Homöopathie-Fachgesellschaft WissHom warnt vor politischem Signal der Regierung gegen die Homöopathie – und fordert evidenzbasierte Debatte

Der Homoeopathiewatchblog hat seit dem 30. März bereits 28 Beiträge zum drohenden GKV-Aus der Homöopathie veröffentlicht, um seine Leser über die Entwicklung zu informieren. Hinzu kommen sechs Mitmachaktionen, mit denen der Blog die Homöopathie-Gemeinschaft dazu anregen will, gegenüber der Politik stärker Gehör zu finden. Damit lässt sich auch belegen, dass sich der Blog und seine Leser aktiv für den Erhalt der Homöopathie einsetzen. Zusätzlich hatte der Blog eine Bundestagspetition gestartet, die aber von den beiden Verbänden weils hilft und DZVHAE wieder gestoppt wurde, weil sie eine eigene Petition starten wollten.

Weil sich die Homöopathie-Verbände bislang auffallend zurückhaltend verhalten, hat der Homoeopathiewatchblog fünf von ihnen um Stellungnahmen gebeten: DZVhÄ, weils hilft, WissHom, BPH und die Hahnemann-Gesellschaft. Trotz mehrfacher Nachfragen haben nur zwei von fünf Organisationen eine Antwort. Auf die zentralen Fragen des Watchblogs nach Bewertung und Konsequenzen für das drohende Aus der Homöopathie haben die Verbände DZVHAE, weils hilft und BPH keine Antwort.

Die Hahnemann-Gesellschaft (siehe Stellungnahme und Artikel im Watchblog) und die WissHom haben Antworten.

Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) vertritt Forschende und Praktiker der Homöopathie und hat nun auf Anfrage des Watchblogs geantwortet. Univ.-Prof. Dr. Michael Frass äußert sich als 1. Vorsitzender der Gesellschaft ausführlich und klar zur Entscheidung der Gesundheitsministerin. Seine Stellungnahme auf Anfrage des Homoeopathiewatchblog unterstreicht die wissenschaftliche Stärke der Homöopathie und warnt vor negativen Folgen.

Negatives Signal für Patienten

Frass sieht in der Entscheidung der Ministerin vor allem ein „negatives Signal für die Homöopathie“ in der Öffentlichkeit. Dies setze „potentielle PatientInnen“ dem Risiko aus, die Annahme zu übernehmen, Homöopathie sei nicht evidenzbasiert, und könne sie „verschrrecken“. Gleichzeitig beeinflusse es „kritische PatientInnen […] in Ihrer Haltung zur Politik negativ“. Der WissHom-Vorstand betont, ein „konstruktives Miteinander“ mit Fachleuten hätte „für das Wohl der PatientInnen vorteilhaft“ sein können.

Evidenz gestützt – international Vorbild

Frass weist die Begründung der Ministerin („nachweislicher Nutzen/evidenzbasiert“) als unvollständig zurück. Er erinnert daran, dass evidenzbasierte Medizin nach David Sackett (BMJ 1996) eine „Trias aus ärztlicher Erfahrung, bester externer Evidenz […] sowie PatientInnenpräferenz“ umfasst. Spätestens seit dem „bahnbrechenden systematischen Review von Hamre et al (Systematic Reviews 2023)“ sei „klar, dass Homöopathie […] signifikant mehr kann als Placebo“. Dazu kämen „doppelblind[e], randomisierte[n] Studien“, die die Evidenz „beim Menschen, beim Tier sowie in der Grundlagenforschung“ belegen. Bereits „vor Jahren“ habe die Versicherung Securvita den „nachweisliche[n] Nutzen“ konstatiert.

Besonders überzeugend: „Tausende Landwirte haben bei Ihren Rindern die positive Wirkung der Homöopathie gesehen und wenden diese naturgemäß an.“ Frass wirbt damit für Homöopathie als „sanfte, nachhaltige und ressourcenschonende Methode“.

Gefahr für Komplementärmedizin

Die WissHom teilt die Befürchtung, dass andere komplementärmedizinische Verfahren folgen könnten. Während in der „Schweiz Homöopathie und andere Methoden in der Bundesverfassung als erstattungspflichtige Methoden verankert sind“ und in „Südafrika, Brasilien, Indien“ Integrativmedizin „gefördert“ werde, gingen europäische Staaten „in die falsche Richtung“. Frass erwartet einen „Rückschlag“, wenn die „Studienlage nicht berücksichtigt wird“ – ein Aufruf, die Debatte evidenzbasiert und patientennah zu führen.

Fazit: Evidenz statt Symbolpolitik

Die Stellungnahme von Michael Frass zeigt: Auch die WissHom geht in die Offensive. Statt Rückzug fordert der Verband Anerkennung der Studienlage und Einbindung von Experten. Wie bei der Hahnemann-Gesellschaft und dem Homoeopathiewatchblog wird klar – die Homöopathie-Gemeinschaft mobilisiert sich gegen ein GKV-Aus, das über einzelne Verfahren hinausgeht.

 


 

 

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