Gesundheitspolitische Sprecherin der Union positioniert sich: Simone Borchardt setzt beim Heilpraktiker auf „evidenzbasiert“

Nach einem Treffen mit Vorständen von Heilpraktikerverbänden hat Simone Borchardt, die gesundheitspolitische Sprecherin von CDU und CSU, ihre Position zum Heilpraktikerberuf veröffentlicht. Das Anfang April auf der Facebookseite der Politikerin veröffentlichte Positionspapier zum Heilpraktikerberuf (Link – mit Foto der anwesenden Heilpraktikerverbände) enthält bei genauerem Lesen einen Satz, der politisch ein Sprengsatz für den Heilpraktikerberuf werden könnte.

Borchardt schreibt auf ihrer Facebookseite zum Heilpraktikerberuf:
„Nur mit einer sachlichen, evidenzbasierten Betrachtung gelingt es, diesen Bereich zukunftsfähig zu gestalten und sinnvoll in unser Gesundheitssystem einzuordnen.“ Das ist keine neutrale Beschreibung. Das ist eine politische Richtungsentscheidung aus der Unionsfraktion.

Ein Begriff macht Politik

Der Zeitpunkt macht diese Formulierung von Borchardt Anfang April besonders brisant.

Parallel liegt seit dem 30. März der Bericht der Finanzkommission Gesundheit vor. Darin wird empfohlen, Homöopathie aus der gesetzlichen Krankenversicherung zu streichen – mit der Begründung fehlender Evidenz. Die zuständige Gesundheitsministerin arbeitet bereits an einem Gesetz, das diese Empfehlung noch vor der Sommerpause umsetzen soll.

Damit entsteht eine neue politische Logik: Was nicht als evidenzbasiert gilt, soll aus dem System entfernt werden.

In genau dieser Situation greift Borchardt – die ranghöchste Gesundheitspolitikerin der Unionsfraktion – den Begriff „evidenzbasiert“ auf – und überträgt ihn auf den Heilpraktikerberuf. Das wirkt wie der nächste Schritt derselben politischen Logik.

Das wirkt nicht wie ein isolierter Satz, sondern wie die Ausweitung eines bereits begonnenen politischen Maßstabs.

Was Borchardt konkret formuliert

Borchardts Position folgt einer klaren Linie. Sie fordert mit Blick auf den Heilpraktikerberuf „Transparenz, Qualitätssicherung und eine klare Einordnung im Zusammenspiel mit der Ärzteschaft“.

Sie verweist auf eine „Bestandsaufnahme des Bundesministeriums für Gesundheit“. Und sie verbindet dies unmittelbar mit neuen Anforderungen: Der Heilpraktikerberuf brauche „klare Standards und verlässliche Rahmenbedingungen“.

Der Rahmen wirkt sachlich. Der Inhalt ist es nicht.

Das ist politisch eindeutig: Anerkennung des Berufs unter Bedingungen, die jetzt von der Regierung neu definiert werden. Und diese Bedingungen laufen auf einen zentralen Maßstab hinaus: evidenzbasiert.

Die Verbindung zur Homöopathie

Die Parallele zur aktuellen Debatte liegt auf der Hand. Zuerst wird mit der Homöopathie ein Bereich adressiert, der aus Sicht der Politik nicht evidenzbasiert ist und deshalb aus der GKV entfernt werden soll.

Danach wird genau dieser Maßstab auf den Heilpraktikerberuf übertragen. Die entscheidende Frage ist damit nicht mehr, ob dieser Maßstab kommt.
Sondern, wie weit er angewendet wird.

Denn evidenzbasierte Medizin besteht nicht nur aus Studien. Sie umfasst drei Säulen:

  • wissenschaftliche Evidenz
  • Erfahrung von Therapeuten in Klinik und Praxis
  • Patientenpräferenzen

Wird „evidenzbasiert“ politisch auf Studien verkürzt, entsteht ein völlig anderer Maßstab – mit direkten Folgen für Homöopathie und den Heilpraktikerberuf insgesamt.

„Zukunftsfähig“ und „Einordnung“ – zwei Begriffe mit Konsequenzen

Neben „evidenzbasiert“ enthält Borchardts Statement zwei weitere Begriffe, die politisch weitreichend sind. Sie schreibt, der Heilpraktikerberuf müsse „zukunftsfähig gestaltet“ werden und „sinnvoll in unser Gesundheitssystem eingeordnet“ werden.

Beide Begriffe wirken moderat. In der politischen Praxis sind sie Steuerungsbegriffe. Tatsächlich beschreiben sie eine klare politische Richtung. „Zukunftsfähig“ bedeutet in diesem Kontext nicht einfach Weiterentwicklung. Es bedeutet Anpassung an Kriterien, die politisch festgelegt werden – mit der Möglichkeit, bestehende Strukturen grundlegend zu verändern. Noch deutlicher ist der Begriff „Einordnung“. Wer eingeordnet wird, wird nicht mehr als eigenständiger Bereich gedacht, sondern als Teil eines Systems mit vorgegebenen Regeln.

Die Frage verschiebt sich damit: Nicht mehr, ob Heilpraktiker Teil des Systems sind – sondern unter welchen Bedingungen und in welcher Form.

In Verbindung mit „evidenzbasiert“ entsteht daraus eine klare Linie:
Der Heilpraktikerberuf soll künftig entlang politisch definierter Kriterien bewertet, strukturiert und gegebenenfalls neu zugeschnitten werden.

Ein Satz mit Folgen

Was hier sichtbar wird, ist mehr als eine Positionierung auf Facebook.

Ein zentraler Begriff der aktuellen Gesundheitspolitik taucht gleichzeitig an zwei Stellen auf:

  • bei der geplanten Streichung der Homöopathie – initiiert von der Gesundheitsministerin
  • bei der Neubewertung des Heilpraktikerberufs – initiiert von der gesundheitspolitischen Sprecherin der CDU und CSU-Fraktion

Das ist kein Zufall. Das ist eine konsistente politische Linie und ein Muster.

Fazit

Borchardts Statement markiert eine Richtungsentscheidung. Das Kriterium „Evidenzbasiert“ (mit Blick nur auf die Studien) soll für viele Therapien gelten.

Die Homöopathie steht aktuell im Fokus der politischen Umsetzung – mit der Begründung fehlender Evidenz.

Der Heilpraktikerberuf rückt mit demselben Maßstab bereits nach. Entscheidend ist dabei der Inhalt der gesetzten Kriterien.

Ein Kommentar zu „Gesundheitspolitische Sprecherin der Union positioniert sich: Simone Borchardt setzt beim Heilpraktiker auf „evidenzbasiert“

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  1. Das ist der versteckte Versuch, den Heilpraktiker abzuschaffen. Über andere Maßnahmen haben sie ja keine Möglichkeit gefunden. Als gäbe es keine anderen Probleme in diesem Land!

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