Heilpraktiker helfen auch Hochleistungssportlern: Interview mit Volker und Florian Müller

Heilpraktiker leisten Außergewöhnliches in der Behandlung von Menschen. Das ist in der Öffentlichkeit aus meiner Sicht als Patient noch zu wenig bekannt. Ein bißchen kann ich dies hier im Heilpraktiker-Newsblog ändern (z.B. mit der Seite #Mein_Heilpraktiker_hilft_mir, auf der Patienten ihre Heilpraktiker-Geschichte erzählen, Link).

Daher suche ich Geschichten, die dieses Thema der Außergewöhnlichkeit besonders gut darstellen. Dabei stoße ich schnell auf das Thema Hochleistungssport. So gibt es Hochleistungssportler, die selbst Heilpraktiker sind oder werden (wie Olympiasiegerin Britta Steffen). Und es gibt Heilpraktiker, die Hochleistungssportler behandeln. Bei der Recherche zu diesem Thema stieß ich immer wieder auf diese Namen: Volker und Florian Müller. Sie sind die Heilpraktiker, die an den meisten Olympischen Spielen (z.B. Lillehammer, siehe Bild) und Weltmeisterschaften (Ski alpin und nordisch) teilgenommen haben – nicht als Zuschauer, sondern als Therapeuten.

heilpraktiker müller
Florian und Volker Müller

Darüber wollte ich mehr wissen und konnte mit Volker und Florian Müller aus Bayrischzell ein Interview führen.

Christian J. Becker: Sie sind schon in der dritten Generation Heilpraktiker, mit Ihrem Sohn und nun auch Ihrem Enkel (in Ausbildung). Schildern Sie doch bitte, wie Sie Heilpraktiker wurden und wie sich diese Generationen-übergreifende Geschichte entwickelt hat.

Volker Müller: „Ich besuchte von 1964-66 die HP-Schule Josef Angerer in München (Anmerkung der Red: Berufsfachschule mit umfassender Berufsausbildung zum Heilpraktiker vom Heilpraktikerverband Bayern, einem Landesverband des Fachverband Deutscher Heilpraktiker FDH). Seit 1966 bin ich in eigener Praxis in Bayrischzell tätig. Eine Assistentenstelle konnte ich damals bei Wilhelm Lorenzen, einem bekannten Heilpraktiker/ Chiropraktiker in Kiel, genießen. Seit dieser Zeit habe ich diverse therapeutische Konzepte verfeinert und in unzähligen Vorträgen weitergegeben. Unterschiedliche manuellen Techniken, Chiropraktik, Neuraltherapie, Mesotherapie und phytotherapeutische Rezepturen, waren und sind die grundlegenden Säulen meiner Tätigkeit. Seit den 1990er Jahren betreue ich die österreichische Biathlon Nationalmannschaft als Heilpraktiker (DO.CN, Diplomierter Osteopath, Chiropraktiker, Neuraltherapeuth) und konnte dabei bei zahlreichen Großveranstaltungen meinen Beitrag leisten.

Mein Sohn Florian (Jg.1970) absolvierte die Joseph Angerer Schule von 1995 -98, nachdem er mehrere Jahre als Physiotherapeut die deutsche alpine Skinationalmannschaft betreute. Unter anderem arbeitete er als Therapeut bei den Olympischen Winterspielen in Lillehammer und konnte zwei Goldmedaillen eines Athleten feiern. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Amtsarztprüfung startete Florian 1998 in der Praxis in Bayrischzell. Seit dieser Zeit haben wir uns sehr positiv weiterentwickelt. Zum einen fachlich, d.h. durch Weiterbildung in Osteopathie, im Bereich der Dunkelfeldmikroskopie, in der Endokrinologie und zum anderen durch zwei Kollegen, wobei einer der beiden Herz-/Kreislauf Störungen und Darmdysbiosen abdeckt. Durch einen Praxisneubau 2011 konnten wir uns räumlich enorm weiterentwickeln.

Mein Enkel Maxi Wiedmann (Jg.1993), war in den Jahren 2015 bis 2017 als Physiotherapeut bei der österreichischen Biathlon Nationalmannschaft tätig und besucht seit dem letzten Jahr ebenfalls die Josef Angerer Schule in München.“

Christian J. Becker: Sie sind auch auf Hochleistungssportler im Bereich Wintersport spezialisiert. Erzählen Sie, mit welchen typischen Beschwerden diese zu Ihnen kommen und wie Sie sie behandeln. Und mit welchen Ergebnissen.

heilpraktiker behandlungFlorian Müller: „Nicht nur Wintersportler besuchen unsere Praxis, auch aus den Sportarten Tennis, Tischtennis, Fußball und Leichtathletik sind Athleten dabei. Die Beschwerden liegen meist in der Natur der Sportart. D.h., dass die alpinen Rennfahrer eher mit Knie, Rücken und Schuhrandprellung zu kämpfen haben, während bei den Ausdauersportlern meist Präventivmaßnahmen zur Muskelpflege oder diverse Therapieansätze zur Stabilisierung des Immunsystems im Fokus liegen. Besonders unsere unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten machen das ganze so abwechslungsreich. Osteopathie, Faszientherapie, modifizierte Neuraltherapie, Mesotherapie, Mikronährstoffe und individuelle phytotherapeutische Rezepturen runden das Ganze wunderbar ab.“

Christian J. Becker: Sie sind auch bei Sportgroßereignissen wie Olympia oder Weltmeisterschaften im Einsatz. Wie kann man sich solch einen Einsatz praktisch vorstellen, was sind Ihre Aufgaben dabei, wie sieht dann Ihr typischer Tagesablauf bei einem Wettkampf aus?

Florian Müller: „Die Prävention für das Immunsystem, frühzeitiges Erkennen und Lösen von muskulären Dysbalancen, diverse Faszienbehandlungen, osteopathische Techniken oder ein gezieltes Deblockieren eines Facettengelenks gehören zu unseren Aufgaben.

Sämtliche therapeutische Maßnahmen finden in Absprache mit dem leitenden Mannschaftsarzt und Physiotherapeuten statt. Als Komplementärmediziner steht man genau dazwischen. Jeder versucht jedoch ohne eigene Empfindlichkeiten ausschließlich das Beste für den Athleten einzubringen. Letztlich entscheidet aber immer der Patient, welchen Weg er geht oder von wem er sich behandeln lässt. Die Athleten wissen genau, wem sie in welcher Situation am meisten Vertrauen schenken. Bei Wettkämpfen oder bei Großveranstaltungen hat jeder seinen Aufgabenbereich. Man steht mehr oder weniger rund um die Uhr zur Verfügung und ist für die Sportler immer präsent.“

Christian J. Becker: Sie haben mir erzählt, dass Sie auch gut mit Ärzten zusammenarbeiten. Im Hochleistungssport scheinen sich Arzt und Heilpraktiker gut zu ergänzen. Wie sieht diese Zusammenarbeit praktisch aus?

Florian Müller: „Die Zusammenarbeit ist schon immer sehr harmonisch und es wird auf Augenhöhe kommuniziert. Die leitenden Mannschaftsärzte sind Unfallchirurgen, Notfallmediziner und Internisten. Jeder deckt seinen Bereich sehr verantwortungsvoll ab. Dazu gehört z.B. die Erstversorgung auf der Piste, ist ein chirurgischer Eingriff nötig, wird ein Hubschrauber benötigt, welche Klinik wird angeflogen, wer operiert am besten die Wirbelsäule, das verletzte Knie, oder mögliche innere Verletzungen….?

Internistisch liegt das Hauptaugenmerk eher im Bereich Blutbild, Leistungsdiagnostik u.v.m. Nicht zu vergessen sind die Sportwissenschaftler. In Verbindung mit Verletzungen und Trainingssteuerung ist hier ein regelmäßiger Austausch nötig.“

Christian J. Becker: Mich würden zwei typische Fallberichte über Behandlungen von Sportler interessieren, inklusive Erfolg der Behandlung. Vielleicht fallen Ihnen zwei besonderen Fälle (ohne Namensnennung) dazu ein.

Florian Müller: „Bei einer Großveranstaltung im alpinen Bereich hatten zwei CT-gesteuerte Wurzelinfiltrationen bei einem Medaillenkandidaten leider nicht den erhofften Erfolg gebracht. Ganz im Gegenteil wurde durch das Applizieren von 2x 80mg Cortison das Immunsystem des Athleten massiv in Mitleidenschaft gezogen. Zum einen konnten wir durch das rechtzeitige therapeutische Eingreifen einen drohenden Infekt abfangen, zum anderen ist es mit diversen manuellen Anwendungen dann doch noch gelungen, den Patienten auf den Punkt fit zu machen und die erhoffte Medaille zu feiern.

Eines Tages kam der Anruf des Managers einer sehr bekannten Weltklasseathletin, welche starke Rückenschmerzen hatte und ihr Rennen am nächsten Tag in ihrem Zustand unmöglich absolvieren hätte können. Er bat mich (Anm: anzureisen und) die Sportlerin im 130km entfernten Wettkampfort zu therapieren . Dank meiner langjährigen Erfahrung im alpinen Bereich konnte ich den richtigen Therapieansatz wählen und das Team feierte in den darauffolgenden Tagen einen Doppelsieg.“


Foto: konghuset no Geir Olsen / NTB scanpix

 

 


 

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