Eine zweite Mitmach-Aktion des Newsblog: Sie können Politiker zur Wahl am 8. März öffentlich zu Heilpraktikern und Homöopathie befragen – hier ein Mustertext für Sie mit Abgeordnetenwatch inkl. Anleitung

Der offene Brief an Cem Özdemir (Link) ist nicht der einzige Weg, politisch sichtbar zu werden. Parallel dazu eröffnet sich vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März eine zweite, oft unterschätzte Möglichkeit:

Direktkandidaten zur Landtagswahl in Baden-Württemberg öffentlich auf Abgeordnetenwatch zu einer konkreten Sachfrage zu befragen – dokumentiert, dauerhaft einsehbar und vergleichbar. Unten finden Sie einen Mustertext für die Anfrage.

Diese Möglichkeit richtet sich ausdrücklich nicht nur an Wähler aus Baden-Württemberg, sondern an alle, die die gesundheitspolitische Entwicklung verfolgen und politische Positionen öffentlich festhalten möchten.

Genau dafür eignet sich das Frageportal von abgeordnetenwatch. Jeder kann dort Kandidaten zur Landtagswahl in Baden-Württemberg öffentlich befragen – unabhängig vom eigenen Wohnort. Die Antworten – oder auch das Schweigen – bleiben sichtbar, auch über den Wahltag hinaus.
Auch Menschen außerhalb von Baden-Württemberg können somit Kandidaten in Baden-Württemberg mit dieser Frage konfrontieren.

Watchblog und Newsblog nutzen dieses Instrument zusammen mit ihren Lesern im Rahmen der Mitmachkampagne #rettedeinehomöopathie. Leser können sich beteiligen, müssen es aber nicht.
Je mehr Fragen öffentlich gestellt werden, desto klarer wird, wie geschlossen oder widersprüchlich politische Positionen tatsächlich sind.

Worum geht es inhaltlich?

Im Kern geht es um zwei miteinander verknüpfte Entwicklungen:

In der Gesundheitspolitik wird derzeit darauf hingearbeitet, Homöopathie als Zusatzleistung der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen und sie perspektivisch nicht mehr als Arzneimittel zuzulassen, obwohl nach verschiedenen Erhebungen rund 30 Millionen Menschen in Deutschland homöopathische Arzneimittel nutzen. Diese Linie zeigt sich u. a. in Parteitagsbeschlüssen von SPD und Grünen, in öffentlichen Ankündigungen aus dem Kanzleramt (CDU) sowie in Äußerungen von Die Linke.
Diese Entscheidungen werden zwar landespolitisch vorbereitet, entfalten aber bundesweite Signalwirkungen.

Parallel dazu wird öffentlich die Abschaffung des Heilpraktikerberufs gefordert. Diese Forderung wurde zuletzt durch eine Sendung von Jan Böhmermann im ZDF Magazin Royale am 19.12.2025 stark zugespitzt. Dem steht ein empirisches Gutachten des Bundesministeriums für Gesundheit vom 13.12.2025 gegenüber, das den Heilpraktikerberuf auf rund 300 Seiten untersucht und ihn als sicheren und relevanten Teil der Gesundheitsversorgung beschreibt – mit rund 47.000 Heilpraktikern und etwa 29 Millionen Patientenkontakten pro Jahr.
Auch hier gilt: Was in einem Bundesland politisch akzeptiert oder verworfen wird, wirkt über dieses Bundesland hinaus.

Genau diese Spannung soll sichtbar gemacht werden.

Die Frage, die gestellt werden soll

Frage an Politiker (zum Kopieren, den ganzen roten Text bei Abgeordnetenwatch einstellen):


Betreff:
Homöopathie und Heilpraktiker: Ihre Position vor der Wahl am 8. März

Frage:
Wie positionieren Sie sich vor der Landtagswahl am 8. März zur künftigen Rolle der Homöopathie und des Heilpraktikerberufs im deutschen Gesundheitssystem?

An welchen fachlichen, wissenschaftlichen oder gesundheitspolitischen Grundlagen orientieren Sie diese Position?


 

 

Wie funktioniert das für Sie konkret?

Wie geht das?
Über das Frageportal von abgeordnetenwatch (spezielle Seite zur Wahl in BW: https://www.abgeordnetenwatch.de/baden-wuerttemberg) können alle Interessierten Kandidaten zur Landtagswahl in Baden-Württemberg öffentlich befragen. Die Frage wird moderiert, veröffentlicht und bleibt dauerhaft abrufbar.
Der eigene Wohnort spielt dabei keine Rolle.

Was können Sie tun?
Sie können die oben formulierte Frage unverändert kopieren, einen Wahlkreis in Baden-Württemberg auswählen und sie an einen oder mehrere Kandidaten richten. Mehr ist nicht nötig.
Auch mehrere Personen können denselben Kandidaten unabhängig voneinander befragen.

Wie lange dauert das?
In der Regel wenige Minuten. Es ist keine Registrierung mit öffentlicher Klarnamenpflicht erforderlich.

Warum mitmachen?
Weil politische Wirkung nicht erst dort entsteht, wo Tausende laut werden, sondern dort, wo Positionen öffentlich festgehalten werden.
Die Böhmermann-Debatte zeigt, wie schnell mediale Zuspitzung politische Linien beeinflussen kann. abgeordnetenwatch dreht die Logik um: Nicht Zuspitzung, sondern Antwortpflicht.

Muss jeder mitmachen?
Nein. Aber jeder einzelne Beitrag zählt, weil jede Frage ein weiterer dokumentierter politischer Kontakt ist. Schweigen wird dadurch ebenso sichtbar wie Antworten.

Warum der Newsblog plus Watchblog das begleiten

Der Watchblog wird die Antworten – und auch das Ausbleiben von Antworten – auswerten, vergleichen und einordnen. Nicht, um Zustimmung zu erzwingen, sondern um Transparenz herzustellen.
So lässt sich zeigen, ob es sich bei den Positionen um Einzelfälle oder um eine durchgehende politische Linie handelt.

Der offene Brief an Cem Özdemir bleibt der gebündelte, zentrale Vorgang.
Die abgeordnetenwatch-Fragen ergänzen ihn auf der Fläche.

Beides zusammen zeigt, wie Politik mit einem real existierenden Patienten- und Heilpraktikermilieu umgeht – öffentlich, nachvollziehbar und überprüfbar.

Wer sich beteiligen möchte, kann das jetzt tun. Wer nicht, liest später die Ergebnisse.

Was mit den Antworten passiert – und warum das politisch relevant ist

Die Fragen auf abgeordnetenwatch sind kein Selbstzweck. Ihr politischer Wert entsteht erst durch das, was danach passiert.

Alle Antworten – ebenso wie das Ausbleiben von Antworten – sind öffentlich einsehbar und bleiben dauerhaft dokumentiert. Genau hier setzen der Watchblog und Newsblog an. Die eingehenden Antworten werden gesammelt, verglichen, eingeordnet und journalistisch ausgewertet. So wird sichtbar, wer sich klar positioniert, wer ausweicht, wer widerspricht – und wer schweigt.

Für Politiker bedeutet das:
Eine öffentliche Frage lässt sich nicht einfach ignorieren, ohne dass genau dieses Ignorieren sichtbar wird. Wer antwortet, legt sich fest. Wer nicht antwortet, trifft ebenfalls eine Entscheidung – nur ohne Worte.

So entsteht politische Wirkung nicht durch Lautstärke, sondern durch Dokumentation.
Und genau daran kann sich jeder beteiligen.

Homöopathie vor der stillen Entsorgung: Weckruf des Watchblog an die Homöopathie-Gemeinschaft

Von Christian J. Becker, Gesundheitsjournalist,

Redakteur homoeopathiewatchblog.de und Heilpraktiker-Newsblog (2018 bis …)

Dieser Text ist ein Weckruf, weil sich die aktuelle Entwicklung nicht mehr aus Einzelmeldungen oder politischen Nebensätzen erklären lässt. Er ist auch ein Weckruf aus persönlicher Erfahrung. Ich blogge seit 2018 zu Homöopathie und Heilpraktikern und beobachte seither ein wiederkehrendes Muster: Viele schweigen, viele warten ab, viele tun nichts. Gleichzeitig sammeln sich immer mehr Menschen um den Watchblog, nicht aus Loyalität, sondern weil sie aktiv werden wollen und erkennen, dass Nicht-Handeln Folgen hat.

Der Watchblog ist dabei nie als Ersatzverband gedacht gewesen und wird es auch nicht sein. Er kann und soll und wird kein strukturelles Versagen dauerhaft kompensieren wollen und können. Er füllt allenfalls kurzfristig ein Vakuum, das dort entsteht, wo Verbände und Hersteller sichtbar passiv bleiben.

An Ressourcen mangelt es der Homöopathie nicht. Es gibt Budgets, Personal, Organisationen und Zugänge.

Was fehlt, ist erkennbarer Wille.

Genau darum geht es in diesem Weckruf: nicht um Strukturen, nicht um Zuständigkeiten, nicht um Rechtfertigungen – sondern um Willen.

Zuerst ein Lagebericht:

Erst im Zusammenhang wird in den letzten Monaten sichtbar, wie weit sich Politik und Verwaltung bereits aus der Verantwortung für die inhaltliche Steuerung der Versorgung zurückgezogen haben – und was das für die Homöopathie konkret bedeutet.

In den vergangenen Wochen sind mehrere Stellungnahmen aus Politik und Selbstverwaltung öffentlich geworden, die für sich genommen unscheinbar wirken. Zusammengenommen markieren sie jedoch einen Wendepunkt. Homöopathie wird nicht mehr offen angegriffen. Sie wird politisch losgelassen. Sie wird aus der politischen Verantwortung entlassen und verwaltungstechnisch abgelegt.

Zentral dafür ist die Antwort des Bundesministeriums für Gesundheit auf eine Presseanfrage des Homoeopathiewatchblog vom 27. Januar 2026.

Das BMG erklärt sich für nicht zuständig

In seiner Antwort beschreibt das Bundesgesundheitsministerium Homöopathie ausschließlich als mögliche freiwillige Satzungsleistung der Krankenkassen. Wörtlich heißt es, Satzungsleistungen seien Leistungen, „die eine Krankenkasse zusätzlich zu den gesetzlich festgeschriebenen Leistungen gewähren kann“, und dass „jede Krankenkasse diese Leistungen in ihrer Satzung festlegen“ könne.

Weiter führt das Ministerium aus, der Gesetzgeber habe den Krankenkassen hierfür einen „bewusst eingeräumten weiten Gestaltungsspielraum“, der „Ausprägung des Selbstverwaltungsprinzips im Gesundheitswesen“ sei. Zu einer darüber hinausgehenden Öffnung fänden sich „keine Vorgaben im Koalitionsvertrag“.

Ob Krankenkassen Zusatzleistungen künftig streichen könnten, könne das Bundesministerium für Gesundheit „zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilen“, entsprechende Informationen lägen nicht vor.

Was in dieser Antwort fehlt, ist entscheidend. Das BMG trifft keine eigene gesundheitspolitische Bewertung. Es benennt keine Verantwortung für Versorgungsvielfalt. Es formuliert keine Leitplanken, an denen sich Krankenkassen orientieren müssten. Homöopathie wird nicht verteidigt, nicht kritisiert, nicht eingeordnet – sondern verwaltungstechnisch abgelegt.

Die Frei-Linie wird vollzogen

Diese Haltung steht nicht isoliert. Sie fügt sich nahtlos in die Linie von Kanzleramtsminister Thorsten Frei ein. Auf Abgeordnetenwatch erklärte Frei Ende 2025 wörtlich, es sei „nicht Aufgabe des Staates, den gesetzlichen Krankenkassen Vorgaben zu ihren Zusatzleistungen zu machen“. Die Krankenkassen müssten „selbst entscheiden, wofür sie Geld ausgeben“; eine politische Steuerung lehne er ausdrücklich ab.

Mit der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums ist klar: Diese Linie wird nicht nur toleriert, sondern umgesetzt. Der politische Rückzug, den Frei formuliert hat, wird administrativ vollzogen. Der Staat zieht sich aus der inhaltlichen Verantwortung zurück. Homöopathie wird nicht mehr politisch verhandelt, sondern dem Wettbewerb und der Finanzlage der Krankenkassen überlassen.

Was das konkret bedeutet

Diese Entwicklung hat klare Folgen.

Es gibt keinen politischen Ort mehr, an dem über Homöopathie gestritten wird. Weder im Bundestag noch im Bundesministerium findet eine inhaltliche Auseinandersetzung statt. Der Staat erklärt, er habe bewusst Gestaltungsspielräume eingeräumt – und erklärt zugleich, er könne nicht beurteilen, welche Folgen diese Spielräume haben.

Homöopathie ist damit kein politisches Thema mehr, sondern ein Verwaltungsfall.

Damit verschwindet sie nicht über Nacht aus der Versorgung. Sie verschwindet schrittweise aus dem System – ohne öffentliche Debatte, ohne klare Entscheidung, ohne Verantwortungsübernahme.

Homöopathie steht nicht vor einem Verbot. Sie steht vor der Gefahr, aus dem System zu verschwinden, ohne dass jemals offen entschieden wurde, ob sie dort gewollt ist oder nicht.

Bis hierher ließe sich dieser Text als nüchterne Bestandsaufnahme lesen. Doch dabei darf man es nicht belassen. Denn was hier beschrieben wird, ist keine abstrakte Zuständigkeitsfrage, sondern eine reale Verschiebung von Verantwortung.
Wenn Politik erklärt, es sei „nicht Aufgabe des Staates“, und Verwaltung auf „bewusst eingeräumte Gestaltungsspielräume“ verweist, entsteht kein neutraler Raum. Es entsteht ein Vakuum.


Ab hier ist dieser Text kein Bericht mehr. Ab hier ist er ein Weckruf.

Folgen für Heilpraktiker und Ärzte

Diese Entwicklung bleibt nicht auf der Ebene von Ministerien und Papieren. Sie landet dort, wo Homöopathie tatsächlich stattfindet: in Praxen, im Gespräch mit Patienten, im Alltag von Heilpraktikern und Ärzten.

Für Heilpraktiker und Ärzte bedeutet diese Entwicklung den Verlust von Planungssicherheit. Wenn politische Rückendeckung fehlt, werden Erstattungen fragiler. Patienten werden verunsichert. Praxen geraten unter Rechtfertigungsdruck. In einer Phase institutionellen Rückzugs werden einzelne Praxen sichtbar – nicht aus Aktivismus, sondern weil sie die Folgen vor Ort abfedern müssen.

Wer glaubt, diese Entwicklung betreffe nur andere, verkennt die Dynamik. Wenn Krankenkassen Leistungen streichen, trifft es jede Praxis einzeln.

Folgen für Patienten

Für Patienten bedeutet diese Entwicklung den schleichenden Verlust einer Therapieoption, ohne dass darüber offen entschieden oder diskutiert wird. Homöopathie verschwindet nicht, weil sie widerlegt wurde, sondern weil sie nicht mehr verhandelt wird. Entscheidungen werden umgesetzt, ohne erklärt zu werden.

Folgen für Hersteller

Lange konnten sich Hersteller darauf verlassen, dass politische Zurückhaltung durch wirtschaftliche Stabilität ausgeglichen wird. Diese Phase geht zu Ende.

Für Hersteller entsteht ein trügerisches Zeitfenster. Solange Umsätze noch stabil sind, wirkt alles beherrschbar. Doch wenn Homöopathie politisch als erledigt gilt, verschiebt sich auch der regulatorische Rahmen. Wo Öffentlichkeit fehlt, greift Regulierung. Wer heute schweigt, wird morgen mit Entscheidungen konfrontiert, an denen er nicht beteiligt war.

Folgen für Verbände

Auch Verbände stehen vor einer neuen Situation. Nicht, weil sie ihre Aufgaben nicht erfüllen, sondern weil sich der politische Kontext verändert hat.

Wenn Politik sich zurückzieht und Verwaltung nicht zuhört, reicht interne Arbeit nicht mehr aus. Schweigen wird nach außen als Zustimmung gelesen. Nicht-Positionierung wird zur Position.

Was diese strukturelle Verschiebung für Betroffene außerhalb institutioneller Schutzräume bedeutet, lässt sich aus journalistischer und patientennaher Perspektive besonders deutlich erkennen.

Weckruf aus der Sicht eines Patienten und Gesundheitsjournalisten

Von Christian J. Becker

„Ich beobachte die politische und mediale Entwicklung rund um Homöopathie seit Jahren. Was sich aktuell verändert hat, ist nicht die Lautstärke der Kritik, sondern die Haltung der Entscheidungsträger. Früher wurde gestritten. Heute wird delegiert. Früher gab es Gegenargumente. Heute gibt es Zuständigkeitsverweise.

Parallel dazu wirkt die Homöopathie-Gemeinschaft auffallend nach innen gekehrt. Verbände kümmern sich um ihre internen Prozesse, Hersteller um ihr Tagesgeschäft, viele Ärzte und Heilpraktiker hoffen, dass sich die Lage von selbst stabilisiert. Patienten wiederum nehmen vor allem Verunsicherung wahr, ohne zu verstehen, was sich im Hintergrund strukturell verschiebt.

In dieser Situation werden einzelne Ärzte, Heilpraktiker und Patienten sichtbar, weil sie nicht auf institutionelle Stellvertretung warten können. Wer nicht organisiert ist oder sich nicht auf Verbandskommunikation verlassen kann, ist gezwungen, selbst öffentlich zu werden. Öffentlichkeit entsteht dann nicht aus Strategie, sondern aus Notwendigkeit.

Das Problem sind derzeit nicht Skeptiker oder Journalisten.
Das Problem ist, dass viele Betroffene darauf vertrauen, dass andere für sie sprechen werden.

Doch wenn niemand mehr widerspricht, wird Homöopathie nicht angegriffen, sondern einfach still entsorgt.“

Nach Veröffentlichung dieses Textes kann niemand mehr sagen, er habe es nicht gewusst. Niemand kann später behaupten, die Entwicklung sei überraschend oder alternativlos gewesen.

Homöopathie wird nicht durch einen großen Beschluss verschwinden, sondern durch Passivität. Wenn Politik nicht mehr gestaltet und Verwaltung nicht mehr zuhört, verlagert sich Verantwortung zwangsläufig. Sie liegt dann nicht mehr primär bei Institutionen, sondern bei den einzelnen Akteuren, die bereit sind, sichtbar zu bleiben.

Die Verteidigung der Homöopathie lässt sich nicht vollständig an Einzelne delegieren. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Lage, dass einzelne Stimmen dort wirksam werden, wo institutionelle Prozesse blockiert sind. Wissenschaftler, Ärzte, Heilpraktiker, Patienten sowie der Watchblog und seine aktiven Leser übernehmen damit eine Rolle, die eigentlich breiter getragen werden müsste.

Dieser Text ist kein Angriff und keine Kampagne:

Er ist ein Weckruf an die Homöopathie-Gemeinschaft.

Noch gibt es Praxen, die behandeln.
Noch gibt es Wissenschaftler, die sprechen.
Noch gibt es Verbände und Hersteller mit Einfluss.

Aber dieses Zeitfenster schließt sich.

Wer Homöopathie erhalten will, muss jetzt sichtbar werden.

Nicht später.
Nicht leise.

Sondern jetzt – mit Selbstbewusstsein.

Wer handelt, wird gesehen.
Wer sichtbar ist, wird gehört.
Wer gehört wird, hat Einfluss.

#rettedeinehomöopathie

 

Dieser Weckruf erfüllt noch eine weitere Funktion. Er nimmt Ausreden vorweg.

Nach Veröffentlichung dieses Textes kann keine Institution der Homöopathie- mehr plausibel sagen, sie habe von alledem nichts gewusst. Die Entwicklung ist seit Monaten benannt und öffentlich im Watchblog dokumentiert, die Akteure sind sichtbar, der Mechanismus ist beschrieben. Es ist festgehalten, wann Verantwortung abgegeben wurde und wohin sie verschoben wurde.

Dieser Text weist keine persönliche Schuld den Verbänden zu. Er tut etwas anderes: Er macht Zuständigkeiten kenntlich. Politik zieht sich zurück. Verwaltung erklärt sich für nicht zuständig. Verbände reagieren oder schweigen. Hersteller profitieren oder positionieren sich. Einzelne handeln – oder hoffen.

Nicht-Handeln ist damit keine neutrale Haltung mehr, sondern eine Entscheidung.

Der Weckruf entzieht künftigen Entlastungserzählungen der Verbände und Hersteller den Boden. Wer später sagt, es sei überraschend gekommen, es habe keine Alternative gegeben oder man habe keinen Einfluss gehabt, sagt das gegen eine dokumentierte Realität.

 


 

FAQ: Was ist jetzt konkret zu tun?

Was ist konkret zu tun für die Verbände?

Klartext:
Verbände müssen aus dem Schweigen heraus.

Konkret heißt das jetzt:

  1. Öffentliche Einordnung der neuen Lage
    Jeder Verband muss gegenüber seinen Mitgliedern schriftlich festhalten:
    – BMG zieht sich zurück
    – G-BA verweigert fachlichen Austausch
    – politische Steuerung endet
    – Kassen entscheiden allein über Homöopathie auf Basis von FinanzdatenDas ist keine Meinung, sondern Fakt.
  2. Benennung der Konsequenzen
    Verbände müssen sagen, was das real bedeutet:
    – für Erstattungen
    – für Planungssicherheit
    – für die politische Zukunft der Homöopathie
  3. Sichtbarkeit nach außen – nicht intern
    Mindestens eine sichtbare Stellungnahme pro Verband.
    Nicht Kampagne, nicht Petition – aber öffentlich nachvollziehbar.

👉 Schweigen ist ab jetzt eine Entscheidung gegen Sichtbarkeit.

Was ist konkret zu tun für die Hersteller?

Klartext:
Hersteller können sich nicht länger darauf verlassen, dass wirtschaftliche Stabilität politische Unsichtbarkeit kompensiert.

Konkret heißt das jetzt:

  1. Anerkennen, dass die Bedrohung nicht medizinisch, sondern administrativ ist
    Homöopathie wird nicht wegen neuer Evidenz infrage gestellt, sondern weil sie politisch und regulatorisch „abgehakt“ wird.
    Das betrifft Hersteller direkt, auch wenn Umsätze aktuell noch stabil sind.
  2. Öffentlich sichtbar machen, dass Verfahren statt Inhalte entscheiden
    Hersteller müssen nicht Wirksamkeit verteidigen,
    aber sie müssen klar benennen, dass wissenschaftliche Expertise und Marktrealität aus Entscheidungsprozessen ausgeschlossen werden.
  3. Sichtbarkeit herstellen – nicht Kampagnen
    Ein Interview, ein Fachbeitrag, ein offenes Wort gegenüber Politik oder Öffentlichkeit reicht.
    Schweigen signalisiert Zustimmung zur administrativen Entsorgung.
  4. Nicht länger darauf setzen, dass andere das Risiko tragen
    Wenn Verbände und einzelne Behandler exponiert sind, während Hersteller still bleiben, entsteht ein Ungleichgewicht.
    Das schwächt langfristig auch die wirtschaftliche Grundlage.

👉 Wer heute profitiert, aber nicht spricht, wird morgen reguliert, ohne gefragt zu werden.

Warum ist das für Hersteller jetzt zwingend?

Weil sich gerade entscheidet, ob Homöopathie als regulierter Marktbereich weiter existiert
oder ob sie politisch als erledigt gilt – mit Folgen für:

  • Zulassungspraxis
  • regulatorische Dichte
  • öffentliche Akzeptanz
  • langfristige Investitionssicherheit

Das ist keine ideologische Frage, sondern eine Standort- und Geschäftsfrage.

Kurzfassung für Hersteller

Der Weckruf richtet sich auch an Sie.
Nicht, um zu mobilisieren – sondern um sichtbar zu machen,
dass Homöopathie kein stiller Verwaltungsfall ist.

Was ist konkret zu tun für einzelne Ärzten und Heilpraktiker?

Klartext:
Nicht alle müssen laut sein – aber es müssen genug sein.

Konkret heißt das:

  1. Nicht mehr beschwichtigen
    In Praxis, Kollegenkreis, Öffentlichkeit nicht mehr sagen:
    „Das legt sich schon.“
    Sondern:
    „Die Rahmenbedingungen ändern sich gerade grundlegend.“
  2. Mindestens eine bewusste Entscheidung treffen
    – Bleibe ich bewusst still?
    – Oder äußere ich mich sachlich?
    Beides ist legitim. Unbewusstes Schweigen nicht mehr.
  3. Einzelne Stimmen werden notwendig
    Wenn Institutionen nicht sprechen, müssen Einzelne sichtbar werden,
    sonst existiert die Homöopathie öffentlich nicht mehr.

👉 Der Weckruf sagt ausdrücklich:
Es reicht nicht, wenn alle darauf hoffen, dass andere sprechen.

Was ist konkret zu tun für die Wissenschaftler?

Klartext:
Fachliche Expertise darf sich nicht ins Private zurückziehen.

Konkret heißt das:

  • sichtbar festhalten, dass
    – Austausch verweigert wurde
    – Expertise nicht angehört wird
  • nicht als Angriff, sondern als Dokumentation

👉 Wissenschaft, die nicht mehr gehört wird, muss sichtbar machen, dass sie ausgeschlossen wird.

Was ist konkret zu tun für die Patienten?

Klartext:
Nicht protestieren – nachfragen und benennen.

Konkret heißt das:

  • Ärzte und Kassen fragen:
    „Wer hat das entschieden – und warum ohne Diskussion?“
  • Nicht Wirksamkeit verteidigen, sondern Verfahren hinterfragen.

Warum reicht „abwartendes Verhalten“ jetzt nicht mehr?

Weil Homöopathie nicht offen bekämpft, sondern still abgewickelt wird.

Wenn:

  • Politik sich zurückzieht
  • Verwaltung nicht zuhört
  • Verbände und Hersteller schweigen
  • Die Verantwortung für die Homöopathie auf die Schultern einzelner abgewälzt wird

dann verschwindet Homöopathie, ohne dass jemand verantwortlich war.

Genau das benennt der Weckruf – und genau das soll verhindert werden.

Kurzfassung, unmissverständlich

Der Weckruf fordert:

  • Verbände und Hersteller: sichtbar einordnen
  • Einzelne: bewusst entscheiden, sich informieren, sich beteiligen an Aktionen der Homöopathie-Gemeinschaft (mit wenig Aufwand für den Einzelnen aber viel Wirkung für die Gemeinschaft)
  • Wissenschaft: Ausschluss dokumentieren
  • Patienten: Verfahren benennen

Nicht alle müssen alles tun.


Aber niemand in den Institutionen kann mehr so tun, als müsse er gar nichts tun.

Newsblog und Watchblog starten politische Kommunikation direkt an die Grünen-Spitze in Baden-Württemberg  – mit offenem Brief mit 204 Unterschriften nach einer Woche /Warum das Thema auch für nichthomöopath. Heilpraktiker wichtig ist

Der offene Brief an Cem Özdemir (hier unterzeichnen) ist kein isolierter Vorgang. Er ist bereits nach einer Woche der Unterschriftenzeit der Startpunkt einer politischen Kommunikation, die der Homoeopathiewatchblog und seine Leser im Rahmen der Kampagne #rettedeinehomöopathie bewusst öffentlich führen. Der Watchblog setzt nun bei den Grünen eine Arbeitsmethodik der politischen Kommunikation fort, die er beim Kanzleramt begonnen hatte.

Und wichtig: Der Brief kann weiter unterzeichnet werden, er wird  Ende Februar/Anfang März offiziell überreicht werden.

Politikkommunikation ist erklärungsbedürftig, gerade für manche Homöopathie-Freunde, die mit politischer Kommunikation wenig zu tun haben und offene Briefe oft als symbolische Gesten wahrnehmen. Genau das ist dieser Brief nicht. In diesem Artikel erkläre ich, wie ich vorgehe.

Diese politische Kommunikation entsteht nicht im luftleeren Raum. In den vergangenen Wochen haben einzelne und immer mehr Heilpraktiker, Ärzte, Patienten begonnen, öffentlich Stellung zu beziehen – mit Kommentaren oder Gastbeiträgen oder durch die bewusste Unterstützung von Initiativen wie der aktuellen Mitmachkampagne. Der Watchblog macht dieses Handeln sichtbar, ordnet es ein und verstärkt seine Reichweite.

Auffällig ist, dass politische Kommunikation der Homöopathie-Gemeinschaft derzeit vor allem dort entsteht, wo Einzelne Verantwortung übernehmen – unabhängig von bestehenden Verbandsstrukturen. Der Watchblog bildet diese Dynamik ab, ohne sie zu steuern oder zu ersetzen. Er macht sichtbar, was sonst folgenlos bleibt.

Der politische Hintergrund: Die Wahlumfragen zeigen derzeit, dass die Grünen weit hinter der CDU und nur ganz knapp vor der drittstärksten Partei liegen. Und der Spitzenkandidat Özdemir liegt aktuell über 11 Prozentpunkte hinter dem Ergebnis von Herrn Kretschmann in 2021 bei der letzten Wahl. Herr Kretschmann hatte 32,6 Prozent und das Ministerpräsidentenamt geholt, Herr Özdemir hat aktuell 21 Prozent und wird damit kein Ministerpräsident, kein Minister, höchstens Abgeordneter. Oder er muss in das Abklingbecken für gescheiterte Grünen-Politiker, die Politstiftung der Partei.
Das erhöht die Relevanz eines offenen Briefes der Homöopathie-Gemeinschaft und die Relevanz von 5.000 Heilpraktikerpraxen mit 3 Millionen Patienten im Jahr. Denn werden die Grünen nur drittstärkste Kraft, verlieren sie nicht nur die Regierungsbeteiligung und viele gut bezahlte Posten, sondern sie verlieren am 8. März auch Baden Württemberg als ihre einstige Hochburg und verlieren drittens weiter eine Wahl nach der anderen.

Ein offener Brief ist kein Ziel, sondern ein Hebel

Der offene Brief der Homöopathie-Gemeinschaft an Cem Özdemir als Grünen-Spitzenkandidat erfüllt eine klare Funktion: Er schafft einen dokumentierten Anlass, an dem sich politische Kommunikation festmachen lässt. Ab diesem Moment geht es nicht mehr nur um einen Text, sondern um die Frage, wie Politiker wie die Grünen auf einen sichtbaren Vorgang reagieren – oder eben nicht.

Das ist der entscheidende Unterschied zwischen einem Appell und politischer Kommunikation.

Der Watchblog nutzt diesen Brief bereits jetzt aktiv mit politischer Kommunikation:
– durch Tweets,
– durch öffentliche Adressierung,
– durch die Einbettung in journalistische Beiträge,
– durch die Vorbereitung formaler Presseanfragen.

Der Brief ist damit nicht der Abschluss, sondern der Einstieg. Und wichtig: Der Brief kann weiter unterzeichnet werden, er wird im Februar/März offiziell überreicht werden.

Hier ein Tweet von heute:

homöopathie

➡️ Offenen Brief jetzt weiter unterzeichnen:
(Direktlink zum Unterschriftenfeld)

Die Mitmachkampagne #rettedeinehomöopathie ist dabei kein Verbandsprojekt, sondern ein niedrigschwelliger politischer Kommunikationsraum für Einzelne. Wer unterschreibt, tut dies nicht stellvertretend für eine Organisation, sondern als Mensch, als Heilpraktiker, Patient, Arzt oder Hersteller in eigener Verantwortung. Genau diese Individualisierung macht die Resonanz erklärbar.

Die offizielle Übergabe als bewusster Schlusspunkt

Am Ende dieser politischen Kommunikation steht nicht das Versanden eines Textes, sondern eine offizielle Übergabe des offenen Briefes.

Diese Übergabe ist kein symbolischer Akt, sondern der formale Abschluss eines öffentlichen Vorgangs. Der Brief wird mit den bis dahin gesammelten Unterschriften überreicht und damit aus dem digitalen Raum in einen klar adressierten politischen Kontext überführt.

Spätestens an diesem Punkt ist der offene Brief nicht mehr ignorierbar. Er liegt dann nicht nur öffentlich vor, sondern auch offiziell bei den Adressaten. Antworten, Einordnungen oder Schweigen sind ab diesem Moment Teil der politischen Aktenlage.

Warum dieser Mechanismus bereits funktioniert hat

Dieses Vorgehen ist im Watchblog nicht neu. Ein vergleichbarer Mechanismus wurde bereits beim Thema Zusatzleistungen und Kanzleramt angewendet.

Damals begann es ebenfalls mit einer formalen Anfrage, wurde öffentlich dokumentiert, über Tweets begleitet und journalistisch eingeordnet. Der politische Akteur hatte zunächst kein Interesse zu antworten. Der Druck entstand nicht durch Lautstärke, sondern durch Transparenz.

Am Ende musste öffentlich reagiert werden. Nicht, weil die Kritik besonders laut war, sondern weil das Schweigen selbst erklärungsbedürftig geworden war. Die bis dahin intern gefahrene Linie wurde sichtbar. Auf Fragen des Watchblog haben geantwortet: das Kanzleramt mit seinem Kanzleramtsminister Thorsten Frei, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD, Abgeordnete der Union und Linke, GKV-Spitzenverband und das Bundesministerium für Gesundheit sowie mehrere Krankenkassen.

Genau dieses Prinzip wird nun erneut angewendet.

Warum das für Heilpraktiker relevant ist – auch ohne Homöopathie

Viele Heilpraktiker fragen sich, warum sie sich mit einem offenen Brief beschäftigen sollen, selbst wenn sie keine Homöopathie einsetzen. Die Antwort ist einfach: weil es hier nicht nur um eine Methode geht, sondern um politische Steuerung ohne Gesetz.

Die Linie der Grünen zur Homöopathie entsteht nicht durch ein einzelnes Verbot, sondern durch politische Leitlinien, Signalwirkungen und Erwartungshaltungen gegenüber Krankenkassen und Institutionen. Das ist ein Muster, das auch andere Bereiche der Heilpraktikerschaft betrifft.

Wer glaubt, dass Nicht-Betroffenheit schützt, verkennt die Logik politischer Prozesse. Was heute an einem Randthema getestet wird, wird morgen auf andere Bereiche übertragen.

Warum Baden-Württemberg der richtige Ort ist

Baden-Württemberg ist kein Zufall. Hier kandidiert ein bundesweit sichtbarer Spitzenpolitiker. Hier ist die Nutzung komplementärer Verfahren hoch. Hier wird beobachtet, ob Widerspruch entsteht oder nicht.

Was hier geräuschlos akzeptiert wird, gilt politisch als erprobt. Genau deshalb wird der offene Brief nicht still verwaltet, sondern öffentlich geführt.

Was Leser konkret erwarten können

Der Watchblog wird den offenen Brief weiterhin politisch nutzen. Das bedeutet:

Es wird dokumentiert, wer angesprochen wird.
Es wird dokumentiert, wer antwortet.
Und es wird dokumentiert, wer nicht antwortet.

Der offene Brief bleibt dabei der Referenzpunkt. Er macht sichtbar, dass es nicht um eine Einzelmeinung geht, sondern um ein reales, wenn auch begrenztes Wähler- und Patientenmilieu.

Und wichtig: Der Brief kann weiter unterzeichnet werden, er wird  Ende Februar/Anfang März offiziell überreicht werden.

Der Watchblog ersetzt keine Verbände und beansprucht keine Mandate. Er übernimmt eine Aufgabe, die im Moment strukturell offenliegt: politische Vorgänge dokumentieren, ihre Bedeutung für die Versorgung und die Berufsrealität erklären und sichtbar machen, wo Einzelne bereits handeln.

Dass diese Öffentlichkeit des Watchblog und seiner Leser für manche Verbände unbequem ist, liegt weniger an ihrem Inhalt als an der Verschiebung von Deutungshoheit: Politische Relevanz entsteht nicht mehr ausschließlich über formale Mandate, sondern über Sichtbarkeit und Resonanz.

Warum das wichtig ist

Politik reagiert selten auf einzelne Stimmen. Sie reagiert auf sichtbare Vorgänge. Der offene Brief mit vielen Unterschriften der Homöopathie-Gemeinschaft ist ein solcher Vorgang. Seine politische Wirkung entsteht nicht durch die Anzahl der Unterschriften allein, sondern durch die Art, wie er öffentlich eingebunden wird.

Die bisherigen Rückmeldungen zeigen, dass Öffentlichkeit dort entsteht, wo Menschen bereit sind, ihren Namen unter eine Position zu setzen. Nicht als Kampagne gegen jemanden, sondern als sichtbarer Teil einer gesundheitspolitischen Debatte, die bislang vor allem hinter verschlossenen Türen geführt wurde.

Genau das tut der Watchblog jetzt.

Und genau deshalb bleibt es nicht beim offenen Brief. Sondern der Brief ist eine Teil der politischen Kommunikation des Homoeopathiewatchblog.

➡️ Offenen Brief jetzt weiter unterzeichnen:
(Direktlink zum Unterschriftenfeld)


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Vielen Dank für Ihren Rückhalt.

Ihr
Christian J. Becker
Gesundheitsjournalist, Blogger

Aktiv für die Homöopathie und Heilpraktiker seit 2018
mit dem Heilpraktiker-Newblog und dem
Homoeopathiewatchblog.de – Haltung. Fakten. Öffentlichkeit für die Homöopathie und Heilpraktiker

Ein Heilpraktiker widerspricht dem ZDF-Intendanten: Damit beginnt jetzt offiziell das Verfahren des ZDF-Fernsehrats gegen Böhmermann

Kurzfassung

Der ZDF-Intendant stellte sich gestern hinter Jan Böhmermann und erklärt die pauschale Abwertung von Heilpraktikern zur zulässigen Satire. Ein per Los als Leitbeschwerdeführer bestimmter Heilpraktiker akzeptierte heute diese Stellungnahme nicht. Er hält seine Programmbeschwerde in einem Schreiben ans ZDF ausdrücklich aufrecht. Damit geht das Verfahren gegen „ZDF Magazin Royale“ in die nächste Stufe: Der ZDF-Fernsehrat muss nun inhaltlich prüfen und entscheiden.

Die Ausgangslage: Der Intendant verteidigt Böhmermann

Am 4. Februar hatte sich der ZDF-Intendant Norbert Himmler öffentlich hinter die Sendung ZDF Magazin Royale gestellt. In der Sendung vom 19. Dezember 2025 hatte Jan Böhmermann den Berufsstand der Heilpraktiker in einer rund 25-minütigen, pauschalisierenden Schmähkritik angegriffen und zugleich politische Konsequenzen bis hin zur Abschaffung des Berufs gefordert. Der Intendant sieht darin die durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geschützte Freiheit der Satire.

Die Rolle des Fernsehrats und des Leitbeschwerdeführers

Der ZDF-Fernsehrat hat diese Stellungnahme am 5. Februar dem Leitbeschwerdeführer vorgelegt und ihn gefragt, ob er sie akzeptiert oder seine Programmbeschwerde aufrechterhält. Der Leitbeschwerdeführer wurde vom ZDF per Los aus zahlreichen Programmbeschwerden bestimmt. Es handelt sich um einen praktizierenden Heilpraktiker aus Hessen.

Die Entscheidung des Heilpraktikers

Der Heilpraktiker hat ebenfalls am 5. Februar gegenüber dem ZDF schriftlich erklärt, dass er die Stellungnahme des ZDF-Intendanten nicht akzeptiert und seine Programmbeschwerde daher ausdrücklich aufrechterhält. Das Schreiben vom 5. Februar liegt dem Homoeopathiewatchblog im Original vor.

Warum das eine entscheidende Schwelle ist

Damit ist eine entscheidende Schwelle überschritten. Ab diesem Punkt läuft das Verfahren gegen Böhmermann offiziell auf Ebene des ZDF-Fernsehrats weiter – bis zu einer Entscheidung in den nächsten Monaten. Das Verfahren ist nicht mehr durch eine bloße Intendanten-Stellungnahme zu beenden. Die Programmbeschwerde wird nun inhaltlich fortgeführt, der ZDF-Fernsehrat trägt ab jetzt die Verantwortung für Prüfung und Entscheidung.

Bedeutung für Heilpraktiker und Patienten

Für das ZDF, für Jan Böhmermann – und für rund 47.000 Heilpraktiker sowie zahlreiche Patienten, die Programmbeschwerden eingereicht haben – ist das kein formaler Nebenschritt. Erstmals wird die pauschale Abwertung eines gesetzlich geregelten Berufsstands, des Berufs des Heilpraktikers, in einem öffentlich-rechtlichen Satireformat nicht nur kritisiert, sondern formal weiterverfolgt.

Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens hat das Thema eine neue Dimension der Öffentlichkeitsarbeit: Viele Heilpraktiker zusammen definieren gegenüber Journalisten eine rote Linie, die Journalisten zukünftig in der Berichterstattung zum Beruf nicht überschreiten sollten. Das ist neu: Denn bisher glaubten Journalisten, sie könnten die Linie beliebig weit ausdehnen, so wie Böhmermann es versucht hat. Diese neue von Heilpraktikern definierte rote Linie wird bleiben, auch nach dem Ende des Verfahrens gegen Jan Böhmermann.

Wie es jetzt weitergeht

Der Heilpraktiker hat gegenüber dem Fernsehrat eine ausführliche schriftliche Erwiderung auf die Stellungnahme des Intendanten angekündigt. Diese wird derzeit mit journalistischer Unterstützung des Homoeopathiewatchblog erarbeitet und soll die zentralen Kritikpunkte systematisch darlegen – insbesondere die Frage der Gesamtwirkung der Sendung sowie die Nichtberücksichtigung der zum Zeitpunkt der Ausstrahlung bereits vorliegenden staatlichen Erkenntnislage.

Der Ausgang des Verfahrens vor dem ZDF-Fernsehrat ist offen.
Dass es weitergeführt wird, ist es nicht.

Foto: ZDF Fernsehrat, Torsten Silz


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ZDF-Intendant verteidigt „ZDF Magazin Royale“ gegen Heilpraktiker: Böhmermann dürfe alles – auch die pauschale Abwertung von Heilpraktikern

Der ZDF-Intendant Norbert Himmler hat auf die eingegangenen Programmbeschwerden der Leser des Homoeopathiewatchblog reagiert und sich mit einer Stellungnahme direkt an den Leitbeschwerdeführer, einen praktizierenden Heilpraktiker, zur Sendung „ZDF Magazin Royale“ vom 19. Dezember 2025 gewandt. In seinem Schreiben vom 4. Februar 2026 weist Himmler die Vorwürfe zurück und stellt sich ausdrücklich hinter die Redaktion um Jan Böhmermann. Die Stellungnahme des ZDF-Intendanten liegt dem Homoeopathiewatchblog im Original vor; sie umfasst rund 2,5 Textseiten.

Böhmermann hatte in seiner Sendung am 19.12.2025 den Berufsstand der Heilpraktiker, Homöopathie und Anthroposophie in einer rund 25-minütigen Sendung scharf kritisiert und pauschalisierend dargestellt. In der Folge hatte der Homoeopathiewatchblog zu Programmbeschwerden aufgerufen. Dem Aufruf sind zahlreiche Heilpraktiker, Ärzte und Patienten gefolgt. Dadurch musste der ZDF-Fernsehrat ein formelles Programmbeschwerdeverfahren zur Sendung eröffnen. Teil dieses Verfahrens ist die nun vorliegende Stellungnahme des ZDF-Intendanten. In der Sendung wurden u.a. die Heilpraktikerverbände FDH, VDH mit Logo und Texten dargestellt, Hersteller wie DHU und Wala wurden mit Produkten gezeigt.

ZDF-Intendant Norbert Himmler betont in seinem Schreiben vom 4.2., die Sendung befasse sich mit einem „Thema von öffentlichem Interesse“ und arbeite auf Grundlage redaktioneller Recherchen. Die satirische Zuspitzung beruhe aus seiner Sicht auf einem zutreffenden Tatsachenkern in Bezug auf den Heilpraktikerberuf. Unzutreffende Tatsachenbehauptungen gegenüber Heilpraktikern seien aus Sicht des Intendanten nicht erkennbar. Satire dürfe vieles, so Himmler, sie könne überzeichnen, provozieren und kontrovers sein. Auch eine deutliche Abwertung des Berufsstandes der Heilpraktiker falle unter diesen Schutzbereich. Das Publikum habe stets die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Auffällig ist jedoch, was die Stellungnahme des ZDF-Intendanten nicht leistet. Sie setzt sich nicht mit der im Beschwerdebrief zentral erhobenen Frage der Gesamtwirkung der Sendung auseinander – also mit der kumulativen Wirkung aus Tonfall, Wiederholung, Bildsprache und begleitender Social-Media-Kommunikation. Ebenso fehlt jede inhaltliche Auseinandersetzung mit dem empirischen Gutachten des Bundesministeriums für Gesundheit, das zum Zeitpunkt der Ausstrahlung bereits vorlag und zentrale Aussagen zum Heilpraktikerwesen enthält.

Stattdessen beschränkt sich der Intendant auf eine grundsätzliche Verteidigung des Satireformats von Jan Böhmermann und verweist auf frühere politische Debatten sowie vereinzelte Extremfälle von Heilpraktikern aus der Vergangenheit. Die zentrale Frage, ob ein öffentlich-rechtliches Format bei der Darstellung eines gesetzlich geregelten Berufsstands besondere journalistische Sorgfaltspflichten trifft, bleibt unbeantwortet.


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FDH, VDH, DHU, Wala: Wie Verbände und Hersteller mit Logo in der Böhmermann-Sendung erscheinen

In der Debatte um die Sendung ZDF Magazin Royale vom 19.12.2025 ist bisher vor allem über Tonfall, Zuspitzung und Satirefreiheit gesprochen worden. Weniger Aufmerksamkeit erhielt eine andere Ebene der Sendung: welche Akteure konkret sichtbar gemacht werden – und in welcher Rolle. Dieses Thema ist auch für den ZDF-Fernsehrat relevant, der im Januar das Verfahren gegen die Böhmermann-Sendung nach vielen Programmbeschwerden von Lesern des Heilpraktiker-Newsblog und Homoeopathiewatchblog eröffnet hatte. Die öffentliche Verhandlung könnte bereits im März stattfinden.

Bei genauer Betrachtung arbeitet der Beitrag nicht nur mit abstrakten Begriffen wie „Homöopathie“, „Anthroposophie“ oder „Heilpraktiker“, sondern greift mehrfach auf konkrete visuelle und textliche Referenzen zurück. Diese Referenzen betreffen reale Verbände und reale Hersteller, die in der Sendung erkennbar gezeigt oder zitiert werden, ohne selbst als Akteure aufzutreten.

Welche Verbände und Hersteller in der Sendung erscheinen

In der Sendung werden unter anderem folgende Akteure visuell oder textlich referenziert:

– Produkte des homöopathischen Herstellers DHU
– Ein anthroposophisches Arzneimittel der Firma WALA
– Textzitate und Bildmaterial aus dem Umfeld des Fachverband Deutscher Heilpraktiker e. V.
– Darstellungen mit Bezug auf den Verband Deutscher Heilpraktiker e. V.

Die genannten Hersteller und Verbände werden namentlich Teil des Verfahrens sein.

fdh
Logo FDH BW + Text

Diese Akteure sind nicht beiläufige Kulisse, sondern werden gezielt eingesetzt: Produkte liegen sichtbar auf dem Tisch, Logos erscheinen eingeblendet, Textpassagen aus Verbandsmaterial werden gezeigt oder vorgelesen.

hp
Logo VDH + Text

Sichtbar, aber nicht sprechfähig

Auffällig ist dabei nicht die bloße Nennung oder Abbildung dieser Akteure. Auffällig ist ihre Rolle innerhalb der dramaturgischen Konstruktion der Sendung. Die genannten Verbände und Hersteller erscheinen ausschließlich als visuelles oder textliches Material. Sie fungieren als Referenzpunkte, nicht als Gesprächspartner.

wala
Wala Produkt

Weder werden Vertreter dieser Organisationen zitiert, noch wird ihre Perspektive erläutert oder eingeordnet. Für das Publikum bleibt offen, aus welchem Kontext die gezeigten Texte stammen, welche Funktion sie ursprünglich hatten oder wie sie innerhalb der jeweiligen Organisation verstanden werden.

dhu
Produkte DHU

Die Akteure sind damit präsent, ohne handlungsfähig zu sein. Sichtbarkeit ersetzt hier keine Einordnung, sondern bleibt Teil der Zuspitzung.

 

 

 

 

 

 

Kontrast: staatliche Autorität wird eingeblendet

Parallel dazu arbeitet die Sendung an mehreren Stellen mit der Autorität staatlicher Institutionen. Einblendungen des Bundesministeriums für Gesundheit und Zitate aus ministeriellen Veröffentlichungen werden genutzt, um Aussagen zur rechtlichen Einordnung des Heilpraktikerberufs zu unterlegen.

heilpraktiker
Zitat BMG

Dieser Kontrast ist medienanalytisch relevant. Während staatliche Aussagen selektiv aufgegriffen und prominent präsentiert werden, bleibt das im Dezember 2025 veröffentlichte empirische Gutachten des Bundesministeriums für Gesundheit zum Heilpraktikerwesen unerwähnt. Gerade dieses Gutachten hätte eine differenzierte Kontextualisierung der gezeigten Verbands- und Herstellerreferenzen ermöglicht.

Eine mediale Konstellation ohne Zuordnung

Medienethisch interessant ist weniger die Frage, ob einzelne Verbände oder Hersteller „zutreffend“ oder „unzutreffend“ dargestellt werden. Entscheidender ist die Konstellation, die durch die Sendung entsteht: Reale Akteure werden sichtbar gemacht, ohne dass ihre Rolle, ihre Einordnung oder ihre Position für das Publikum nachvollziehbar wird.

Die gezeigten Logos, Produkte und Textfragmente wirken damit nicht als Informationsquelle, sondern als dramaturgisches Material. Für Zuschauer entsteht ein geschlossenes Bild, in dem Verbände und Hersteller Teil einer Erzählung sind, ohne diese mitzugestalten oder zu erklären.

Warum diese Beobachtung für Heilpraktiker relevant ist

Für viele Heilpraktiker ist diese Ebene der Sendung besonders relevant. Sie zeigt, wie öffentliche Debatten funktionieren: Nicht nur Aussagen, sondern auch Bilder, Logos und Produkte prägen Wahrnehmung. Wer sichtbar ist, ohne sprechen zu können, wird Teil einer öffentlichen Zuschreibung, ohne Einfluss auf deren Richtung zu haben.

Dieser Artikel dokumentiert eine mediale Konstellation, die für das Verständnis der Debatte wichtig ist: Wer wird gezeigt, wer wird zitiert – und wer bleibt sprachlos in der Sendung, obwohl er präsent ist.

Fotos: Screenshots ZDF-Website/ZDF Fernsehrat, Torsten Silz

Jeder Heilpraktiker, Patient, Arzt, Hersteller kann mit entscheiden: Unterzeichnen Sie den Offenen Brief an Cem Özdemir und stoppen Sie so die Anti-Homöopathie-Politik der Grünen / Die Zeit läuft ab bis 8. März

Kurz erklärt: Im Homoeopathiewatchblog läuft aktuell ein offener Brief an den grünen Spitzenkandidaten Cem Özdemir, den jeder Homöopathie-Freund unterzeichnen kann. Jeder kann sich so beteiligen, die Anti-Homöopathie-Politik der Grünen zu stoppen. Aktuell haben 67 Menschen unterschrieben. Darin geht es um die Zukunft der Homöopathie, die Rolle der Heilpraktiker und um eine politische Linie der Grünen, die diese Therapierichtung bei Kassen und als Arzneimittel verbieten will. Am 8. März bietet sich für jeden die Chance, das zu stoppen. Wer jetzt unterschreibt, mischt sich sichtbar ein, bevor politische Fakten geschaffen werden.

Der Artikel zum Offenen Brief wurde seit der Veröffentlichung am 27.1. über 2.000 mal gelesen.

67 von von diesen 2.000 Lesern des Briefartikels haben den Brief an die Grünen auch unterschrieben.

Diese 67 setzen sich dafür ein, dass die Grünen gestoppt werden mit ihrer Anti-Homöopathie-Politik.

Vielleicht gibt es noch ein paar mehr Homöopathie-Freunde, die sich den 67 Menschen anschließen möchten, weil ihnen die Verteidigung der Homöopathie am Herzen liegt.

 

👉 Jetzt den offenen Brief lesen und unterzeichnen:  Link zum offenen Brief

 

Warum diese Gruppen der Homöopathie-Gemeinschaft unterschreiben sollten

Heilpraktiker
Für Heilpraktiker ist diese Debatte keine Theorie. Sie betrifft ihre Arbeit, ihre rechtliche Stellung und ihre Zukunft. Politisch wird Schweigen nicht als Neutralität gelesen, sondern als Zustimmung.
👉 Jetzt unterschreiben und berufspolitisch sichtbar werden:  Link zum offenen Brief

Patienten
Patienten nutzen Homöopathie oft über Jahre. Politisch tauchen sie jedoch kaum auf. Eine Unterschrift macht sichtbar, dass über Versorgung nicht ohne Patienten entschieden werden soll.
👉 Jetzt unterschreiben und Ihre Perspektive sichtbar machen: Link zum offenen Brief

Ärzte
Ärzte, die Homöopathie anwenden oder ihren Patienten offen gegenüberstehen, geraten zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Eine Unterschrift steht für Therapiefreiheit und ärztliche Autonomie.
👉 Jetzt unterschreiben und Therapiefreiheit unterstützen: Link zum offenen Brief

Hersteller
Hersteller sichern Versorgung, Qualität und Arbeitsplätze. Wer in dieser Phase nicht sichtbar wird, wird später nicht mehr gefragt.
👉 Jetzt unterschreiben und Verantwortung zeigen:  Link zum offenen Brief

Offener Brief zum 8. März: Ein offener Brief an Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir – und warum jetzt entschieden wird

Seit Ende Januar läuft im Homoeopathiewatchblog ein offener Brief, den jeder unterstützen kann. Er richtet sich an Cem Özdemir, den grünen Spitzenkandidaten in Baden-Württemberg. Adressiert wird damit ein zentraler Gesundheitspolitiker – wenige Wochen vor einer Landtagswahl.

Denn die Grünen verfolgen seit ihrem Parteitag im November 2025 gesundheitspolitisch einen klaren Kurs: Homöopathie soll aus dem regulären Kassensystem zurückgedrängt und als Arzneimittel verboten werden. Gerade diese leise Vorgehensweise macht öffentlichen Widerspruch so wichtig.

In diesem Brief geht es nicht um Theorie, sondern um eine konkrete politische Frage an die Grünen: Soll Homöopathie künftig noch Teil der medizinischen Versorgung sein – oder politisch zurückgedrängt werden? Und welche Rolle sollen Heilpraktiker und komplementäre Therapien künftig überhaupt noch spielen?

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Jetzt entscheidet sich zum 8. März, ob diese Linie politisch als gesetzt gilt – oder ob es sichtbaren Widerspruch gibt.

Die entscheidende Frage lautet deshalb jetzt:
Läuft diese Politik geräuschlos durch – oder wird sie öffentlich von den Lesern des Homoeopathiewatchblog und Heilpraktiker-Newsblog infrage gestellt?

Wer Homöopathie nicht stillschweigend verlieren will, sollte diesen offenen Brief jetzt unterstützen.
👉 Jetzt unterschreiben und ein politisches Signal setzen:  Link zum offenen Brief

Warum dieser Brief alle betrifft – auch außerhalb von BW

Auch wer nicht in Baden-Württemberg lebt, ist betroffen. Politik arbeitet mit Präzedenzfällen. Krankenkassen und andere Landesregierungen beobachten genau, wo Widerstand entsteht – und wo nicht.

Wenn Baden-Württemberg als Schlüsselbundesland geräuschlos mitgeht, wird diese Politik bundesweit anschlussfähig. Deshalb ist der offene Brief bewusst offen für Unterzeichner aus allen Bundesländern.
👉 Auch außerhalb von BW: Jetzt unterschreiben:  Link zum offenen Brief

Warum dieser offene Brief jetzt wichtig ist

In Baden-Württemberg steht eine gesundheitspolitische Entscheidung an, die faktisch über dieses Bundesland hinausweist. Es geht um die Frage, ob Homöopathie und die Arbeit von Heilpraktikern politisch weiter akzeptiert werden – oder ob sie Schritt für Schritt aus dem Gesundheitssystem gedrängt werden.

Diese Entscheidung fällt nicht in einer großen Abstimmung und nicht durch ein einzelnes Gesetz. Sie fällt leise – und genau deshalb wird sie oft erst bemerkt, wenn sie kaum noch korrigierbar ist.

Wenn politische Leitlinien erst einmal gesetzt sind und niemand widerspricht, gelten sie schnell als Konsens. Dann orientieren sich Krankenkassen, Behörden und andere Bundesländer daran – unabhängig davon, wie viele Patienten Homöopathie tatsächlich nutzen oder wie viele Praxen betroffen sind.

Um genau das nicht einfach geschehen zu lassen, läuft dieser offene Brief.
👉 Jetzt unterschreiben, bevor diese Entscheidung stillschweigend fällt:  Link zum offenen Brief

Worum es in dem offenen Brief geht

Der offene Brief richtet sich an einen konkreten Politiker, zu einem konkreten Zeitpunkt, zu einem konkreten Thema: die Haltung der Grünen zur Homöopathie und zur Rolle von Heilpraktikern im Gesundheitssystem.

Die Frage ist einfach, aber politisch entscheidend:
Soll diese Linie ohne öffentliche Diskussion durchlaufen – oder gibt es Gesprächs- und Korrekturbedarf?

Ein offener Brief ersetzt keine Gesetze und keine Verbände. Aber er zwingt Politik dazu, eine Position öffentlich zur Kenntnis zu nehmen – und nicht stillschweigend durchzuregieren.
👉 Jetzt mit Ihrer Unterschrift sichtbar widersprechen: Link zum offenen Brief

Warum ausgerechnet Baden-Württemberg entscheidend ist

Baden-Württemberg ist kein beliebiges Bundesland. Die Nutzung homöopathischer Behandlungen ist hier hoch, die Zahl der Heilpraktiker groß, die gesellschaftliche Akzeptanz gewachsen.

Vor allem aber kandidiert hier mit Cem Özdemir ein bundesweit bekannter Politiker der Grünen. Seine Haltung wirkt als politisches Signal – weit über Baden-Württemberg hinaus.

Was in Baden-Württemberg akzeptiert wird, gilt politisch als erprobt.
Bleibt hier der Widerspruch aus, wird diese Linie andernorts übernommen – nicht laut, aber konsequent.
👉 Jetzt unterschreiben und zeigen, dass es Widerspruch gibt:  Link zum offenen Brief

Was mit den Unterschriften konkret passiert

Der offene Brief ist keine Petition mit automatischen Rechtsfolgen und kein Kampagneninstrument. Die Unterschriften sind ein politisches Signal.

Sie erfüllen drei konkrete Funktionen:

Erstens:
Sie machen sichtbar, dass es eine relevante Zahl von Patienten, Heilpraktikern, Ärzten und Herstellern gibt, die diese Entwicklung nicht stillschweigend akzeptieren.

Zweitens:
Der offene Brief wird mit den gesammelten Unterschriften formell an Cem Özdemir übergeben und politisch eingeordnet. Und in der Öffentlichkeitsarbeit des Watchblog verwendet.

Drittens:
Antworten, Ausweichmanöver oder Schweigen werden dokumentiert und journalistisch eingeordnet. Das Thema bleibt öffentlich.

Unterschreiben heißt nicht, in allen Punkten einer Meinung zu sein.
Nicht zu unterschreiben heißt, diese Entscheidung anderen zu überlassen.

Der offene Brief bleibt bis Ende Februar offen und wird anschließend übergeben.
👉 Jetzt unterschreiben, solange es noch Wirkung entfalten kann: Link zum offenen Brief

BDH liefert endlich ein wenig – nach Kritik und Handlungsempfehlungen des Heilpraktiker-Newsblog

Der neue Newsletter des BDH liest sich erst im zeitlichen Zusammenhang mit der Berichterstattung im Newsblog. In diesem Kontext wird aus einer sachlichen Gutachten-Zusammenfassung eine erkennbare Reaktion. Der Verband reagiert nicht abstrakt, sondern konkret auf öffentliche Kritik aus dem Newsblog und aus der eigenen Mitgliedschaft.

Die Ausgangslage: Kritik aus dem Heilpraktiker-Newsblog

Im Newsblog wurde früh und deutlich kritisiert, dass der BDH das empirische BMG-Gutachten zwar zur Kenntnis nimmt, es aber nicht in seiner politischen und berufspraktischen Relevanz einordnet. Das Gutachten stand im Raum, während gleichzeitig auf Bundesebene Weichen gestellt wurden, die den Berufsstand faktisch schwächen können. Genau diese Verbindung blieb aus Verbandssicht lange unbeantwortet.

Ein zweiter Kritikpunkt war mindestens ebenso zentral: die fehlende Information für die eigenen Mitglieder. Während Medien, Politik und Kritiker das Gutachten für ihre Narrative nutzten, erhielten Heilpraktiker vom BDH zunächst keine aufbereitete Orientierung. Keine Kurzfassung, keine Materialien für die Praxis, keine Argumentationshilfe für Gespräche mit Patienten.

Diese Kritik war öffentlich, nachvollziehbar und konkret.

Der Newsletter als direkte Reaktion

Der neue BDH-Newsletter reagiert genau auf diese beiden Punkte. Erstens betont der Verband nun ausdrücklich die Bedeutung des Gutachtens für den Berufsstand. Es wird nicht mehr nur erwähnt, sondern als Bestätigung von Relevanz, Verantwortung und Sicherheit gerahmt. Der BDH macht klar: Dieses Gutachten ist Rückenwind. Es ist politisch und gesellschaftlich relevant.

Zweitens liefert der Verband genau das nach, was zuvor fehlte. Poster für die Praxis, Flyer für das Wartezimmer, Downloads, eine vollständige Analyse. Damit stellt der BDH erstmals systematisch Materialien bereit, mit denen Heilpraktiker arbeiten können. Das ist keine Nebensache, sondern eine klare Kurskorrektur. Diese Nachlieferung folgt zeitlich und inhaltlich exakt auf die Kritik des Newsblog sowie auf eine direkte Presseanfrage an den BDH.

Beide Punkte decken sich auffällig präzise mit der vorangegangenen Kritik aus dem Newsblog.

Keine Zufälligkeit, sondern Korrektur

Dass der BDH im Newsletter weder den Newsblog noch die Kritik erwähnt, ändert nichts am Zusammenhang. Verbände reagieren selten explizit auf externe Kritik. Sie reagieren strukturell. Und genau das ist hier zu beobachten.

Der BDH tut jetzt das, was ihm zuvor vorgeworfen wurde zu unterlassen:
Er ordnet ein.
Er informiert seine Mitglieder.
Er liefert nutzbare Werkzeuge für den Praxisalltag.

Das ist kein Zufall, sondern eine sachliche Korrektur.

Aktivwerden statt Abwehr

Bemerkenswert ist nicht, dass der BDH die Kritik nicht zitiert. Bemerkenswert ist, dass er nicht in eine Abwehr- oder Rechtfertigungshaltung gegangen ist, sondern geliefert hat. Keine Relativierung, kein Aussitzen, sondern konkrete Maßnahmen.

Für die Mitglieder zählt am Ende genau das. Nicht, wer zuerst kritisiert hat, sondern ob sich danach etwas ändert.

Was das über Machtverhältnisse sagt

Bemerkenswert ist weniger der Inhalt des Newsletters als sein Timing. Der Verband handelt nicht aus eigenem Impuls, sondern nach öffentlicher Problembenennung und nach Kritik aus der eigenen Mitgliedschaft, wie mir BDH-Mitglieder geschrieben haben. Der Newsblog fungiert hier nicht als Begleitmedium, sondern als Katalysator. Ohne den öffentlichen Druck des Newsblog und seiner Leser hätte der BDH sehr wahrscheinlich nicht oder nicht in dieser Form reagiert.

Das zeigt zweierlei. Erstens: Öffentliche, journalistische Kritik des Newsblog wirkt, auch bei großen Berufsverbänden. Zweitens: Der BDH ist sensibel für Deutungshoheit. Wenn externe Akteure wie der Newsblog beginnen, Lücken sichtbar zu machen, reagiert der Verband, um die Kontrolle über Information und Einordnung zurückzugewinnen.

Wenn Kritik wirkt, ist das ein gutes Zeichen

Der neue BDH-Newsletter zeigt, dass öffentliche, sachliche Kritik Wirkung entfalten kann. Der Verband hat zentrale Punkte aufgegriffen, die zuvor im Newsblog benannt wurden. Das betrifft sowohl die inhaltliche Einordnung des BMG-Gutachtens als auch die praktische Frage, wie Heilpraktiker informiert und arbeitsfähig gemacht werden.

Dass der BDH nun Material bereitstellt, das in Praxen genutzt werden kann, ist kein Detail. Poster und Flyer sind genau das, was gefehlt hat. Sie zeigen, dass der Verband verstanden hat, dass ein Gutachten allein nicht reicht, wenn es im Alltag nicht ankommt.

Signalwirkung für andere Verbände

Diese Reaktion hat über den BDH hinaus Bedeutung. Sie zeigt anderen Verbänden, dass Nichtstun sichtbar wird und dass Handeln honoriert wird. Der Newsblog fungiert hier als eine Art Frühwarnsystem. Er macht Lücken sichtbar, ohne Verbände pauschal anzugreifen.

Wenn daraufhin Bewegung entsteht, ist das im Sinne der gesamten Heilpraktikerschaft.

Der strategische Hebel

Die Reaktion des BDH auf den Newsblog ist eine Bestätigung dieses Ansatzes. Ziel ist nicht Bloßstellung, sondern Aktivierung. Der BDH ist jetzt ein Beispiel dafür, dass dieser Mechanismus funktioniert.

Das ist eine wichtige Geschichte, gerade für Leser, die sich fragen, wozu ein Watch- oder Newsblog überhaupt gut ist.

Fazit

Der BDH-Newsletter ist weniger ein selbständiger Aufschlag als eine Antwort auf journalistische Kritik. Der Newsblog und Mitglieder kritisieren, der BDH liefert nach. Das ist kein Skandal, sondern ein normaler Mechanismus in der Öffentlichkeit.

Für Heilpraktiker ist das eine gute Nachricht. Denn am Ende zählt nicht, wer zuerst spricht, sondern dass Informationen verfügbar sind. Und in diesem Fall lässt sich festhalten: Öffentliche Kritik aus dem Newsblog und aus der Mitgliedschaft hat den BDH in Bewegung gesetzt.


Im Sinne der Transparenz. Hier meine öffentlichen Hinweise ab 14.1.26 an den BDH zum Empirischen Gutachten plus Handlungsempfehlungen in zwei Artikeln (Nummer 1Nummer 2).

Wie eine ehemalige Landesvorständin der homöopathischen Ärzteschaft auf Facebook unterschiedliche Stimmen der Homöopathie zulässt: Watchblog und Arzt-Verband

In der aktuellen Debatte um Homöopathie, politische Wirksamkeit und öffentliche Sichtbarkeit wird häufig darüber gesprochen, wer spricht und wer nicht. Weniger Aufmerksamkeit erhält die Frage, wie Öffentlichkeit organisiert wird – und ob unterschiedliche Positionen nebeneinander stehen dürfen. Ein Beispiel für eine andere Praxis findet sich derzeit auf der Facebookseite einer Ärztin für Homöopathie, die in der ärztlichen Selbstverwaltung aktiv war. Dort werden unterschiedliche Stimmen aus der Homöopathie-Szene parallel sichtbar gemacht: Beiträge des Homoeopathiewatchblogs ebenso wie Inhalte aus dem Umfeld des ärztlichen Verbandes. Nicht zur Bewertung, nicht zur Einordnung, sondern als Angebot an Leser, sich selbst ein Bild zu machen.

Dieses Projekt einer verbandsnahen Ärztin ist auch für Heilpraktiker mit Blick auf deren Verbände interessant („Wie Öffentlichkeitsarbeit auch funktionieren kann“), daher mache ich zusätzlich auch im Heilpraktiker-Newsblog darauf aufmerksam.

Kontinuität über die Amtszeit hinaus

Elisa Jost-Bijlsma ist Ärztin für Homöopathie und war viele Jahre in leitender Funktion (für sechs Jahre – bis August 2025) in der ärztlichen Selbstorganisation aktiv – konkret als Vorstandsmitglied des Landesverbandes homöopathischer Ärzte (BVhÄ Berlin). Sie war nicht Mitglied des Bundesvorstands des DZVhÄ (Red. Hinweis: wie ich zunächst geschrieben hatte), sondern in dem eigenständigen Berliner Landesverband engagiert, der organisatorisch und satzungsrechtlich unabhängig vom Bundesverband arbeitet. Sie hat ihre Facebookseite bereits in dieser Zeit in vergleichbarer Weise genutzt. Auch damals fanden sich dort Verweise auf unterschiedliche Positionen, Texte und Akteure, ohne dass diese redaktionell eingeordnet oder entlang einer Verbandslinie sortiert wurden.

Konkrete Beispiele aus der laufenden Praxis

Konkret zeigt sich diese Offenheit darin, dass auf der Facebookseite Beiträge aus sehr unterschiedlichen Kontexten nebeneinander erscheinen. Verlinkt werden Texte des Homoeopathiewatchblogs ebenso wie offizielle Mitteilungen oder Stellungnahmen aus dem Umfeld des DZVhÄ. Daneben finden sich Hinweise auf externe Artikel, Diskussionsbeiträge aus der Gemeinschaft der Ärzte und Heilpraktiker sowie Kommentare anderer Akteure, die nicht derselben Linie folgen müssen. Eine erkennbare Vorauswahl im Sinne von „pro“ oder „contra“, „verbandsnah“ oder „kritisch“ ist nicht zu beobachten.

Auffällig ist dabei weniger der einzelne Inhalt als die Entscheidung, diese Inhalte nicht zu hierarchisieren. Beiträge des Watchblogs stehen gleichberechtigt neben Verbandspositionen, ohne kommentiert, relativiert oder eingeordnet zu werden. Es gibt keine redaktionelle Klammer, keine Zusammenfassung und keinen Versuch, Widersprüche aufzulösen. Diese Form der Veröffentlichung ist kein neues Experiment, sondern setzt eine Praxis fort, die bereits während der Zeit im Verbandsvorstand sichtbar war.

Ein deutlicher Unterschied zur klassischen Verbandskommunikation

Damit unterscheidet sich diese Praxis deutlich von klassischer Verbandskommunikation. Dort wird Öffentlichkeit häufig als etwas verstanden, das kontrolliert, abgestimmt und geschlossen auftreten muss – aus Sorge vor inneren Konflikten oder politischer Angreifbarkeit. Die hier sichtbare Form verzichtet bewusst auf diese Logik. Sie setzt nicht auf Einhegung, sondern auf Offenheit. Nicht die Vermeidung von Widerspruch steht im Vordergrund, sondern dessen Sichtbarkeit. Das ist kein Zeichen von Beliebigkeit, sondern Ausdruck einer anderen Vorstellung davon, wie Öffentlichkeit funktionieren kann.

Warum das gerade jetzt auffällt

Dass diese Form von Öffentlichkeit gerade jetzt auffällt, ist kein Zufall. In einer Phase, in der Verbände und Initiativen unter Druck stehen, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, verengt sich Kommunikation häufig auf das politisch Verwertbare. Abweichende Perspektiven gelten dann schnell als störend. Vor diesem Hintergrund wirkt eine Plattform, die unterschiedliche Stimmen sichtbar lässt, nicht spektakulär – aber bemerkenswert. Sie markiert einen Kontrast zu einer zunehmend defensiven Kommunikationskultur.

Dass Texte des Watchblogs in diesem Kontext ebenso Platz finden wie Verbandspositionen, ist dabei Ausdruck von Öffentlichkeit im ursprünglichen Sinn des Journalismus: Sagen was ist. Alle zu Wort kommen lassen. Der Leser kann sich mit unterschiedlichen Informationen selbst ein Bild machen.

Links

Facebook-Seite von Elisa Jost-Bijlsma:
👉 https://www.facebook.com/elisa.jostbijlsma.7

Angaben zu Ausbildung, Werdegang und Praxis:
👉 https://www.elisajost.de/Vita/

„Abstimmung mit Füßen:“ Heilpraktiker, Ärzte und Patienten eröffnen jetzt die Debatte über Verbände und Hersteller – und die Folgen der Schweigsamkeit

Über Wochen war die Diskussion um die Rolle der Heilpraktiker-Verbände und der Hersteller homöopathischer Arzneimittel vor allem eines: still. Stellungnahmen blieben aus, Reaktionen verlagerten sich in interne Kommunikationskanäle oder fanden gar nicht statt. Inzwischen zeigt sich jedoch eine Veränderung. Leser des Homoeopathiewatchblogs und des Heilpraktiker-Newsblogs beginnen, sich öffentlich zu äußern – mit Namen, mit Haltung und mit klaren Erwartungen.

Kommentare aus den vergangenen Tagen markieren diesen Punkt. Sie stammen von Patienten, Heilpraktikern und Ärzten. Gemeinsam ist ihnen, dass Verantwortung nicht mehr abstrakt verortet wird, sondern konkret: bei Verbänden und bei Herstellern.

Patienten benennen Versäumnisse der Interessenvertretung

Thomas Wegmann beschreibt sich als langjährigen Nutzer homöopathischer Arzneimittel. Seine persönliche Zufriedenheit mit den Ergebnissen verbindet er mit scharfer Kritik an den berufsständigen Verbänden. Er schreibt, er sei „entsetzt zu sehen, wie die sog. berufsständigen Verbände die Probleme – schon seit vielen Jahren, aber insbesondere in den letzten Wochen – ignorieren, totschweigen, sich hinter Plattitüden verstecken und so tun, als sei alles in Ordnung“.

Wegmann zieht daraus eine klare Konsequenz. Wäre er Mitglied eines solchen Verbandes, würde er „mit sofortiger Wirkung austreten“. Er schreibt: „Aber vielleicht wacht der eine oder andere ja noch rechtzeitig auf, bevor er wegen Passivität von der Bildfläche verschwindet (Abstimmung mit den Füßen ist ja manchmal ganz hilfreich).“ Ein Berufsverband, der seine Mitglieder nicht transparent, engagiert und offensiv in der öffentlichen Debatte vertrete, habe aus seiner Sicht „eine Existenzberechtigung verwirkt“.

Schweigen wird nicht länger als Neutralität gelesen

In eine ähnliche Richtung argumentiert Tiziana Lago-Schaaf. Sie beschreibt die aktuelle Situation als verpasste Chance. Die Debatte hätte aus ihrer Sicht genutzt werden können, um Mitglieder umfassend zu informieren und zu vertreten. Stattdessen entstehe der Eindruck, „wir sind Schafe, die von oben geführt werden wollen“.

In einem weiteren Kommentar präzisiert sie diesen Punkt. Zwar arbeiteten viele Vorstände ehrenamtlich und zusätzlich zu ihrer täglichen Arbeit, dennoch müsse es Transparenz geben. Als Mitglied fühle man sich „nicht wirklich unterstützt und vertreten“. Dass viele Heilpraktiker keinem Verband beiträten, wundere sie deshalb nicht.

Kritik kommt auch aus der Ärzteschaft

Auch Dr. Michael Blum, Arzt, meldet sich in den Kommentaren zu Wort. Er bedankt sich ausdrücklich für die journalistische Arbeit zur „Wahrung unserer großartigen Heilmethode vor den Dampfwalzen der Pharma-Giganten“ und für die Offenlegung von Hintergründen. Wenn sich Verbände durch ehrlichen Journalismus und berechtigte Kritik angegriffen fühlten, hätten sie aus seiner Sicht „ihre Aufgabe nicht verstanden“.

Blum formuliert damit einen Anspruch, der über Standesgrenzen hinausweist: Interessenvertretung bedeute nicht Abschottung, sondern Auseinandersetzung mit öffentlicher Kritik.

Auch innerhalb der Heilpraktikerschaft wächst die Selbstkritik

Frank Ulbrich beschreibt ein strukturelles Problem innerhalb der Szene. Viele wollten „in ihrer Heile-Welt-Blase bleiben und nicht gestört werden“. Das betreffe nicht nur einzelne Heilpraktiker, sondern auch deren Verbände. Der Glaube, man könne Konflikte aussitzen, sei weit verbreitet – und zugleich riskant. Als einzige Ausnahme wird der aktive Verband DDH/FDH gelobt, u.a. von Peter-Alexander Wiume.

Die Frage nach den Herstellern wird öffentlich gestellt

Bernd Weiss erweitert die Debatte um eine weitere Ebene. Er fragt offen, warum die Hersteller homöopathischer Arzneimittel so still seien, obwohl sie doch ein zentrales wirtschaftliches Interesse am Erhalt ihrer Produkte haben müssten. Normalerweise, so Weiss, seien Interessenvertretungen in vergleichbaren Fragen sehr präsent.

Sein Vergleich mit ärztlichen Organisationen ist bewusst gewählt. Warum funktioniere Interessenvertretung dort sichtbar, hier aber nicht? Ob er mit dieser Einschätzung falsch liege, fragt Weiss ausdrücklich – und stellt damit eine Frage, die bislang kaum öffentlich gestellt wurde.

Evers: Passivität stärkt die Gegenseite

Ralf Massanes Evers, dessen Fragen an  Heilpraktikerverbände im Watchblog dokumentiert wurden, ordnet die Schweigsamkeit strategisch ein. Seine Kritik richtet sich weniger an einzelne Personen als an die Wirkung nach außen. Wer in einer Phase zunehmender Angriffe nicht sichtbar kommuniziere, überlasse das Feld anderen.

Zwischen den Zeilen wird deutlich, was mehrere Kommentatoren teilen: Passivität ist keine neutrale Haltung. Sie hat Folgen.

Eine Debatte von unten – mit Namen und Haltung

Auffällig an all diesen Kommentaren ist nicht nur ihr Inhalt, sondern ihre Form. Die Autoren nennen ihre Namen, schildern ihre Perspektiven und formulieren Erwartungen. Patienten, Heilpraktiker und Ärzte beginnen, öffentlich auszusprechen, was lange intern blieb.

Damit verschiebt sich die Debatte. Sie wird nicht mehr allein durch Presseanfragen oder politische Entscheidungen bestimmt, sondern zunehmend durch Stimmen aus der Basis. Verbände und Hersteller stehen damit vor einer neuen Situation: Nicht nur Journalisten stellen Fragen. Die eigenen Mitglieder und Patienten tun es ebenfalls.

Ob und wie darauf reagiert wird, bleibt offen. Sichtbar ist jedoch bereits jetzt: Das Schweigen wird wahrgenommen – und es wird nicht mehr widerspruchslos akzeptiert.

Jetzt stellt auch ein Heilpraktiker und Homöopath öffentlich Fragen an die Verbände – hier die Fragen von Ralf Massanés Evers im Watchblog und Newsblog

Start einer neuen Serie: „Stimmen aus der Praxis – die im Watchblog Gehör finden“

In den vergangenen Wochen haben vor allem Journalisten Fragen an Verbände der Heilpraktikerschaft und der Homöopathie gestellt: nach Sichtbarkeit, nach politischer Wirksamkeit, nach öffentlicher Kommunikation.

Nun beginnen auch Heilpraktiker selbst, diese Fragen öffentlich zu formulieren – und sie nutzen dafür Watchblog und Newsblog als Plattform.

Der folgende Text von Ralf Massanés Evers, Heilpraktiker aus Burghausen in Bayern, steht aus meiner Sicht exemplarisch für eine wachsende Zahl von Heilpraktikern, die nicht mehr nur intern diskutieren, sondern öffentlich fragen, wer in ihrem Namen spricht – und wie.

Der Text ist kein Kampagnenbeitrag, keine Abrechnung und kein Aufruf. Er ist die Stimme eines erfahrenen Heilpraktikers aus der Praxis, der beschreibt, was viele im Berufsstand seit Jahren wahrnehmen: eine wachsende Kluft zwischen den Erwartungen der Mitglieder und der öffentlichen Rolle ihrer Verbände.

Ich veröffentliche diesen Beitrag bewusst ausführlich und ohne inhaltliche Kommentierung. Ich hebe ihn aus der Kommentarspalte in einen eigenen Artikel, damit er mehr Leser erreicht, als dies im Kommentarbereich möglich wäre.

Und ich möchte Heilpraktikern, Ärzten für Homöopathie und Patienten Mut machen: „Öffentlich fragen ist erlaubt.“

Der Text macht deutlich: Die Debatte über Verantwortung, Öffentlichkeit und politische Präsenz wird nicht von außen aufgezwungen. Sie entsteht aus dem Inneren des Berufsstands selbst.

Dieser Beitrag markiert den Beginn einer neuen Serie „Stimmen aus der Praxis“.
In dieser Reihe im Watchblog und Newsblog (Reichweite: 1 Million Seitenaufrufe pro Jahr) schildern Heilpraktiker, Ärzte und andere Akteure ihre Perspektiven auf Öffentlichkeit, PR und politische Kommunikation – und darauf, was sie von Verbänden erwarten und wo sie Lücken wahrnehmen.
Interessierte können sich gern bei mir melden. Weitere Beispiele sind bereits erschienen, etwa der internationale Weckruf der Ärztin für Homöopathie Dr. Yogita Loya an die deutsche Homöopathie-Gemeinschaft (Link).

Gastbeitrag (aus einem Kommentar) von Ralf Massanés Evers, Heilpraktiker, 31.01.2026, Homoeopathiewatchblog

Zur Person

homöopathie
Ralf Massanés Evers, Heilpraktiker/ Foto: privat

Ralf Massanés Evers (Jahrgang 1963) studierte Pädagogik (Köln), Rechtswissenschaften (Heidelberg) und Biologie (Diplom, Autonome Universität Barcelona).
Er arbeitete mehrere Jahre feldbiologisch auf vier Kontinenten und leitete internationale Umweltstiftungen.
Nach einer Ausbildung zum Heilpraktiker absolvierte er die klassische Homöopathie an der Akademie für Homöopathie in Gauting.
Er ist European Homeopathic Degree-zertifiziert (EUH) und seit vielen Jahren kontinuierlich fortgebildet.
Seit 2010 führt er eine Praxis für klassische Homöopathie und ist langjährig im Kompetenzzentrum für Homöopathie in Traunstein engagiert, unter anderem im Arbeitskreis klassische Homöopathie und in der Tumorkonferenz. (Quelle: Website von Herrn Massanés Evers)

Sein Kommentar und seine Fragen an die Verbände:

1. Enttäuschung über die Rolle der Verbände

„Ich arbeite seit vielen Jahren als klassischer Homöopath und bin sehr enttäuscht, dass in einer Zeit (die schon sehr lange vorherrscht), in der die Homöopathie massiv angegriffen und deskreditiert wird (alle Medien steigen auf, aber niemand recherchiert sauber, um nicht immer die einseitigen und fehlerhaften Aussagen zu verbreiten, die GWUP und andere Gruppierungen ihnen vorgeben, was ein Armutszeugnis der journalistischen Arbeit ist und es geht durch alle Medien – das kann man schon seit sehr langer Zeit beobachten, leider nicht nur in der Berichterstattung über Homöopathie), die Verbände, welche uns vertreten und politisch aktiv sein und als Lobbyisten unsere Interessen auf der politischen Ebene vortragen und verteidigen sollten, sich nur auf ihren Lorbeeren ausruhen und kein Interesse haben, sich zu vereinen und ihre Stärke nutzen, um sich für unseren Beruf stark zu machen, in der Öffentlichkeit und bei den Parteien, die momentan eine Richtung einschlagen, die sie nur aufgrund von einseitiger Information und Bearbeitung vorgezeigt bekommen, ohne durch unsere Verbände eine Richtigstellung und Weichenstellung als Alternative zu erhalten.“

2. Drei konkrete Fragen an die Verbände

„Sind die Verbände einfach nur zu gemütlich geworden?
Warum stellen sie keine ungemütlichen Fragen?
Wieso sind sie nicht in Kontakt mit allen politischen Parteien, damit unsere Therapieformen weiterhin die Stellung einnehmen, die sie verdienen?“

3. Internationale Vergleiche und fehlender Rückhalt in Deutschland

„In anderen Ländern ist klassische Homöopathie Teil der GKV und genießt eine große Anerkennung durch die Bevölkerung, wird verteidigt und durch Volksentscheide legitimiert und in Deutschland, dem Land, in dem die Homöopathie von Samuel Hahnemann begründet wurde, gibt es keinen Rückhalt, nicht einmal durch die Verbände, die sich „klassische Homöopathie“ in ihre Namen schreiben und genügend Ressourcen hätten, um ihre Lobbyarbeit durchzuführen.

Wir sind diejenigen, die sie finanzieren und erwarten deshalb, dass sie unsere Beiträge dafür nutzen, um für uns zu kämpfen, damit wir weiterhin unsere hochwirksamen Medikamente als solche verschreiben können und damit unsere Patienten weiterhin mit Sicherheit uns aufsuchen, weil wir einen großen Teil der medizinischen Versorgung dieses Landes darstellen und uns nicht weigern, mit unseren Kollegen aus der Schulmedizin zu kooperieren, wenn es erforderlich ist, um den Patientinnen und Patienten die bestmögliche medizinische Versorgung zu geben.“

4. Öffentlichkeit als letzte verbleibende Option

„Ich bin enttäuscht, aber das ist schon lange so, und ich freue mich, dass es Journalisten wie Christian Becker gibt, die sich für unsere Arbeit, unsere Medikamente und unsere Therapien einsetzt, der analysiert, der kommentiert und der Klarheit verschafft über das, was gerade auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen passiert, um unsere hochwertige medizinische Arbeit auf sehr empfindlicher Ebene zu schaden.

Der Prozess, wie schon erwähnt, hat vor vielen Jahren begonnen, aber mittlerweile steht unser Beruf auf der Kippe, die ärztlichen Kollegen haben die Möglichkeit der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ schon in fast allen Bundesländern verloren, unwiderruflich, und keiner hat dagegen gekämpft, jetzt geht es weiter mit der Diskreditierung der Heilpraktiker durch Akteure wie Böhmermann und keiner schreit, nur wenige der Betroffenen werden aktiv und schreiben Politikern und anderen gesellschaftlich relevanten Personen, um Einfluss zu nehmen und die Unwahrheiten zu widerlegen, die durch ewige Wiederholung wie Gebetsmühlen zum vorherrschenden Narrativ geworden sind.

Aber es sind Lügen und nur durch unsere Öffentlichkeitsarbeit können wir erreichen, dass die Wahrheit wieder hergestellt wird. Wir sind ca. 50.000 Heilpraktiker (ich auch), wir versorgen ca. 29.000.000 Patientinnen und Patienten jährlich, wir sind ein großer Teil unseres Gesundheitswesen, wir sind fachlich kompetent und kooperieren mit unseren ärztlichen Kollegen immer, wenn es notwendig ist und so soll es auch weiterhin sein. Hand in Hand für unsere Patientinnen und Patienten arbeiten und ihnen die bestmöglichen medizinischen Optionen geben, die sie freiwillig und ohne Einschränkungen wählen können.“

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Ihr
Christian J. Becker
Gesundheitsjournalist, Blogger

Aktiv für die Homöopathie und Heilpraktiker seit 2018
mit dem Heilpraktiker-Newblog und dem
Homoeopathiewatchblog.de – Haltung. Fakten. Öffentlichkeit für die Homöopathie und Heilpraktiker

Reaktion eines Anwalts auf Berichterstattung zur Gesamtkonferenz im Heilpraktiker-Newsblog

Als Journalist und Aktivist für Homöopathie und Heilpraktiker habe ich häufig mit Drohungen von Anwälten der Skeptiker und Anti-Homöopathie-Lobby zu tun, wenn ich Fragen an die Anti-Lobby richte. Hier ein Beispiel (Link). Seit heute habe ich es auch mit dem Anwalt eines Heilpraktiker-Verbandes zu tun, weil ich Fragen zum Thema Gesamtkonferenz gestellt habe. Hier die Details:

Im Rahmen der Berichterstattung zur Gesamtkonferenz Deutscher Heilpraktikerverbände im Newsblog ist eine Reaktion eingegangen, die weniger den inhaltlichen Kern der Berichterstattung betrifft als den Umgang mit journalistischer Einordnung selbst.

Der Newsblog, der öffentlich zugängliche Informationen zu Struktur, Mitgliedschaft und Arbeitsweise der Gesamtkonferenz dokumentiert, erhielt am 29.1. ein Schreiben eines Anwaltes.

Hinweise auf eingeschränkte Verwendung

Die Reaktion des Anwalts bezog sich auf die mögliche Verwendung von Textpassagen im Rahmen der Berichterstattung im Heilpraktiker-Newsblog über das Thema Gesamtkonferenz.

In der Nachricht wurde darauf hingewiesen, dass eine Verwendung von bestimmten Textpassagen nicht gewünscht sei. Der Anwalt ging noch weiter und untersagte die Verwendung von speziellen Textpassagen im Zusammenhang mit der Berichterstattung zur Gesamtkonferenz.

Der Anwalt betonte ausserdem, dass er die Berichterstattung im Newsblog permanent durch einen Anwalt beobachten und auswerten lasse.

Journalistische Einordnung

Als Journalist kenne ich solche Versuche von Anwälten, Journalisten bedrohen und Berichterstattung unterbinden zu wollen. Der Verweis auf juristische Vorbehalte verändert den Rahmen der Kommunikation zur Gesamtkonferenz deutlich. An die Stelle einer inhaltlichen Auseinandersetzung tritt eine formaler Begrenzungsversuch der Berichterstattung zur Gesamtkonferenz durch einen Anwalt. Dies ist eine beobachtbare Verschiebung der Kommunikationsebene und ist als versuchte Unterdrückung von Berichterstattung zu werten.

Einordnung im Kontext

Diese Form der Reaktion steht nicht für sich allein. In den vergangenen Tagen sind im Zusammenhang mit der Gesamtkonferenz wiederholt Antworten eingegangen, die auf eine inhaltliche Bewertung verzichten, Sachfragen offenlassen oder Diskussionen aus dem öffentlichen Raum herausnehmen.

Die hier gewählte juristische Tonlage stellt eine weitere Variante dieser Zurückhaltung dar. Sie ersetzt keine inhaltliche Klärung, sondern macht deren Ausbleiben sichtbar.

Bedeutung für Heilpraktiker

Für Heilpraktiker, die sich für die Arbeitsweise, Struktur und öffentliche Rolle der Gesamtkonferenz interessieren, ist auch diese Form der Reaktion relevant. Nicht wegen ihres Inhalts, sondern wegen der Art, wie mit Transparenzanfragen umgegangen wird.

Wenn Fragen nicht sachlich beantwortet, sondern mit formalen Vorbehalten versehen werden, ist dies Teil der öffentlichen Wirklichkeit, die dokumentiert werden kann.

Fazit

Die vorliegende Reaktion zeigt, dass der Umgang mit journalistischer Öffentlichkeit von einzelnen Akteuren im Umfeld der Gesamtkonferenz als sensibel wahrgenommen wird.

Zur sachlichen und rechtlichen Einordnung wurden die dokumentierten Reaktionen sowie öffentlich zugängliche Informationen zur Gesamtkonferenz und zu beteiligten Verbänden der Prüfung durch meinen Anwalt zugeführt, der den Vorgang jetzt übernimmt.

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Juristische Einordnung: Grenzen legitimer Einflussnahme auf Berichterstattung

Die Pressefreiheit ist durch Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG (Pressefreiheit) umfassend geschützt. Sie umfasst Recherche, Auswahl, Bewertung sowie die Dokumentation von Reaktionen – auch dann, wenn Akteure eine Stellungnahme verweigern oder deren Verwendung nicht wünschen.

Problematisch kann eine Einflussnahme dort werden, wo sie nicht mehr auf Rechtsklarheit, sondern auf Abschreckung zielt. Im Grenzbereich relevant ist hier § 826 BGB (vorsätzliche sittenwidrige Schädigung). Darunter fallen Konstellationen, in denen bewusst ein Einschüchterungseffekt erzeugt wird, ohne eine konkrete Rechtsverletzung zu benennen, mit dem Ziel, Berichterstattung zu verhindern. Indizien können sein: das betonte Auftreten unter juristischem Titel, pauschale Verbote der Berichterstattung oder die Forderung nach Freigaben ohne Rechtsgrundlage. Dies kann bei wiederholtem oder systematischem Vorgehen rechtlich Bedeutung erlangen.

Strafrechtlich relevant wäre Einflussnahme bei Nötigung (§ 240 StGB), also bei Drohung mit einem empfindlichen Übel.

Leser fragen: Spaltet der Watchblog/Newsblog die Homöopathie und Heilpraktiker? Ist der Blogger „hyperaktiv“?

Journalisten und Verbände haben eine gemeinsame Eigenschaft:
Sie arbeiten öffentlich. Und öffentliche Arbeit muss sich bewerten lassen.

Weder Journalismus noch Verbandsarbeit sind sakrosankt. Wer sichtbar wirkt, muss Kritik aushalten, einordnen und beantworten. Das gilt für mich als Journalist genauso wie für Verbände, Vorstände oder Kampagnenakteure. Deshalb stelle ich mich den Fragen der Leser, die mich in den vergangenen Tagen erreicht haben.
Ein Unterschied zwischen mir und vielen Verbänden liegt allerdings offen zutage: Während ich antworte, bleiben zahlreiche Verbände auf konkrete Anfragen stumm. Oder sie setzen ihren Anwalt auf den Heilpraktiker-Newsblog wegen dessen Fragen zur Gesamtkonferenz an, wie am 29.1. geschehen (hier finden Sie Details).

Zwei Fragen tauchen dabei immer wieder auf.

Führt der Watchblog einen „Krieg“ gegen Verbände? Spaltet er die Homöopathie?

Die kurze Antwort lautet: nein.

Der Watchblog führt keinen Krieg gegen Verbände. Er kritisiert Verbände nicht aus Lust am Konflikt. Was er tut, ist etwas anderes: Er fragt öffentlich nach Wirkung, Sichtbarkeit und Verantwortung – dort, wo Verbände selbst den Anspruch erheben, für Heilpraktiker oder die Homöopathie zu sprechen.

Kritik an Verbänden ist keine Spaltung, sondern ein elementarer Bestandteil von Öffentlichkeit. Öffentlichkeit ist eine der zentralen Stärken unserer demokratischen Gesellschaft.
Spaltung entsteht nicht durch Fragen, sondern durch das Ausbleiben von Antworten.

Wer sagt: „Bitte kritisiere die Verbände nicht, das schwächt uns“, verwechselt Einheit mit Schweigen. Einheit entsteht nicht dadurch, dass man Probleme ausblendet, sondern dadurch, dass man sie offen bearbeitet. Gerade in einer Phase, in der Homöopathie politisch, medial und regulatorisch unter Druck steht, ist Transparenz kein Risiko, sondern Voraussetzung.

Der Watchblog stellt keine Lager gegeneinander. Er klärt Rollen. Verbände, die öffentlich auftreten, müssen erklären, was sie tun – und ebenso, was sie nicht tun. Viele Verbände sind eingetragene Vereine und unterliegen damit einer gesetzlichen Transparenzpflicht. Das ist kein Angriff, sondern ein Mindeststandard demokratischer Öffentlichkeit.

Ein weiterer, oft übersehener Aspekt: Verbände wie BDH, VKHD oder DZVhÄ vertreten Heilpraktiker und Ärzte. Mit diesen Therapeuten sind aber auch Patienten verbunden, die ein berechtigtes Interesse daran haben zu erfahren, warum Verbände auf Angriffe gegen Homöopathie, Heilpraktiker und Patienten öffentlich nicht reagieren.

Am Ende finanzieren Patienten über die Praxen auch die Verbandsstrukturen.
Und Patienten haben ein Recht auf Fragen – und auf Antworten.

Zumal Verbände, die für sich in Anspruch nehmen, Heilpraktiker, Ärzte und Patienten zu vertreten, über erhebliche Budgets verfügen, mit denen politische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit möglich wären (BDH über eine Million Euro, DZVhÄ rund 1,3 Millionen Euro laut Angaben gegenüber dem Bundestag).

Ist der Blogger „hyperaktiv“, weil er mehrere Artikel am Tag veröffentlicht?

Auch hier lautet die Antwort: nein.

Was von außen wie Hektik wirken kann, ist in Wahrheit journalistische Normalarbeit. Wenn sich die Nachrichtenlage verdichtet – Böhmermann, Grüne, Kanzleramt, Empirisches Gutachten, Verbandsreaktionen –, dann entstehen mehrere Texte. Nicht aus Nervosität, sondern weil Ereignisse zeitnah eingeordnet werden müssen.

Und ein weiterer Punkt ist entscheidend: Wenn der Watchblog darüber nicht berichtet, berichtet oft niemand darüber. Die Themen verschwinden nicht, sie wirken weiter – nur unbeobachtet und ohne Einordnung für die Homöopathie-Gemeinschaft.

Journalisten lernen genau das: recherchieren, einordnen, schreiben.
Ein druckreifer journalistischer Text von einer DIN-A4-Seite in kurzer Zeit ist kein Zeichen von Überdrehtheit, sondern von Ausbildung, Berufserfahrung und Routine.

Kein Therapeut würde auf die Idee kommen, einen erfahrenen Homöopathen, der etwa mit der Banerji-Herangehensweise in kurzer Zeit präzise arbeiten kann, als „hyperaktiv“ zu bezeichnen. Auch hier gilt: Was für Außenstehende nach Tempo aussieht, ist für Fachleute schlicht Kompetenz und Übung.

Überträgt man die eigene Beziehung zu Texten auf jemanden, der beruflich mit Texten arbeitet, entsteht leicht ein falscher Eindruck. Journalisten produzieren Text so, wie andere Diagnosen stellen oder Therapien durchführen – weil sie es gelernt haben und täglich anwenden.

Es ist eine Frage der Perspektive

Kein Therapeut würde einen Kollegen aus dem eigenen Fach für effizientes, professionelles Arbeiten pathologisieren. Erst der Blick von außen macht Produktivität zu „Hyperaktivität“.

Deshalb ist die entscheidende Frage nicht, wie viele Texte erscheinen, sondern:
Sind sie sachlich? Sind sie überprüfbar? Sind sie relevant?

Genau daran lasse ich meine Arbeit messen.

Fazit

Der Watchblog spaltet nicht. Er fragt.
Er greift nicht an. Er ordnet ein.
Und er arbeitet nicht hektisch, sondern journalistisch.

Öffentlichkeit lebt davon, dass Arbeit sichtbar gemacht, hinterfragt und bewertet wird. Das gilt für Journalisten genauso wie für Verbände.

Wer Homöopathie und Heilpraktiker in einer schwierigen Zeit stärken will, sollte diese Unterscheidung nicht als Bedrohung begreifen, sondern als Chance.

Anfrage des Newsblog, was Gesamtkonferenz leistet: Erster Verband nimmt Stellung – HBB verteidigt GK nicht / Anzeige beim Bundestag

Als ich die Mitgliedsverbände der Gesamtkonferenz Deutscher Heilpraktikerverbände und Fachgesellschaften (GK) am 28.1. um Auskunft bat, war klar: Es geht um mehr als Verwaltung. Ich wollte wissen, wie strukturiert, transparent und wirksam dieser Zusammenschluss wirklich ist – gerade in Situationen, in denen Medien und Politik den Berufsstand herausfordern.
Mein Artikel „Wer ist für Heilpraktiker aktiv, wenn es in Medien und Politik ernst wird?“ zeigte: Während Blogs öffentlich informieren und Orientierung bieten, lässt sich von der Gesamtkonferenz öffentlich kaum etwas nachweisen.

Jetzt reagiert der Heilpraktiker Betreuungsbund (HBB) am 29.1. als erster der angeschriebenen Verbände, die laut GK-Website Mitglied sind, auf eine konkrete Anfrage zur Rolle der Gesamtkonferenz. Und die Reaktion sagt mehr aus, als die Antwort selbst.

Keine Antwort auf die Fragen – und keine Verteidigung der Gesamtkonferenz

In meiner Anfrage hatte ich unter anderem gefragt:
-Besteht eine formelle Mitgliedschaft Ihres Verbandes in der Gesamtkonferenz?
– Gibt es Satzungen, Einladungen und Protokolle?
– Welche Aktivitäten zu Öffentlichkeitsarbeit oder politischer Kommunikation gibt es?
– Und wie bewertet Ihr Verband seine Mitgliedschaft?

Die Antwort des HBB lautete am 29.1. knapp:

„Ich sehe allerdings keinen Anlass für eine Diskussion im Rahmen der Beantwortung Ihrer aufgelisteten Fragen. Einige Fragen beantworten sich von selbst bei genauer Einblicknahme in die Webseite der ‚Gesamtkonferenz‘.“

Was an dieser Formulierung auffällt, ist nicht nur das Ausweichen bei konkreten Punkten, sondern vor allem, was nicht gesagt wird:

Der HBB verteidigt die Gesamtkonferenz nicht, weder indirekt noch inhaltlich. Er verweigert eine inhaltliche Beantwortung der Fragen, statt Positionen zu beziehen.

Das mag auf den ersten Blick höflich oder formal wirken – in der journalistischen Praxis ist es jedoch eine Aussage:
Wenn ein Mitgliedsverband der Gesamtkonferenz diese nicht verteidigt, sobald Transparenz gefragt ist, lässt sich das journalistisch nicht als Zeichen von Stärke lesen, sondern als Ausdruck von Unsichtbarkeit.

Was der Vergleich mit Blogs zeigt

Mein Vergleichsartikel stellte der Gesamtkonferenz und ihrem Anspruch, für rund 47 000 Heilpraktiker zu sprechen, ein einfaches Kriterium gegenüber: Was ist öffentlich sichtbar und nachvollziehbar dokumentiert?

Ergebnis in zwei relevanten Fällen:

Grüner Bundesparteitag (28. 11. 2025)
Watchblog und Newsblog berichteten zeitnah, ordneten ein und boten praktische Reaktionsmöglichkeiten an.
Bei der Gesamtkonferenz waren keine öffentlichen Stellungnahmen oder Aktivitäten zu finden.

ZDF-Magazin Royale (19. 12. 2025)
Blogs lieferten Analyse, Einordnung und Medienrechtswege.
Die Gesamtkonferenz hatte keine öffentlich dokumentierten Reaktionen oder Interventionen.

Dieser Vergleich verzichtet auf Motive oder innere Prozesse. Er misst ausschließlich, was öffentlich sichtbar ist – was für Heilpraktiker als Basis für Orientierung und politisches Handeln entscheidend wäre.

Warum das Schweigen selbst relevant ist

Dass der HBB erklärt, keine der Fragen beantworten zu wollen, und dabei gleichzeitig nicht erklärt, warum oder wie er die Gesamtkonferenz bewertet, lässt zwei Schlussfolgerungen zu:

Der Verband nimmt keine öffentliche Verteidigung der Gesamtkonferenz vor. Er weist nicht darauf hin, dass die Gesamtkonferenz wichtig oder aktiv sei. Er übernimmt auch keine öffentliche Kritik oder Distanz. Er verweigert sich der Debatte.

Beides zusammen ist interessant: Es zeigt, wie ein Mitgliedsverband wie der HBB sich in einer Struktur verhält, die für Öffentlichkeit, Politik und Sichtbarkeit verantwortlich zeichnen will, aber weder verteidigt noch erklärt wird.

Fazit

Der HBB ist als Mitgliedsverband nicht bereit, öffentlich für die Gesamtkonferenz einzutreten oder ihre Relevanz aktiv zu begründen, wenn Transparenz gefragt ist.

In einer Zeit, in der Information, Einordnung und Beteiligung für Heilpraktiker in Politik und Medien entscheidend sind, wird deutlich: Eine reine Struktur ohne öffentlich nachvollziehbare Wirkung bleibt wirkungslos.

Wie sieht sich die Gesamtkonferenz selbst

und wie definiert sie ihre Tätigkeiten gegenüber dem Bundestag (Link)? Die GK ist im Lobbyregister des Bundestages eingetragen. Auszüge und Zitate der GK in der Selbstbeschreibung gegenüber dem Bundestag:
„Wir treten ein für den Heilpraktikerberuf…“,
„Unsere Gemeinschaft von Berufs- und Fachverbänden erarbeitet in verschiedenen Expertengremien Konzepte für die zukunftsfähige Gestaltung des Heilpraktikerberufes…“,
„Wir suchen das Gespräch mit Politikerinnen und Politikern sowie mit Beamtinnen und Beamten insbesondere aus dem Gesundheitsbereich, um über unseren Berufsstand zu informieren und die oftmals komplexe Rechtslage darzustellen.“
„Gesamtzahl der Mitglieder: 39 Mitglieder am 04.07.2025, ausschließlich juristische Personen, Personengesellschaften oder sonstige Organisationen“.
„Die Interessenvertretung wird nicht im Auftrag ausgeübt.“

Diese Selbstdarstellung der GK habe ich der Website des Bundestages entnommen.


Rechtlich ist dieser Satz interessant für die Gesamtkonferenz:

„Die Interessenvertretung wird nicht im Auftrag ausgeübt.“ Dieser Satz entstammt der Selbstauskunft der GK auf Bundestag.de. Denn die GK dürfte laut Selbstauskunft beispielsweise nicht im Auftrag des BDH-Präsidenten oder weiterer Personen handeln. Ansonsten muss das von der GK gegenüber dem Bundestag angezeigt werden.

Oder andere übernehmen diesen Hinweis beim Bundestag.


Presseanfrage an die Leitung der Gesamtkonferenz

Um das Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten, habe ich der Leiterin der GK, Elvira Bierbach die Möglichkeit eröffnet, sich zu äußern. Frau Bierbach hat eine Doppelfunktion: Sie ist Leiterin der GK und Beirat BDH. Laut Bundestag.de ist Christian Blumbach, Vorstand BDH, ebenfalls Vorstand der Gesamtkonferenz. Hier meine Presseanfrage an Frau Bierbach:

Von: „christian.j.becker.redaktion@homoeopathiewatchblog.de“ <christian.j.becker.redaktion@homoeopathiewatchblog.de>

Betreff: Presseanfrage zur Struktur, Mitgliedschaft und Arbeitsweise der Gesamtkonferenz Deutscher Heilpraktikerverbände

Datum: 28. Januar 2026 um 12:40:10 MEZ

An: Mailadresse Bierbach

Sehr geehrte Frau Bierbach,

im Rahmen einer journalistischen Berichterstattung zur Struktur, Arbeitsweise und öffentlichen Wirksamkeit der Gesamtkonferenz Deutscher Heilpraktikerverbände (Hintergrund: Homoeopathiewatchblog, 28.01.2026, https://homoeopathiewatchblog.de/2026/01/28/wer-ist-fuer-heilpraktiker-aktiv-wenn-es-in-medien-und-politik-ernst-wird-ein-vergleich-mit-3-fallstudien-zwischen-gesamtkonferenz-und-newsblog-und-deren-relevanz/)  bitte ich Sie um eine Stellungnahme zu einigen grundlegenden Fragen.

Anlass ist ein Vergleich öffentlich dokumentierter Aktivitäten der Gesamtkonferenz mit anderen Akteuren im Zeitraum November 2025 bis Januar 2026. Parallel dazu habe ich die auf Ihrer Website als Mitglieder genannten Verbände jeweils einzeln um eine Stellungnahme zu ihrer Mitgliedschaft und Zusammenarbeit mit der Gesamtkonferenz gebeten.

Vor diesem Hintergrund bitte ich Sie als 1. Vorstand um Auskunft zu folgenden Punkten:

1. Struktur und Mitgliedschaft
– In welcher rechtlichen Form ist die Gesamtkonferenz aktuell organisiert?
– Wie definiert die Gesamtkonferenz formell eine Mitgliedschaft von Verbänden?
– Liegen für alle auf Ihrer Website genannten Mitgliedsverbände schriftliche Beitritts- oder Eintrittserklärungen vor?

2. Formalia eines nicht eingetragenen Vereins
– Verfügt die Gesamtkonferenz über eine schriftliche Satzung, und wurde diese allen Mitgliedsverbänden übermittelt?
– Finden Mitgliederversammlungen statt, und werden Einladungen sowie Beschlussprotokolle regelhaft an die Mitgliedsverbände versandt?

3. Finanzierung
– Gibt es innerhalb der Gesamtkonferenz Konzepte oder Planungen zur Finanzierung, etwa über pauschale Beiträge oder Abgaben pro Heilpraktiker, die über die Mitgliedsverbände erhoben werden sollen?
– Falls ja: In welcher Form wurden diese Modelle diskutiert oder beschlossen?

4. Öffentlichkeitsarbeit und politische Kommunikation
– Welche konkreten Aktivitäten der Gesamtkonferenz im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Medienarbeit oder politischer Kommunikation sehen Sie im Zeitraum November 2025 bis Januar 2026 als zentral an?
– Wo sind diese Aktivitäten öffentlich dokumentiert oder nachvollziehbar einsehbar?

5. Anspruch und Sichtbarkeit
– Die Gesamtkonferenz formuliert öffentlich den Anspruch, für den gesamten Berufsstand zu sprechen und koordinierend zu wirken.
Wie stellen Sie sicher, dass diese Rolle für Heilpraktiker und Öffentlichkeit auch sichtbar und nachvollziehbar wird?

Ich bitte um eine Rückmeldung bis 2.2.26.
Sollte keine inhaltliche Stellungnahme von Ihnen zu diesen fünf Fragen erfolgen, werde ich dies im Rahmen der Berichterstattung entsprechend transparent machen.

Mit freundlichen Grüßen

Christian J. Becker

| Gesundheitsjournalist | Dipl. oec. troph. |

Redakteur Homoeopathiewatchblog.de und

Heilpraktiker-Newsblog.de – seit 2018

Haltung. Fakten. Öffentlichkeit für Homöopathie und Heilpraktiker

Was machen Ihre Verbände BDH und VKHD eigentlich bei PR und Politik? Fragen Sie sie – hier ein Musteranschreiben

Heilpraktiker-Verbände wie BDH und VKHD sagen, dass sie sich um Öffentlichkeitsarbeit und politische Kommunikation stellvertretend für ihre Mitglieder und für den Berufsstand kümmern. Genau dafür zahlen Mitglieder Beiträge, beim BDH und VKHD rund 240 Euro im Jahr. Schaut man genauer hin, bleibt allerdings oft unklar, was diese Arbeit konkret bedeutet, wo sie stattfindet, wie sichtbar sie ist und welche politischen Effekte sie erzielt – jenseits allgemeiner Selbstbeschreibungen.

Und es gibt eine Möglichkeit, das herauszufinden: Fragen Sie als BDH- oder VKHD-Mitglied Ihren Verbands-Vorstand. Ein Anschreiben erhalten Sie unten.

Aber es gibt auch Verbände wie der FDH/DDH, die von sich aus Klarheit schaffen, was sie im Bereich PR und Politik für ihre Mitglieder tun. Details am Ende des Artikels.

Dabei ist der Zeitpunkt ungünstig für Unklarheit. Die Herausforderungen sind bekannt. Die mediale Zuspitzung durch die Böhmermann-Sendung, eine zunehmend ablehnende politische Linie insbesondere der Grünen gegenüber Komplementärmedizin, die verhaltene Reaktion vieler Akteure. Gleichzeitig gibt es Chancen. Das empirische Gutachten zum Heilpraktikerberuf liegt auf dem Tisch. Es ist ein Instrument, das in Praxen, in strategische politische Gespräche und in die Medienarbeit gehört. Ob und wie Verbände diese Chance nutzen, ist eine berechtigte Frage ihrer Mitglieder.

Denn Verbände haben eine Verantwortung, nämlich für ihre Heilpraktiker und deren Patienten.

 

Was die Verbände selbst zu PR sagen

Der BDH beschreibt auf seiner Website Öffentlichkeitsarbeit als festen Bestandteil seiner Arbeit. Im Pressebereich heißt es, man vertrete die Interessen der Mitglieder gegenüber Öffentlichkeit und Politik, stelle Pressemitteilungen, Informationen und Bildmaterial bereit und stehe Journalisten als Ansprechpartner zur Verfügung. Öffentlichkeitsarbeit wird hier als Aufgabe benannt. Die Realität: Auf der Website – Rubrik Pressemitteilungen – des BDH stammt die aktuellste Presseinformation vom 23.9.2024 (Link https://www.bdh-online.de/presse/).

Auch der VKHD formuliert einen ähnlichen Anspruch. Der Verband erklärt, er informiere Öffentlichkeit, Medien und Politik über Homöopathie und den Berufsstand und vertrete berufspolitische Interessen homöopathisch tätiger Heilpraktiker. Die Realität: Auf der Website – Rubrik Pressemitteilungen – des VKHD stammt die aktuellste Presseinformation vom 13.9.2023 (Link: https://www.vkhd.de/presse/pressemitteilungen).

Das sind legitime und richtige Selbstbeschreibungen. Was vielen Mitgliedern fehlt, ist jedoch der zweite Schritt: Wie übersetzen sich diese Aussagen in konkrete Aktivitäten? Wo findet politische Kommunikation tatsächlich statt, welche Themen werden gesetzt, welche Gesprächspartner werden adressiert, und wie transparent wird darüber intern und extern informiert? Woran lässt sich Erfolg oder Wirkung erkennen?

Warum Nachfragen kein Angriff ist

Verbände funktionieren nicht wie Dienstleister mit automatischem Leistungsversprechen. Verbands-Vorstände reagieren auf Impulse aus der Mitgliedschaft. Wer nicht fragt, signalisiert Zufriedenheit. Wer sachlich fragt, macht Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen sichtbar und stärkt die interne Debatte. Eine solche Anfrage richtet sich nicht gegen den Vorstand, sondern stärkt ihn und den Verband, weil sie Rückmeldung aus der Mitgliedschaft liefert.

Ein Musteranschreiben für Mitglieder

Wer diese Fragen nicht abstrakt diskutieren, sondern konkret stellen möchte, kann sich an seine Verbände wenden. Das folgende Musteranschreiben lädt zur Transparenz ein, nicht zur Konfrontation. Es hilft den Vorständen, die Erwartungen ihrer Mitglieder besser einzuordnen.

Musteranschreiben an BDH oder VKHD

(das Sie als Mitglied eines der beiden Verbände per E-Mail an den Verband schicken könnten)

Öffentlich einsehbare Mailadressen:
BDH: info@bdh-online.de
VKHD: info@vkhd.de

Betreff: Öffentlichkeitsarbeit und politische Kommunikation des Verbandes

Lieber Vorstand,

auf der Verbands-Website beschreiben Sie Öffentlichkeitsarbeit und politische Kommunikation als zentrale Aufgaben des Verbandes. Als Mitglied interessiert mich, wie diese Arbeit aktuell konkret ausgestaltet ist.

Ich bitte Sie daher um eine kurze Übersicht zu folgenden Punkten:

– Welche Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit hat der Verband in den vergangenen zwölf Monaten umgesetzt, beispielsweise im Zusammenhang mit der Böhmermann-Sendung?
– In welchen politischen Gesprächen oder Formaten war der Verband aktiv beteiligt,
etwa im Kontext gesundheitspolitischer Debatten oder parteipolitischer Entscheidungen (z. B. Grünen-Parteitag)?
– Welche Schwerpunkte setzen Sie aktuell und in den kommenden Monaten bei PR und politischer Kommunikation?
– Wie wird mein Mitgliedsbeitrag konkret für diese Aufgaben eingesetzt?

Ich halte diese Informationen für wichtig, um die Arbeit des Verbandes besser unterstützen zu können.

Mit freundlichen Grüßen
[Name, Praxis]

 

Aktive und weniger aktive Verbände

Ein Blick über den eigenen Verband hinaus zeigt, dass es große Unterschiede gibt. In der Praxis lässt sich beobachten, dass sich Verbände grob in zwei Gruppen einteilen lassen: solche, die Öffentlichkeitsarbeit und Politik sichtbar und kontinuierlich betreiben, und solche, bei denen diese Bereiche eher punktuell, defensiv oder wenig transparent eine Rolle spielen.

Aktive Verbände: Der FDH/DDH zeigen seit Jahren, wie aktive Verbandsarbeit in PR und Politik aussehen kann:
1) Im Bereich Öffentlichkeitsarbeit etwa durch regelmäßige öffentliche Positionierungen, Pressearbeit und klare mediale Präsenz (siehe Vergleich FDH/DDH und BDH im Watchblog, Link).
2) Im Bereich Politik durch dokumentierte, nachvollziehbare Aktionen, etwa den Briefwechsel des DDH mit der Gesundheitsministerin oder offene Briefe, unter anderem an den Antisemitismusbeauftragten (https://ddh-online.de/infos/ddh-aktuell).

Diese Unterschiede zu benennen ist kein Angriff, sondern Teil einer notwendigen Debatte darüber, welche Rolle Berufsverbände künftig spielen sollen: reine Verwalter von Mitgliedern und ihren Beiträgen – oder aktive politische und mediale Interessenvertreter ihrer Mitglieder.

Fazit

Öffentlichkeitsarbeit und Politik passieren nicht von selbst. Sie entstehen dort, wo Mitglieder nachfragen, wo Verbände Rückmeldung bekommen und wo strategische Ziele gemeinsam geschärft werden. Wer möchte, dass sein Verband sichtbarer, wirksamer und politisch handlungsfähiger wird, sollte genau dort anfangen.

Die Vorstände von BDH und VKHD freuen sich über aktive Mitglieder, sie freuen sich über Ihre Fragen zu PR und Politik

Mit einer einfachen, sachlichen Frage an Ihren Vorstand können Sie viel bewegen – als Mitglied von BDH oder VKHD.

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