Wie nützlich sind Online-Petitionen für Heilpraktiker und Patienten? Wie führt man eine erfolgreiche Petition durch? Beispiel: #RetteDeineHomöopathie

Petitionen werden in letzter Zeit häufiger in der Heilpraktiker-Community diskutiert. Was bringen sie, was bringen sie nicht? In diesem Artikel möchte ich als PR-Berater einige Tipps für Heilpraktiker geben, wie man eine erfolgreiche Petition umsetzt. Dazu zeige ich auch drei praktische Beispiele – zwei Beispiele von erfolgreichen, ein Beispiel von einer gescheiterten Petition.

Petitionen sind als eine Art „Online-Demo“ Instrumente der politischen Öffentlichkeitsarbeit, die für Heilpraktiker und ihre Patienten sehr wirkungsvoll sein können. Sie sind aber nur wirkungsvoll, wenn sie mit den richtigen Maßnahmen begleitet werden, sonst scheitern sie. 

Eine der erfolgreichsten Petitionen der letzten Jahre war die Bienen-Petition in Bayern. Sie hat gezeigt, wie es geht. Unterschriften per Petition sammeln, mit Pressearbeit begleiten, mit Social Media öffentlich machen, mit Lobbying an politische Freunde herantragen, mit PR Druck auf politische Gegner aufbauen. Im Ergebnis wurde mehr als eine Million Stimmen gesammelt und die Forderung der Petition wurde zu einem Gesetz, das bereits rechtsgültig ist.

Ebenfalls erfolgreich war die Petition #RetteDeineHomöopathie , mit der ein Heilpraktiker-Verband (FDH), ein homöopathischer Arztverband (Hahnemann-Gesellschaft) und der Homoeopathiewatchblog als Patientenstimme die Partei Die Grünen mit dazu gebracht haben, dass sie einen Anti-Homöopathie-Antrag aus ihrem Parteiprogramm wieder gestrichen haben.

Die bekannte Rossdorfer Anti-Homöopathie-Lobby hatte einen Anti-Globuli-Antrag für den Parteitag der Grünen mit PR und Lobbying durchgesetzt. Als eine Strategie dagegen wurde von der Homöopathie-Community die Kampagne #RetteDeineHomöopathie gestartet, für die eine Petition eine wichtige Maßnahme war.

Für die Petition #RetteDeineHomöopathie haben die Verbände FDH und HG und der Watchblog über Wochen und Monate Unterschriften für die Online-Petition akquiriert. Doch das Unterschriftensammeln war nur die Basis. Die Online-Petition war ein PR-Instrument der Kampagne mit dem Hashtag #RetteDeineHomöopathie, über dessen Ergebnisse öffentlich ständig durch die Initiatoren der Petition berichtet wurde. Und über eine Postkartenaktion an die Grünen-Vorstände wurde die Petition direkt an die Zielgruppe herangetragen. Dann folgte die Medienarbeit als wichtigstes Instrument, um politischen Druck aufzubauen: Zuerst hat der Homoeopathiewatchblog fast täglich im Blog und auf Twitter über die Zwischenstände der Petition berichtet, dann hat die Tageszeitung TAZ über die Petition und die Aktivitäten von Blog und Verbänden berichtet, was wiederum andere Medien aufgegriffen haben. Dann haben die Grünen über die Petition diskutiert, weil die taz geschrieben hat. Und auf dem Parteitag der Grünen wurde nach dieser öffentlichen Diskussion in Blog, Medien, Social Media (vor allem Twitter) der Antrag der Anti-Homöopathie-Gegner abgelehnt. Der öffentliche Druck über Petition, die beiden Verbände und via Watchblog und Presse plus Social Media war zu groß geworden, als dass die Grünen die geplante Anti-Globuli-Politik hätten heimlich und still durchwinken können (wie es geplant war). Wer sich für die Petition #RetteDeineHomöopathie interessiert, finden dazu alle Details im Homoeopathiewatchblog über die Suchfunktion. Auch auf Twitter bietet der Hashtag #RetteDeineHomöopathie weiterhin Infos.

Aber man kann auch aus Fehlern lernen, z. B. aus gescheiterten Petitionen. So hat eine Wissenschaftlerin eine Online-Petition aufgesetzt, mit der sie erreichen wollte, dass eine Stiftung der Komplementärmedizin entlassene Mitarbeiter wieder einstellt. Allerdings wurden bei dieser Petition nur Unterschriften gesammelt. Es fehlte das Herantragen der Aktion an die Zielgruppe, die Pressearbeit, die Social Media-Arbeit, die Übergabe der Unterschriften an die Zielgruppe. So hatte die Petition keinen Effekt – außer gesammelte Unterschriften.

Welche Arten von Petitionen gibt es?

Üblicherweise wird über Online-Petitionen bei Change oder Openpetition diskutiert. Dort sammelt man mit einem aussagekräftigen Text Unterstützer-Unterschriften – ohne dass von offizieller Stelle (wie dem Bundestag) eine genaue Zielgröße der Unterschriftenzahl definiert ist und ohne dass die politische Zielgruppe automatisch von der Petition erfährt. Mehr bieten diese Plattformen nicht. Es liegt also am Petitions-Initiatoren, die Petition öffentlich mit PR und Lobbying weiterzutragen, z. B. die Unterschriften bei Erreichen eines Zieles an die Zielgruppe (bestimmte Politiker) in einer medienwirksamen Aktion zu übergeben. 

Diese Online-Petitionen sind also reine PR ohne für die Politik verpflichtende Maßnahmen. Damit daraus Politik wird, müssen die Petitions-Initiatoren sie aktiv in die Politik transportieren und mit Medienarbeit und Social Media begleiten, sonst bleiben die Unterschriften nur auf dieser Online-Plattform – ohne jede Wirkung in Öffentlichkeit und Politik.

Daneben gibt es noch die klassische Petition beim Bundestag. Dazu reicht man den Petitionstext auf bundestag.de ein, der Petitionsausschuss des Bundestages prüft ihn. Nach Wochen oder Monaten veröffentlicht bundestag.de dann die Petition. Dann beginnt die Uhr zu laufen. Man hat genau vier Wochen Zeit, Unterschriften zu sammeln. Nötig sind 50.000 Unterschriften. Hat man diese Zahl in diesen vier Wochen erreicht, erreicht man das Quorum. Dies bedeutet, dass man Anspruch auf Anhörung in einem Ausschuss des Bundestages zum Thema der Petition hat, für ein Heilpraktiker-Thema wäre das der Gesundheitsschuss. Auch diese Petition ist nur erfolgreich, wenn sie mit Medienarbeit, Social Media-Kampagne und Lobbying begleitet wird.

Was sind Faktoren für eine erfolgreiche Online-Petition?

Wie ich in der Erläuterung zuvor geschrieben habe, gibt es sieben Faktoren, die für eine erfolgreiche Online-Petition notwendig sind:

  1. Die Petition muss einen eindeutigen nachvollziehbaren Absender haben, ein klares politisches Ziel, einen klaren Adressaten und eine klare politische Forderung haben
  2. Der Petitionstext muss für jeden verständlich und aktivierend sein. Er sollte idealerweise mit einem Video unterstützt werden.
  3. Das Sammeln der Unterschriften muss kontinuierlich und über längere Zeit mit hohem Druck und aktiv erfolgen
  4. Die Petition muss mit aktiver PR (speziell Medienarbeit) begleitet werden, sodass regelmäßig Medien und Blogs darüber berichten
  5. Die Petition muss mit aktivem Lobbying an die politische Zielgruppe herangetragen werden und die Politik muss zum Handeln gebracht werden.
  6. Mit Social Media (Twitter, Facebook, Instagram etc.) muss das Thema der Petition kontinuierlich in die öffentliche Diskussion transportiert werden.
  7. Petition, Unterschriften, Lobbying, PR/Medienarbeit, Social Media etc. müssen einen starken politischen Druck auf Freund und „Feind“ aufbauen, der dazu führt, dass die Petitionsforderung von politischen Freunden unterstützt wird und zu einem Gesetz/Verordnung/politischer Entscheidung wird.

Wie scheitern Online-Petitionen?

Die meisten Online-Petitionen scheitern, weil sie von den beschriebenen notwendigen sieben Faktoren nur einen einzigen Faktor beherzigen, das Sammeln von Unterschriften.

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