Das Minutenprotokoll: So inszeniert das ZDF die Anti-Heilpraktiker-Botschaft –  Hier der genaue Ablauf der Sendung von Böhmermann vom 19. Dezember

Vorspann

Viele Leserinnen und Leser haben mir geschrieben, dass sie die Sendung von Jan Böhmermann:  „Schröpfen, Globuli, Auraheilung: ZDF Magazin Royale“ vom 19. Dezember 2025 nicht gesehen haben. Manche, weil sie über die Feiertage nicht ferngesehen haben. Andere, weil sie Böhmermann grundsätzlich meiden. Und wieder andere, weil sie erst jetzt, Wochen später, über die Debatte gestolpert sind.

Umso wichtiger ist es erinnerungsfähig festzuhalten, was dort tatsächlich gesendet wurde. Nicht in Form von Empörung, nicht als Kommentar, sondern als nüchterne Rekonstruktion. Denn diese Sendung ist kein loses Sammelsurium von Gags, sondern eine dramaturgisch aufgebaute Erzählung mit klarer Botschaft.

So habe ich mich als Journalist für Sie heute nacht hingesetzt und Szene für Szene der Sendung (die auf Youtube verfügbar ist) gesichtet und zusammengefasst.

Was folgt, ist eine Szenenchronik der Sendung. Minute für Minute. Thema für Thema. So, wie ein Zuschauer sie erlebt.

Denn wenn man diesen Text liest, wird einem Relevanz der Sendung erst richtig bewußt: 21 Minuten Böhmermann – die Dramaturgie einer ZDF-Kampagne gegen Heilpraktiker mit dem Ziel, den Beruf politisch abschaffen zu lassen. Und man fragt sich noch mehr, wie Verbände so still dazu sein können. Beispielsweise schreibt der Heipraktiker-Verband „Freie Heilpraktiker“ in seinem heute erscheinenden Newsletter. Zitat: „Rückblende auf 2025 ZDF: Ein zweifelhaftes Geschenk zum 4. Advent. Nein, es ist nicht gut, was das ZDF zum 4. Advent mit Herrn Böhmermann abgeliefert hat. Es gibt aber auch keinen Grund zur Überreaktion. Wer den Beitrag nicht gesehen hat: Sie haben nichts versäumt.“

Doch der Homoeopathiewatchblog ist nicht still, sondern setzt sich ein. Und seine Leser auch, z.B. mit Programmbeschwerden an den ZDF-Fernsehrat.

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Der ZDF-Fernsehrat berät am 13. März.
Damit die Böhmermann-Sendung vom 19. Dezember als Angriff auf die Heilpraktiker noch einmal kritisch geprüft wird,
braucht es viele Rückmeldungen – jede einzelne zählt.

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Für Schnellleser:

Infokasten: Was diese Sendung erzählt

Schröpfen, Globuli, Auraheilung – die Erzählung in 21 Minuten

Diese Sendung ist keine lose Abfolge von Gags. Sie folgt einer klaren Dramaturgie:

Sie beginnt mit Spott.
Sie steigert sich über Lächerlichkeit.
Sie endet bei Angst und politischer Forderung.

Heilpraktiker erscheinen als Quacksalber, Geschäftemacher und Gefährder.
Patientinnen und Patienten als naive Opfer.
Der Beruf als Anachronismus.

Am Ende steht die Botschaft:
Dieser Beruf ist überholt. Er gehört abgeschafft.

Wer die Sendung nicht gesehen hat, kann nicht verstehen, warum sie für viele Heilpraktiker, Patientinnen und Patienten mehr ist als nur ein Fernsehbeitrag.

Sie ist ein politisches Statement.
Und sie wirkt.

Timeline: Der Ablauf der Böhmermann-Sendung im Überblick

ZDF Magazin Royale, 19.12.2025 – 21 Minuten, die ein Berufsbild prägen

0:00–0:22 – Einstieg und Grundrahmung
Der Ton ist gesetzt. Heilpraktiker werden mit dem Begriff „Quacksalber“ verknüpft. Wer dorthin geht, „denkt gar nichts“.

0:28–1:16 – Methoden als Kuriositätenkabinett
Schröpfen, Globuli, Auraheilung, Kristalle, Schwingungen. Eine schnelle Abfolge, die alles in eine esoterische Ecke stellt.

1:22–2:58 – Personalisierung und Lächerlichmachung
Eine Heilpraktikerin wird als Kunstfigur inszeniert. Ironisch, karikiert, überzeichnet.

3:21–5:38 – Ausbildung und Prüfung
Die Heilpraktikerprüfung erscheint banal. Lernmaterial „für Dummies“. Der Eindruck: Jeder kann das werden.

6:29–7:55 – Diagnostik als Selbsttäuschung
Irisdiagnostik, „Ausscheidungsreaktionen“, Wirkversprechen. Therapie wirkt wie Einbildung.

8:12–10:36 – Facebook-Gruppen und Schwarmwissen
Forenbeispiele als Stellvertreter für Praxis. Heilpraktik erscheint unprofessionell und gefährlich.

11:01–12:07 – Wirkung = Placebo
Therapie ohne Nutzen, Nebenwirkung Geldverlust.

12:22–14:05 – Krebs und Gefährdung
Einzelfälle, Gerichte, verlorene Zeit. Heilpraktiker als Risiko.

14:28–18:05 – Psychotherapie als Geschäftsmodell
Online-Tests, Verkaufslogik, psychisch belastete Menschen als Zielgruppe.

19:16–20:35 – Politik und Abschaffung
Gutachten, Reformbedarf, Ende des Berufs als Option.

20:35–Ende – Schlusspunkt
Ironischer Abgang mit klarer politischer Botschaft.


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Die Sendung ausführlich analysiert:

Der Einstieg: Der Grundton ist gesetzt

Szene 1 – Einstieg und Grundframe (0:00–0:22)

Die Sendung beginnt mit drastischen Krankheitsbildern. Gleich zu Beginn wird die klassische ärztliche Behandlung einer Szene gegenübergestellt, in der es um Heilpraktiker geht. Der Moderator formuliert: Viele Menschen „denken gar nichts“ und gehen lieber zum Heilpraktiker. Dann fällt früh das Wort, das den Grundton für alles Weitere setzt: Quacksalber.

Dieser Begriff wird nicht als polemische Zuspitzung gekennzeichnet, sondern als Normalfall eingeführt. Heilpraktiker, Heilpraktikerinnen und Quacksalber erscheinen in einem Atemzug. Noch bevor irgendeine Differenzierung möglich wäre, ist der Rahmen gesteckt: Wer zum Heilpraktiker geht, handelt irrational.

Der Zuschauer ist damit emotional auf Linie gebracht. Von nun an wird alles, was folgt, vor diesem Hintergrund gelesen.

Die Methoden: Ein Kuriositätenkabinett

Szene 2 – Schröpfen, Globuli, Auraheilung (0:28–1:16)

In schneller Schnittfolge werden Methoden gezeigt und aufgezählt: Schröpfen, Homöopathie, Auraheilung, Kristalle, Schwingungen. Bilder, Schlagworte, ironische Kommentare. Alles wirkt wie ein esoterisches Sammelsurium.

Die Darstellung folgt dem Prinzip des Kuriositätenkabinetts. Unterschiedlichste Verfahren werden gleichgesetzt und zu einer großen, absurden Mischung verschmolzen. Der Eindruck entsteht, hier gehe es nicht um Therapie, sondern um Fantasieprodukte.

Der rechtliche Rahmen, die medizinische Abgrenzung, die Frage nach Indikationen oder Grenzen spielen keine Rolle. Die Methoden erscheinen als Ausdruck einer Parallelwelt jenseits von Vernunft und Wissenschaft.

Die Personalisierung: Heilpraktiker als Karikatur

Szene 3 – Die Heilpraktikerin als Kunstfigur (1:22–2:58)

Nun wird eine Heilpraktikerin inszeniert. Nicht als reale Vertreterin eines Berufsstands, sondern als Kunstfigur. Ironische Brechungen, religiöse Anspielungen, ein Tonfall zwischen Heilsversprechen und Selbstüberhöhung.

Die Figur wirkt wie eine Mischung aus Sektenpredigerin und Esoterik-Guru. Der Zuschauer lacht über die Figur. Und überträgt dieses Lachen unweigerlich auf den gesamten Berufsstand.

So funktioniert Personalisierung im Fernsehen: Eine Einzelperson wird zur Stellvertreterin für alle.

Die Ausbildung: Jeder kann das werden

Szene 4 – Prüfung und Ausbildung „für Dummies“ (3:21–5:38)

Nun geht es um die Ausbildung. Die Heilpraktikerprüfung wird als banal dargestellt. Wiederholbarkeit, Lernmaterial, der Hinweis auf Bücher im Stil von „für Dummies“.

Der Eindruck ist klar: Heilpraktiker kann im Grunde jeder werden. Ernsthafte Qualifikation erscheint überflüssig. Staatliche Aufsicht, Prüfungsinhalte, Durchfallquoten, behördliche Verantwortung bleiben außen vor.

Der Zuschauer lernt: Das ist kein Beruf, das ist ein Hobby mit Stempel.

Die Diagnostik: Selbsttäuschung als Methode

Szene 5 – Irisdiagnostik und „Ausscheidungsreaktionen“ (6:29–7:55)

Jetzt werden diagnostische Methoden gezeigt. Irisdiagnostik, Deutungen von Symptomen, angebliche Reaktionen des Körpers. Alles wird als eine Form der Selbsttäuschung präsentiert.

Therapie erscheint nicht als Hilfe, sondern als Einbildung. Einzelfälle werden zur Regel. Der Zuschauer lernt: Hier wird nicht behandelt, hier wird geglaubt.

Das Internet: Schwarmwissen statt Medizin

Szene 6 – Facebook-Gruppen und Foren (8:12–10:36)

Die Sendung wechselt ins Internet. Facebook-Gruppen, Foren, Ratschläge von Laien. Ironisch kommentiert, mit spöttischem Unterton.

Heilpraktische Behandlung erscheint nun als kollektives Basteln an Kranken. Unprofessionell, gefährlich, naiv. Soziale Medien werden zur Stellvertreterbühne für einen gesamten Berufsstand.

Der Zuschauer lernt: Hier wird nicht verantwortungsvoll gearbeitet, hier wird herumprobiert.

Die Wirkung: Placebo und Geldverlust

Szene 7 – Therapie ohne Nutzen (11:01–12:07)

Jetzt wird zugespitzt. Die Wirkung heilpraktischer Verfahren sei nicht besser als ein Placebo. Die einzige sichere Nebenwirkung sei der Verlust von Geld.

Patienten erscheinen als Getäuschte. Als Opfer. Als Menschen, die ausgenutzt werden. Therapie wird zum Geschäftsmodell.

Der große Vorwurf: Gefahr für Krebspatienten

Szene 8 – Einzelfälle und Gerichtsberichte (12:22–14:05)

Nun erreicht die Sendung ihren dramatischen Höhepunkt. Es geht um Krebs. Um verlorene Zeit. Um Gerichtsverfahren. Um Menschen, die angeblich durch Heilpraktiker gefährdet wurden.

Einzelfälle werden gezeigt, aber nicht als Einzelfälle eingeordnet. Sie stehen nun für das große Ganze. Der Zuschauer verknüpft Heilpraktiker mit Lebensgefahr.

Das ist der Moment, in dem aus Spott Angst wird.

Die Psyche: Ein Geschäftsmodell

Szene 9 – Psychotherapie mit „kleinem Heilpraktikerschein“ (14:28–18:05)

Jetzt geht es um psychisch belastete Menschen. Um Online-Tests. Um Ausbildungsangebote. Um Geld.

Die Darstellung legt nahe: Hier wird mit der Not von Menschen ein Markt gemacht. Psychotherapie erscheint als Verkaufsprodukt.

Rechtliche Rahmenbedingungen, Aufsicht, Abgrenzung zur ärztlichen Psychotherapie spielen keine Rolle.

Die Politik: Abschaffung als Ziel

Szene 10 – Gutachten, Reform, Ende des Berufs (19:16–20:35)

Zum Schluss wird es politisch. Gutachten werden erwähnt. Reformbedarf wird formuliert. Die Abschaffung des Berufs erscheint als logische Konsequenz.

Der Zuschauer verlässt die Sendung mit einer klaren Botschaft: Dieser Beruf ist überholt. Er gehört abgeschafft.

Der Gesamteindruck

Die Sendung folgt einer klaren Dramaturgie.

Sie beginnt mit Spott.
Sie steigert sich über Lächerlichkeit.
Sie endet bei Angst und politischer Forderung.

Heilpraktiker erscheinen als Mischung aus Quacksalbern, Geschäftemachern und Gefährdern. Patienten als naive Opfer. Der Beruf als Anachronismus. Diese Erzählung steht am Ende einer 21-minütigen Sendung, die wie Recherche aussieht, wie Journalismus klingt und wie Satire verkauft wird.

Wer diese Sendung nicht gesehen hat, kann nicht verstehen, warum sie für viele Heilpraktiker, Patientinnen und Patienten mehr ist als nur ein Fernsehbeitrag.

Sie ist ein politisches Statement. Und sie wirkt. Nicht als Satire, sondern als Versuch, den Berufstand der Heilpraktiker und seine Patienten zu zerstören.

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Ihr
Christian J. Becker
Gesundheitsjournalist, Blogger

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