BDH liefert endlich ein wenig – nach Kritik und Handlungsempfehlungen des Heilpraktiker-Newsblog

Der neue Newsletter des BDH liest sich erst im zeitlichen Zusammenhang mit der Berichterstattung im Newsblog. In diesem Kontext wird aus einer sachlichen Gutachten-Zusammenfassung eine erkennbare Reaktion. Der Verband reagiert nicht abstrakt, sondern konkret auf öffentliche Kritik aus dem Newsblog und aus der eigenen Mitgliedschaft.

Die Ausgangslage: Kritik aus dem Heilpraktiker-Newsblog

Im Newsblog wurde früh und deutlich kritisiert, dass der BDH das empirische BMG-Gutachten zwar zur Kenntnis nimmt, es aber nicht in seiner politischen und berufspraktischen Relevanz einordnet. Das Gutachten stand im Raum, während gleichzeitig auf Bundesebene Weichen gestellt wurden, die den Berufsstand faktisch schwächen können. Genau diese Verbindung blieb aus Verbandssicht lange unbeantwortet.

Ein zweiter Kritikpunkt war mindestens ebenso zentral: die fehlende Information für die eigenen Mitglieder. Während Medien, Politik und Kritiker das Gutachten für ihre Narrative nutzten, erhielten Heilpraktiker vom BDH zunächst keine aufbereitete Orientierung. Keine Kurzfassung, keine Materialien für die Praxis, keine Argumentationshilfe für Gespräche mit Patienten.

Diese Kritik war öffentlich, nachvollziehbar und konkret.

Der Newsletter als direkte Reaktion

Der neue BDH-Newsletter reagiert genau auf diese beiden Punkte. Erstens betont der Verband nun ausdrücklich die Bedeutung des Gutachtens für den Berufsstand. Es wird nicht mehr nur erwähnt, sondern als Bestätigung von Relevanz, Verantwortung und Sicherheit gerahmt. Der BDH macht klar: Dieses Gutachten ist Rückenwind. Es ist politisch und gesellschaftlich relevant.

Zweitens liefert der Verband genau das nach, was zuvor fehlte. Poster für die Praxis, Flyer für das Wartezimmer, Downloads, eine vollständige Analyse. Damit stellt der BDH erstmals systematisch Materialien bereit, mit denen Heilpraktiker arbeiten können. Das ist keine Nebensache, sondern eine klare Kurskorrektur. Diese Nachlieferung folgt zeitlich und inhaltlich exakt auf die Kritik des Newsblog sowie auf eine direkte Presseanfrage an den BDH.

Beide Punkte decken sich auffällig präzise mit der vorangegangenen Kritik aus dem Newsblog.

Keine Zufälligkeit, sondern Korrektur

Dass der BDH im Newsletter weder den Newsblog noch die Kritik erwähnt, ändert nichts am Zusammenhang. Verbände reagieren selten explizit auf externe Kritik. Sie reagieren strukturell. Und genau das ist hier zu beobachten.

Der BDH tut jetzt das, was ihm zuvor vorgeworfen wurde zu unterlassen:
Er ordnet ein.
Er informiert seine Mitglieder.
Er liefert nutzbare Werkzeuge für den Praxisalltag.

Das ist kein Zufall, sondern eine sachliche Korrektur.

Aktivwerden statt Abwehr

Bemerkenswert ist nicht, dass der BDH die Kritik nicht zitiert. Bemerkenswert ist, dass er nicht in eine Abwehr- oder Rechtfertigungshaltung gegangen ist, sondern geliefert hat. Keine Relativierung, kein Aussitzen, sondern konkrete Maßnahmen.

Für die Mitglieder zählt am Ende genau das. Nicht, wer zuerst kritisiert hat, sondern ob sich danach etwas ändert.

Was das über Machtverhältnisse sagt

Bemerkenswert ist weniger der Inhalt des Newsletters als sein Timing. Der Verband handelt nicht aus eigenem Impuls, sondern nach öffentlicher Problembenennung und nach Kritik aus der eigenen Mitgliedschaft, wie mir BDH-Mitglieder geschrieben haben. Der Newsblog fungiert hier nicht als Begleitmedium, sondern als Katalysator. Ohne den öffentlichen Druck des Newsblog und seiner Leser hätte der BDH sehr wahrscheinlich nicht oder nicht in dieser Form reagiert.

Das zeigt zweierlei. Erstens: Öffentliche, journalistische Kritik des Newsblog wirkt, auch bei großen Berufsverbänden. Zweitens: Der BDH ist sensibel für Deutungshoheit. Wenn externe Akteure wie der Newsblog beginnen, Lücken sichtbar zu machen, reagiert der Verband, um die Kontrolle über Information und Einordnung zurückzugewinnen.

Wenn Kritik wirkt, ist das ein gutes Zeichen

Der neue BDH-Newsletter zeigt, dass öffentliche, sachliche Kritik Wirkung entfalten kann. Der Verband hat zentrale Punkte aufgegriffen, die zuvor im Newsblog benannt wurden. Das betrifft sowohl die inhaltliche Einordnung des BMG-Gutachtens als auch die praktische Frage, wie Heilpraktiker informiert und arbeitsfähig gemacht werden.

Dass der BDH nun Material bereitstellt, das in Praxen genutzt werden kann, ist kein Detail. Poster und Flyer sind genau das, was gefehlt hat. Sie zeigen, dass der Verband verstanden hat, dass ein Gutachten allein nicht reicht, wenn es im Alltag nicht ankommt.

Signalwirkung für andere Verbände

Diese Reaktion hat über den BDH hinaus Bedeutung. Sie zeigt anderen Verbänden, dass Nichtstun sichtbar wird und dass Handeln honoriert wird. Der Newsblog fungiert hier als eine Art Frühwarnsystem. Er macht Lücken sichtbar, ohne Verbände pauschal anzugreifen.

Wenn daraufhin Bewegung entsteht, ist das im Sinne der gesamten Heilpraktikerschaft.

Der strategische Hebel

Die Reaktion des BDH auf den Newsblog ist eine Bestätigung dieses Ansatzes. Ziel ist nicht Bloßstellung, sondern Aktivierung. Der BDH ist jetzt ein Beispiel dafür, dass dieser Mechanismus funktioniert.

Das ist eine wichtige Geschichte, gerade für Leser, die sich fragen, wozu ein Watch- oder Newsblog überhaupt gut ist.

Fazit

Der BDH-Newsletter ist weniger ein selbständiger Aufschlag als eine Antwort auf journalistische Kritik. Der Newsblog und Mitglieder kritisieren, der BDH liefert nach. Das ist kein Skandal, sondern ein normaler Mechanismus in der Öffentlichkeit.

Für Heilpraktiker ist das eine gute Nachricht. Denn am Ende zählt nicht, wer zuerst spricht, sondern dass Informationen verfügbar sind. Und in diesem Fall lässt sich festhalten: Öffentliche Kritik aus dem Newsblog und aus der Mitgliedschaft hat den BDH in Bewegung gesetzt.


Im Sinne der Transparenz. Hier meine öffentlichen Hinweise ab 14.1.26 an den BDH zum Empirischen Gutachten plus Handlungsempfehlungen in zwei Artikeln (Nummer 1Nummer 2).

4 Kommentare zu „BDH liefert endlich ein wenig – nach Kritik und Handlungsempfehlungen des Heilpraktiker-Newsblog

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  1. Moin Herr Becker,
    Ihr Bemühen, HPs sollten am Ende profitieren, in höchsten Ehren. Ich benutzte ungern Anglizismen aber finde keinen besseren als den: Das Involvement von HPs in Sachen, die ihren eigenen Berufsstand betreffen, ist m.E. extrem gering. Man muss sich nur mal die Response-Quoten (wieder so ein Wort) bei Verbandsumfragen anschauen. Wäre mal sehr spannend zu erfahren, wie viele HP´s sich auf diesem Newsblog aufhalten.
    LG. Hermann Galle

    1. Vielen Dank, Herr Galle, für die offene Einschätzung. Ich teile Ihre Beobachtung, dass das Involvement oft gering ist – genau das ist aus meiner Sicht ein zentrales Problem.

      Gerade deshalb setze ich auf Öffentlichkeit. Im Heilpraktiker-Newsblog erreichen die Beiträge aktuell rund 1.000 Leser pro Tag, im Watchblog zusätzlich etwa 2.000 bis 5.000 täglich. Das sind keine Verbandszahlen, aber es sind Heilpraktiker, die lesen, mitdenken und sich informieren.

      Meine Erfahrung ist: Beteiligung entsteht oft nicht aus internen Rundmails, sondern dort, wo Themen verständlich eingeordnet und kontinuierlich sichtbar gemacht werden. Öffentlichkeit ist deshalb kein Selbstzweck, sondern ein Versuch, genau dieses geringe Involvement langsam zu erhöhen.

      Wenn dadurch Verbände reagieren und Mitglieder besser informiert sind, ist das aus meiner Sicht ein sinnvoller Beitrag – gerade vor dem Hintergrund der von Ihnen beschriebenen Ernüchterung.

  2. Moin, moin, in meiner langjährigen „Geschichte“ habe ich noch nie erlebt, dass es von Vorteil ist, wenn Verbände oder Vereinigungen, die eigentlich die gleichen Ziele verfolgen, sich öffentlich streiten, sich Vorwürfe machen und sich damit „zerlegen“. Die jahrelangen unabgestimmten Vorgehensweisen und Aktivitäten der HP-Verbände sind bei Gesprächen mit Entscheidungsträgern immer ein Problem gewesen.
    Hermann Galle
    3.2.26

    1. Vielen Dank für Ihre Rückmeldung und Ihre langjährige Erfahrung, Herr Galle.

      Mir ist die Geschlossenheit der Verbände ebenfalls wichtig, gerade mit Blick auf Gespräche mit Entscheidungsträgern. Mein Anliegen ist deshalb nicht, Verbände gegeneinander zu stellen, sondern Lücken sichtbar zu machen, wenn Mitglieder Orientierung brauchen.

      Dass der BDH nun Einordnung und Materialien bereitstellt, werte ich ausdrücklich positiv. Am Ende profitieren die Heilpraktiker davon, und genau darum sollte es gehen.

      Wenn Berichterstattung dazu beiträgt, dass Informationen schneller bei den Mitgliedern ankommen, sehe ich das als Ergänzung zur Verbandsarbeit, nicht als Gegensatz.

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