Wie reagieren Heilpraktikerverbände auf Böhmermann und das Empirische Gutachten? Besprechung des BDH-Newsletters Nr. 926 / Wie reagiert BDH-Vorstand auf Blogger: 3 Szenarien

Diese Analyse ist kein E-Mail-Pingpong. Ich habe den Präsidenten des BDH am 25. Dezember 2025 um 13.18 Uhr per E-Mail angeschrieben und zu einem strategischen Gespräch und zur Teilnahme eingeladen. Gern kann ich die Mail hier veröffentlichen. Nicht zu einem Interview. Sondern zu einem offenen Austausch über die Kampagne rettedeinehomöopathie, die politische Lage des Berufsstandes, über mediale Angriffe, über Kommunikationsstrategien und über die Frage, wie Heilpraktiker und Homöopathen sich künftig öffentlich verteidigen können. Auf diese Einladung hat der Verband bis heute nicht reagiert.

Um mein Angebot an Herrn Blumbach zu erneuern, habe ich ihn heute kontaktiert und ihm die Möglichkeit gegeben, sich im Newsblog zu äußern.

Ein Verband ist öffentlich, daher wird er von einem Journalisten analysiert. Ein Blog ist öffentlich, daher wird er analysiert. So wie der Verband „einen Blogger“ analysiert. Das ist das Spiel. Wer öffentlich ist wie Verbände oder Blogger muss das aushalten können. Ich verstehe, dass Herr Baumbach das auf eine persönliche Ebene ziehen möchte, was es nicht ist. Wenn man es auf eine persönliche Ebene zieht, will man die sachliche Ebene vermeiden. Doch hier geht es um die Sache.

Mein Service für den Verband und seine Mitglieder:  Ich habe mir die BDH- Bilanz angesehen, die öffentlich auf der Website des Bundestags für jeden zu lesen ist. (Link auf Bundestags-Website). Bezogen auf die Bilanz des BDH steht dort: Einnahmen über 1 Million Euro, Ausgaben für Newsletter und weiteres über 208.000 Euro, Ausgaben für Personal über 500.000 Euro, Ausgaben für Rechts- und Beratungskosten über 9.000 Euro, verschiedene Kosten über 50.000 Euro.

Dafür kann ein Mitglied schon etwas erwarten, so meine Meinung. Und das formulieren die beiden Heilpraktiker genau so, wie man es ganz unten in ihren Mails lesen kann.


PS.: Ich weiß natürlich, dass der BDH gern klagt. Ich weiß das von anderen Heilpraktikerverbänden, die betroffen waren.

Wenn Sie in Ihrem Zorn und Ihrer Wut an das Thema Anwalt gegen Watchblog/Newsblog denken, lieber Herr Blumbach.

Dann empfehle ich Ihnen diesen Artikel vorher zu lesen, was Anwälte bei mir bewirken: Link.

Scrollen Sie im Artikel nach unten, dort finden Sie eine Diskussion vom mir mit einer Anwältin der Skeptiker. Und wenn Sie, lieber Herr Blumbach, noch weiter runter scrollen, dann können Sie lesen, wie ich anwaltliches journalistisch nutze. Beim Gerichtsprozess, den ein Herr gegen mich anstrengte,  waren viele Journalisten anwesend (Spiegel, Zeit etc.). Die Fernsehkameras des WDR habe eindrucksvolle Bilder produziert. Der dort beschrieben Fall hatte berufliche und finanzielle Folgen für den Verurteilten. Er war vorher Vorsitzender eines Verbandes. Die Betonung liegt auf war. Heute kommt er gerade so zurecht.

Wenn Sie ein souveräner Präsident eines Verbandes sind, dann müssen Sie Kritik aushalten können, sonst sind Sie am falschen Platz. Und: Dann rufen Sie mich einfach an und wir tauschen uns darüber aus, was man zusammen besser machen könnte und wie Sie das kostenlose PR-Paket zu Böhmermann vom Homoeopathiewatchblog nutzen können. Dieses Gespräch wäre für Sie kostenlos. Oder wir sehen uns vor Gericht, das mag der BDH offensichtlich lieber, wie mir anderen Heilpraktikerverbände berichten, die durch die anwaltlichen Aktivitäten betroffen waren. Ich freue mich auf Sie, Herr Blumbach, entweder am Telefon oder vor Gericht. Wir sehen uns.


Ich lege erneut eine journalistische Analyse vor. Anlass ist der aktuelle BDH-Newsletter Nr. 926.

Was ein Heilpraktiker-Verband wie der BDH mit Mitgliedereinnahmen von über 1 Million Euro in 2024 jetzt leisten müsste

Die Heilpraktikerschaft steht 2026 nicht vor einer fachlichen Debatte, sondern vor einer öffentlichen und politischen Bewährungsprobe. Es geht nicht um einzelne Therapieformen, nicht um Homöopathie, nicht um naturheilkundliche Schulen. Es geht um den Berufsstand als solchen.

Seit Jahren wird über Heilpraktiker nicht mehr im Fachkreis diskutiert, sondern auf den großen Bühnen der Republik. In Talkshows, Leitmedien, politischen Ausschüssen und im ZDF-Hauptprogramm mit Böhmermann. Das Framing ist gesetzt. Heilpraktiker gelten vielen als Problemfall des Gesundheitssystems.

In einer solchen Lage reicht es nicht, Fortbildungen zu organisieren, Kongresse zu bewerben und den Praxisalltag zu begleiten. Ein Berufsverband müsste jetzt politische Orientierung geben, mediale Angriffe einordnen und seine Mitglieder befähigen, selbst öffentlich zu argumentieren. Er müsste die Auseinandersetzung dort führen, wo sie stattfindet: in Medien und Politik.

Nicht im Schonraum. Sondern in der Öffentlichkeit.

Die größte Attacke: Böhmermann

Die größte mediale Attacke auf die Heilpraktikerschaft der vergangenen Jahre kam nicht aus einem Fachjournal. Sie kam aus der ZDF-Primetime. Jan Böhmermann hat mit seiner Sendung ein Millionenpublikum erreicht und ein Bild verankert, das bis heute nachwirkt.

Heilpraktiker wurden dort als Gefahr inszeniert, als unwissenschaftlich, als politisches Risiko. Das war keine harmlose Satire. Das war eine mediale Kampagne mit maximaler Reichweite und politischer Wirkung. Seitdem wird der Berufsstand regelmäßig mit genau diesem Framing konfrontiert.

Bis heute gibt es vom BDH dazu keine erkennbare öffentliche Gegenstrategie. Keine mediale Einordnung, keine sichtbare Verteidigung, keine Kampagne, kein Versuch, das Narrativ zu korrigieren. Noch gravierender ist, dass der Verband zu den Programmbeschwerden, die aus der Heilpraktikerschaft heraus gegen die Sendung eingereicht wurden, bis heute kein Wort an seine Mitglieder gerichtet hat. Keine Information, keine Unterstützung, keine Koordination, kein politisches Signal.

Dabei wäre genau das der Moment gewesen, in dem ein Berufsverband hätte zeigen müssen, dass er den Berufsstand schützt.

Natürlich ist mir klar, dass ein Verband wie der BDH Hilfe bei der PR braucht. Daher habe ich dem Verband sowie weiteren Verbänden direkt nach Böhmermann ein professionelle PR-Paket geschnürt, dass jeder Verband sofort und kostenlose nutzen kann. Link zum PR-Paket.

Das Gutachten: politisches Kapital ohne Wirkung

Mit dem empirischen Gutachten zur Heilpraktikerschaft liegt seit Monaten ein politisch hoch relevantes Dokument auf dem Tisch. Es liefert Fakten, es liefert Argumente und es ist in Gesprächen mit Politikern, Journalisten, Behörden und Kassen einsetzbar.

Doch für die Mitglieder bleibt dieses Gutachten abstrakt. Sie erfahren auf der Website den Kerninhalt, nicht mehr. Das wäre die Aufgabe eines Journalisten, die Nachricht zu schreiben. Die Mitglieder erfahren aber nicht, wie sie es konkret nutzen können. Es gibt keine Kurzfassung für Patienten, keinen Handzettel für die Praxis, keine Argumentationshilfe für Gespräche, keine Vorlagen für lokale Pressearbeit und keine Anleitung für politische Gespräche vor Ort. Ein Verband ist nicht dazu da, um eine Nachricht über ein Gutachten zu schreiben. Ein Verband ist dazu da, um aus dem Gutachten etwas zu machen.

Der Heilpraktiker-Newsblog hat genau hier angesetzt und aus dem Gutachten ein Werkzeug gemacht. Mit einem nutzbaren Handzettel (Link). Für Praxen, für Gespräche, für Öffentlichkeit. Damit es Wirkung entfaltet und nicht nur in PDF-Archiven liegt.

Ein Berufsverband müsste genau das leisten: Wissen in Wirkung übersetzen.

Der Newsletter als Beleg

Wer verstehen will, wie der BDH seine Rolle aktuell definiert, muss nur den neuen Newsletter Nr. 926 vom 21.1. lesen. Er ist freundlich, serviceorientiert, fachlich solide und handwerklich gut gemacht. Für den Praxisalltag ist er nützlich.

Politisch ist er folgenlos.

Böhmermann kommt nicht vor. Die mediale Kampagne gegen den Berufsstand wird nicht eingeordnet. Das Gutachten wird nicht als politisches Instrument verstanden. Die Programmbeschwerden werden nicht erwähnt. Die Mitglieder werden nicht als politische Akteure angesprochen.

Der Newsletter organisiert den Praxisalltag.

Aber der Newsletter organisiert keine Zukunft.

 

Abwehr statt Führung

Besonders aufschlussreich ist der einleitende Brief von Präsident Christian Blumbach. Er reagiert auf journalistische Kritik nicht mit einer eigenen politischen Analyse der Lage, sondern mit einer Verteidigungsrede für den Verband. Er spricht von Defiziten in der Kenntnis der Verbandsarbeit, stellt die Motivation des Autors in Frage und verweist auf interne Rundmails. Ich habe nicht den Verband analysiert, sondern ein PR-Instrument des BDH-Vorstandes mit Blick auf PR und politische Kommunikation.

Was fehlt, ist jede politische Einordnung der Situation des Berufsstandes. Kein Wort zur medialen Lage. Kein Wort zu Böhmermann. Kein Wort zum politischen Klima. Kein Wort zu den strukturellen Risiken.

Das ist keine Führung. Das ist Verwaltung. Die Verwaltung der Mitgliedseinnahmen in Höhe von 1 Million Euro pro Jahr in 2024.

Zwei Rollenbilder

Hier liegt der Kern des Problems. Ein Berufsverband denkt in Mitgliederservice. Ein journalistisches Medium denkt in Öffentlichkeit, Politik und Macht. Ein Verband beruhigt. Ein Watchblog warnt.

Beides kann nebeneinander existieren. Aber beides ersetzt sich nicht.

Und genau deshalb braucht es den Dialog.

Keine Fehde, sondern Verantwortung

Diese Analyse ist kein Angriff auf den BDH. Sie ist keine persönliche Auseinandersetzung. Und sie ist kein E-Mail-Pingpong.

Sie ist eine nüchterne Bestandsaufnahme.

Am 25. Dezember 2025 habe ich dem BDH ein strategisches Gespräch angeboten. Kein Interview. Sondern einen offenen Austausch über die politische Lage des Berufsstandes, über mediale Angriffe, über Kommunikationsstrategien und über die Frage, wie Heilpraktiker sich künftig öffentlich verteidigen können. Und ich habe für den Verband und weitere Verbände das PR-Paket Böhmermann öffentlich zur Verfügung gestellt.

Darauf hat der Verband bislang nicht reagiert.

Vielleicht nimmt Herr Blumbach dieses Angebot ja doch noch an. Denn es gehört zur Verantwortung eines Verbandspräsidenten, mit Journalisten zu sprechen. Gerade dann, wenn es unbequem ist. Gerade dann, wenn es um die Zukunft seines Berufsstandes geht.

Die Debatte läuft. Die Angriffe sind real. Die politische Dynamik ist da.

Die Frage ist nicht, ob Heilpraktiker öffentlich verteidigt werden müssen.
Die Frage ist nur: von wem.

 

PS.: Welche Folgen haben solche BDH-Newsletter und Scheinaktivitäten. Hier ein praktisches Beispiel einer Mail, die mich erreicht. Sie ist ein Beispiel für viele. Zu mir kommen die von ihren Verbänden frustrierten Heilpraktiker. Doch das ist nicht der Zweck von Watchblog und Newsblog.

Natürlich kenne ich Ihre Antwort darauf, Herr Blumbach. Sie werden sagen, Heilpraktiker meckern immer. Aber Sie machen es sich zu einfach. Heilpraktiker wollen etwas für ihr Geld, und 250 Euro Jahresgebühr für manchen Heilpraktikerverband ist nicht wenig Geld .

heilpraktiker

 

 

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Wie kann der BDH-Vorstand reagieren. Was sagt ihm sein PR-Berater und Anwalt:

Option 1: Persönlicher Angriff im nächsten Newsletter

Wenn man sich die bisherige Kommunikation von Herrn Blumbach anschaut, ist dieses Szenario naheliegend. In seinem ersten Brief hat er bereits deutlich gemacht, dass er Kritik nicht als Anlass zur politischen Selbstreflexion versteht, sondern als Loyalitätsfrage. Der Subtext war klar: Hier greift jemand den Verband an, also rücken wir zusammen.

Das ist ein klassischer Verbandsreflex. Autorität wird nicht über Argumente gesichert, sondern über Abgrenzung. Wer kritisiert, steht draußen. Wer drinnen ist, hält zusammen.

Ein weiterer persönlicher Angriff im Newsletter würde genau dieser Logik folgen. Er würde Stärke demonstrieren, Geschlossenheit erzeugen und den Kritiker als Außenstehenden markieren. Der Newsletter ist für ihn der geschützte Raum, in dem Deutungshoheit hergestellt wird. Gerade weil die zweite Analyse tiefer geht als die erste, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass erneut genau dieses Instrument genutzt wird, um im Binnenraum die Linie vorzugeben.

Antwort Newsblog: Gerne

Option 2: Anwalt

Auch dieses Szenario ist möglich, allerdings eher als Flankensicherung denn als Hauptreaktion. Verbände greifen zu juristischen Mitteln, wenn sie glauben, dass realer Schaden droht oder drohen könnte. Die vorliegenden Analysen sind dokumentiert, belegt und journalistisch nachvollziehbar. Solange korrekt zitiert und eingeordnet wird, ist daran wenig angreifbar.

Ein Anwaltsschreiben hätte deshalb weniger die Funktion, eine öffentliche Debatte zu führen, sondern eher, intern zu beruhigen. Die Botschaft wäre: Der Vorgang ist geprüft, alles ist unter Kontrolle.

Als primäre Reaktion ist dieser Weg weniger wahrscheinlich als eine kommunikative Abwehr im Newsletter. Juristen kommen meist dann ins Spiel, wenn man einen Vorgang administrativ schließen will, nicht wenn man politisch führen möchte.

Antwort Newsblog: Gerne

Option 3: Schweigen im Newsletter, interne Rundmail

Dieses Szenario ist ebenfalls sehr realistisch, vor allem dann, wenn klar wird, dass ein weiterer öffentlicher Schlagabtausch das Thema nur größer machen würde.

Viele Verbände gehen in solchen Situationen so vor: Nach außen Ruhe, nach innen Mobilisierung. Im Newsletter taucht das Thema nicht mehr auf, dafür geht eine interne Rundmail an Funktionäre, Landesverbände oder Mitglieder mit dem Tenor, man solle sich nicht irritieren lassen, man sei dran, man kümmere sich und ein Blogger versuche, Unruhe zu stiften.

Das ist klassische Schadensbegrenzung. Öffentlich keine zusätzliche Bühne, intern klare Kante.

Da ich über Mitglieder des Verbandes auch die internen Rundschreiben erhalte, bin ich gespannt, wie sich der BDH-Vorstand positionieren wird. Und werde gern in Newsblog berichten.

Antwort Newsblog: Journalist verdreht Augen.

Was ist das realistischste Szenario?

Legt man das bisherige Verhalten zugrunde, spricht vieles für eine Kombination aus diesen drei Mustern. Kurzfristig entweder ein weiterer persönlicher Angriff im Newsletter plus Anwalt oder komplette Funkstille nach außen. Parallel dazu eine interne Kommunikation zur Stabilisierung der Verbandslinie.

Ein direkter politischer Dialog ist aus dem bisherigen Rollenverständnis heraus am unwahrscheinlichsten. Dafür fehlt bislang jedes Signal. Trotz des erneuten Angebotes heute vom Newsblog an BDHler Blumbach.

Fazit

Am realistischsten ist eine Mischung aus Angriff per Newsletter und Anwalt- und dann Rückzug. Nach außen entweder Konfrontation oder Schweigen, nach innen Mobilisierung und Abschirmung.

Ein souveräner politischer Umgang von Blumbach mit Kritik ist aus der bisherigen Kommunikation nicht erkennbar. Nicht, weil einzelne Personen böse wären, sondern weil das Rollenverständnis ein anderes ist.

Die Spielregeln haben sich geändert.
Viele Verbände spielen noch nach den alten.

4 Kommentare zu „Wie reagieren Heilpraktikerverbände auf Böhmermann und das Empirische Gutachten? Besprechung des BDH-Newsletters Nr. 926 / Wie reagiert BDH-Vorstand auf Blogger: 3 Szenarien

Gib deinen ab

  1. Der BDH war m. E. noch nie Mitglied des DDH. Und wird es wahrscheinlich auch nie werden. Der BDH hat dazu aufgrund seines bisherigen Verhaltens keinerlei Interesse gezeigt. Man hat ja quasi einen „Gegenorganisation“ gegründet, zusammen mit dem Verband „Freier Heilpraktiker e.V.“ (der WAR mal beim DDH!) in Form der „Fachverbände …“ .

    Das zeigt, leider, die Zerissenheit der Heilpraktiker untereinander. Ich sehe da aktuell keinen Lösungsansatz.

    1. Guten Tag Herr Bünder,

      vielen Dank für Ihre Einschätzung aus der Praxisperspektive. Ich teile Ihre Sorgen um die politische Zukunft des Heilpraktikerberufs – sehe die Lage aber nicht als grundsätzlich verfahren. Als Journalist, der seit 2019 kontinuierlich zum Thema Heilpraktiker schreibt, mit vielen Praktikerinnen und Praktikern im Austausch steht und regelmäßig mit Verbandsvertretern spricht, erlaube ich mir eine Einordnung.

      Was aus meiner Sicht gut funktioniert

      Die Vielfalt der Verbände spiegelt die Vielfalt des Berufsstands wider. Unterschiedliche therapeutische Schwerpunkte, unterschiedliche berufliche Wege und unterschiedliche politische Ansätze müssen nicht zwingend ein Nachteil sein. Im Gegenteil: Sie können ein Ausdruck von Stärke sein, wenn sie koordiniert genutzt werden.

      In meiner Arbeit begegne ich drei großen Gruppen von Heilpraktikern:

      – jenen, die ihrem Verband loyal verbunden sind und abwartend sind
      – jenen, die politisch interessiert und pragmatisch engagiert sind
      – jenen, die sich vor allem auf ihre Praxis konzentrieren

      Gerade die zweite Gruppe ist aus meiner Sicht deutlich größer, als oft angenommen wird. Viele Kolleginnen und Kollegen sind bereit, sich zu engagieren, wenn sie verstehen, warum ein Thema wichtig ist und wofür ihr Einsatz gebraucht wird.

      Hinzu kommt: Heilpraktiker sind sehr aktiv in sozialen Netzwerken. Themen entfalten dort enorme Dynamik, wenn sie aufgegriffen und geteilt werden. Bleiben sie dort unsichtbar, entsteht schnell der Eindruck, es sei „nichts los“.

      Wo es strukturelle Probleme gibt

      Der Berufsstand besteht aus rund 45.000 praktizierenden Heilpraktikern (laut empirischem Gutachten des Bundesgesundheitsministeriums) und einer vergleichsweise kleinen Zahl an haupt- und ehrenamtlichen Funktionsträgern in den Verbänden.

      Diese Konstellation bringt Spannungen mit sich.

      Ein Teil der Verbandslandschaft arbeitet pragmatisch, leise und kontinuierlich. Andere Verbände agieren deutlich konfrontativer und mit hohem Anspruch an Deutungshoheit. In Gesprächen mit unterschiedlichen Akteuren erlebe ich dabei nicht selten sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie moderne politische Kommunikation funktioniert.

      Als Journalist, der beruflich mit Gesundheitsverbänden, Kammern und Berufsorganisationen arbeitet, sehe ich klare Unterschiede zu anderen Branchen:

      – Es gibt keine übergeordnete Branchenpublikation für Heilpraktiker, die kontinuierlich über Medien- und Gesundheitspolitik berichtet.
      – Es gibt kaum professionelle Pressearbeit. In anderen Gesundheitsberufen gehören tägliche Presseinformationen, Hintergrundgespräche und Medienmonitoring zum Standard.
      – Es gibt kaum systematische politische Kommunikation mit regelmäßigen Lageanalysen, Kontaktpflege und strategischer Positionierung.

      Viele Entwicklungen werden deshalb erst wahrgenommen, wenn sie medial eskalieren. Wie bei Böhmermann. Dann ist politische Gestaltung oft kaum noch möglich.

      Medien wirken früher, als viele glauben

      Ein wiederkehrendes Muster ist, dass mediale Vorgänge von Teilen der Verbandslandschaft zunächst als „nicht relevant“ eingestuft werden. Erst später wird sichtbar, dass Medienkampagnen häufig der Einstieg in politische Prozesse sind. Dieses Muster haben wir in den vergangenen Jahren mehrfach erlebt.

      Moderne Politik wird medial vorbereitet. Wer Medienwirkung unterschätzt, verpasst den politischen Takt.

      Mein Fazit als Journalist

      Die Herausforderungen des Berufsstands liegen weniger in mangelnder Bereitschaft der Heilpraktiker selbst, sondern vor allem in strukturellen Defiziten der politischen und medialen Kommunikation.

      Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Professionalität.
      Es geht nicht um Lagerkämpfe, sondern um Anschlussfähigkeit.
      Und es geht nicht um Eitelkeiten, sondern um die Zukunft des Berufs.

      Ich sehe viele engagierte Heilpraktiker, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, diese Energie mit professioneller Kommunikation zu verbinden.

      Mit freundlichen Grüßen
      Christian J. Becker

  2. Seit je her sind sich die Heilpraktikerverbände untereinader uneins und misstrauisch. Da der Heilpraktiker-Newsblock unabhängig, aber öfters mit dem FDH zusammen arbeitet, könnte vielleicht hierin der Grund des Schweigens von Seiten des BDH liegen, obwohl der BDH auch im DDH ,dem Dachverband der größeren Fachverbände organisiert ist.
    Die gegenseitigen Animositäten unserer Verbandsvertreter sollten in solch politisch schweren Zeiten wirklich zurückstehen.

    1. Danke Ihnen Herr Schrettenbrunner. Jeder Heilpraktikerverband kann an den Heilpraktiker-Newsblog herantreten mit Informationen. Der Fachverband Deutscher Heilpraktiker FDH ist der einzige Verband, der sich an den Newsblog wendet. Der FDH wendet daher die Basics der Pressearbeit an- Journalisten mit Presseinformationen informieren. Das tut ausser dem FDH kein einziger anderer Verband der Heilpraktiker, weder BDH, VKDH etc. Dies zur Erläuterung. Ihrem Hinweis zum BDH als DDH-Mitglied bin ich nachgegangen. Ich konnte auf der DDH-Seite dafür keinen Beleg finden: https://ddh-online.de/mitgliedsverbaende. Aber vielleicht hat der BDH kürzlich den Aufnahmeantrag gestellt und seine Mitgliedschaft im DDH ist noch nicht auf der DDH-Webseite vermerkt. Aber vorstellen könnte ich es mir, da eine Kassler Konferenz gerade sanft entschläft wegen Irrelevanz. Das würde den Aufnahmeantrag des BDH beim DDH erklären. Ich werde beim BDH mal nachfragen.

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