaben eingesetzt?
Ich halte diese Informationen für wichtig, um die Arbeit des Verbandes besser unterstützen zu können.
Mit freundlichen Grüßen
[Name, Praxis]
Aktive und weniger aktive Verbände
Ein Blick über den eigenen Verband hinaus zeigt, dass es große Unterschiede gibt. In der Praxis lässt sich beobachten, dass sich Verbände grob in zwei Gruppen einteilen lassen: solche, die Öffentlichkeitsarbeit und Politik sichtbar und kontinuierlich betreiben, und solche, bei denen diese Bereiche eher punktuell, defensiv oder wenig transparent eine Rolle spielen.
Aktive Verbände: Der FDH/DDH zeigen seit Jahren, wie aktive Verbandsarbeit in PR und Politik aussehen kann:
1) Im Bereich Öffentlichkeitsarbeit etwa durch regelmäßige öffentliche Positionierungen, Pressearbeit und klare mediale Präsenz (siehe Vergleich FDH/DDH und BDH im Watchblog, Link).
2) Im Bereich Politik durch dokumentierte, nachvollziehbare Aktionen, etwa den Briefwechsel des DDH mit der Gesundheitsministerin oder offene Briefe, unter anderem an den Antisemitismusbeauftragten (https://ddh-online.de/infos/ddh-aktuell).
Diese Unterschiede zu benennen ist kein Angriff, sondern Teil einer notwendigen Debatte darüber, welche Rolle Berufsverbände künftig spielen sollen: reine Verwalter von Mitgliedern und ihren Beiträgen – oder aktive politische und mediale Interessenvertreter ihrer Mitglieder.
Fazit
Öffentlichkeitsarbeit und Politik passieren nicht von selbst. Sie entstehen dort, wo Mitglieder nachfragen, wo Verbände Rückmeldung bekommen und wo strategische Ziele gemeinsam geschärft werden. Wer möchte, dass sein Verband sichtbarer, wirksamer und politisch handlungsfähiger wird, sollte genau dort anfangen.
Die Vorstände von BDH und VKHD freuen sich über aktive Mitglieder, sie freuen sich über Ihre Fragen zu PR und Politik
Mit einer einfachen, sachlichen Frage an Ihren Vorstand können Sie viel bewegen – als Mitglied von BDH oder VKHD.

